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"Weinstein der Modebranche" Es wird eng für Terry Richardson

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Mehr und mehr Auftraggeber gehen offenbar zu ihm auf Distanz: Terry Richardson.

(Foto: REUTERS)

Gerüchte, dass Terry Richardson die Frauen vor seinen Kameras sexuell bedrängt, gibt es seit Jahren. Doch seinem Nimbus als Starfotograf scheint das nicht zu schaden. Bis jetzt. Im Zuge der Weinstein-Affäre bekommt nun auch er Gegenwind.

"Offenes Geheimnis" - diese Floskel scheint auf die Verfehlungen von Produzent Harvey Weinstein nur allzu gut zuzutreffen. Viele Stars in Hollywood wussten, dass er Frauen sexuell belästigte und missbrauchte - und dennoch schwiegen sie, womöglich aus Sorge, der Filmmogul könne ihre Karriere zerstören. Im Zuge der Weinstein-Affäre geraten unterdessen weitere Größen aus der Showbranche ins Visier, denen ganz ähnliche Vergehen vorgeworfen werden. Der Regisseur James Toback zum Beispiel oder aber Fotograf Terry Richardson. Dabei sind Richardsons angebliche Übergriffe eigentlich schon lange mehr als nur ein "offenes Geheimnis". Entsprechende Gerüchte machen seit Jahren die Runde und wurden auch schon deshäufigeren öffentlich thematisiert.

Die US-Seite "Jezebel" etwa titelte 2010 mit der Überschrift: "Immer mehr Models erheben Vorwürfe gegen Modefotografen". Gemeint war Terry Richardson. Ausschlaggebend war damals die Anschuldigung des dänischen Supermodels Rie Rasmussen: "Sie haben zu große Angst, um Nein zu sagen (...) und sind zu jung, um sich alleine dagegen aufzulehnen", fasste das Model die Zwickmühle zusammen, mit der Richardson Nachwuchsmodels zu Dingen gezwungen haben soll, die sie sonst nie gemacht hätten.

"Wrecking Ball"-Video mit Miley Cyrus

Richardsons Ruf als Starfotograf tat dies keinen Abbruch. Der heute 52-Jährige hatte sie alle vor der Linse, von Barack Obama bis Miley Cyrus. Von der Sängerin knipste er nicht nur Fotos am Rande zur Pornografie. Für sie nahm er auch das "Wrecking Ball"-Video auf, in dem Cyrus splitterfasernackt auf einer Abrissbirne schwang. Das sei nun einmal sein Stil, wurde der Fotograf laut "The Guardian" immer wieder von allen Seiten verteidigt.

Doch wo hört bloße Provokation auf - und wo beginnt sexuelle Belästigung? Richardson habe im Schutzmantel der Kunst immer heftigere Anforderungen an die blutjungen Models gestellt, heißt es nun. Eine sollte für ihn ihren Tampon herausnehmen, wieder eine andere behauptete, der Fotograf habe sie an ihrem Po geleckt und von ihr intime Berührungen während eines Fotoshootings gefordert. Richardson habe immer heftigere sexuelle Handlungen verlangt, auf einige Models habe er sogar ejakuliert - das zumindest berichtete die Seite "Slate". Und zwar im Jahr 2014.

"Kommt darauf an, wem du einen bläst"

Dass sich Richardson wenig bis gar keine Sorgen machte, für sein Verhalten belangt zu werden, zeigte sich aber noch viel früher, im Jahr 2007. Damals soll er ebenfalls laut "The Guardian" gesagt haben: "Es kommt nicht darauf an, wen du kennst, sondern darauf, wem du einen bläst. Und ich habe nicht umsonst ein Loch in meiner Hose." Eines, wie es scheint, das ihm sämtliche Auftraggeber in den vergangenen zehn Jahren partout nicht stopfen wollten.

Doch das scheint sich im Dunstkreis des Weinstein-Skandals nun doch zu ändern. Modehäuser wie Valentino und Bulgari sollen nach den jüngsten Anschuldigungen die Reißleine gezogen und ihre Zusammenarbeit mit Richardson beendet haben, heißt es. Auch der Verlag Condé Nast, der Mode-Zeitschriften wie die "Vogue", "Glamour" und "GQ" herausgibt, geht zu dem Fotografen auf Distanz. Ein Sprecher des Medienunternehmens bestätigte einen Bericht des "Daily Telegraph", in dem aus einer verlagsinternen E-Mail des Vize-Präsidenten von Condé Nast, James Woolhouse, zitiert worden war. Darin heißt es, dass die Zusammenarbeit mit Richardson sofort beendet werde. Alle Bilder, die bestellt wurden oder noch nicht gedruckt sind, sollten "zerstört und durch neues Material ersetzt" werden.

"Terry ist enttäuscht, von dieser E-Mail zu hören, denn er ist bekannt für seine sexuell freizügige Arbeit", zitierte daraufhin die britische Nachrichtenagentur PA einen Sprecher des Fotografen. Alle Models hätten einvernehmlich mit Richardson zusammengearbeitet. Die "Sunday Times" hatte den Fotografen am Wochenende als "Harvey Weinstein der Modebranche" bezeichnet. In Großbritannien wird vermutet, dass dies zur Entscheidung von Condé Nast beigetragen hat.

Quelle: n-tv.de, vpr/spot/dpa