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Pu-Übersetzer, Whiskey-Botschafter Harry Rowohlt ist tot

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Harry Rowohlt während einer Lesung in Stuttgart

(Foto: imago/Horst Rudel)

Er war bekennender Pu-Fan, Bärenstimme, Autor, Botschafter des irischen Whiskeys und Held der Übersetzer-Szene: Harry Rowohlt. Jetzt starb der Verlagserbe mit 70 Jahren an einer unheilbaren Krankheit.

Harry Rowohlt ist tot. Der Schriftsteller und Übersetzer starb am Montag im Alter von 70 Jahren in Hamburg. Das bestätigte sein Agent Ertu Eren. Harry Rowohlt gehörte zu den bekanntesten Stimmen der deutschen Literatur. Zudem übersetzte er mehr als 150 Bücher und schrieb selbst Dutzende. "Sehr viel weniger, aber die zähle ich nicht mit, weil sie nicht richtig Arbeit gemacht haben", sagte er selbst einmal über seine schriftstellerische Leistung. "Und dann habe ich auch noch ganz viele Hörbücher vollgequatscht."

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Rowohlt anlässlich eines Fototermins zur 1000. Folge der Fernsehserie "Lindenstraße" in Köln.

(Foto: imago/T-F-Foto)

Sein größter Erfolg war zweifellos "Pu der Bär": Von Rowohlt neu übersetzt, verkaufte sich die CD 250.000 Mal und brachte ihm im Jahr 2000 eine "Goldene Schallplatte" ein. Aber besser war, ihn live zu erleben. Harry Rowohlt drehte erst auf der Bühne richtig auf. Seit Ende der 80er-Jahre eilte ihm ein sagenhafter Ruf voraus. Er war gerührt und bestürzt, "dass da richtig echte Menschen hingegangen sind, die Eintritt bezahlt haben, dass ich einfach nicht mehr aufgehört habe, zu lesen", erinnerte er sich im Gespräch mit dem NDR anlässlich seines 70. Geburtstages am 27. März dieses Jahres.

Wer aber weniger in der Bücherwelt lebt und seine Übersetzungen wie die von Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter", Flann O'Briens "Auf Schwimmen-zwei-Vögel" oder etlichen Comics von Robert Crumb nicht kennt, dürfte dennoch mit einiger Wahrscheinlichkeit wissen, wie Harry Rowohlt aussieht. Er spielte seit 20 Jahren den "Penner Harry" in der "Lindenstraße". Die Mähne und der eindrucksvolle Bart waren seine Markenzeichen.

Lesungen nicht ohne Whiskey

Harry Rowohlt war kein Freund von gesellschaftlichen Konventionen. Gefeiert hat er seinen 70. nicht. Darauf legte nie viel Wert. Auch Interviews gab er nur wenige. Wer ihn dennoch fragte, ob er etwas mit dem gleichnamigen Verlag zu tun hat, hatte schlechte Karten. Früher musste der Frager sogar fünf Mark an eine gemeinnützige Organisation spenden.

Tatsächlich erbte Rowohlt 49 Prozent des Verlags von seinem Vater Ernst Rowohlt. Er wollte aber nicht dort einsteigen. Sein Vater war fünf Mal pleitegegangen und er wollte "diese Tradition" nicht weiterführen. Sein Bruder und er verkauften den Verlag schließlich Anfang der 1980er-Jahre an die Holtzbrinck-Gruppe.

Legendär waren Harry Rowohlts Lesungen. Nicht selten dauerten sie vier, fünf Stunden oder mehr. Dabei trank er viel. Der Verbrauch betrug dann schon mal eine Flasche irischen Whiskeys oder zwei Flaschen Wein. Später diagnostizierten die Ärzte bei ihm Polyneuropathie, eine Nervenerkrankung. Alkohol war fortan tabu - obgleich er zwischenzeitlich den Titel "Ambassador of Irish Whiskey" verliehen bekam.

Seit 1995 spielte Harry Rowohlt den "Penner Harry" in der Endlos-Serie "Lindenstraße". "Harry Rowohlt ist eine Lichtgestalt", sagte "Lindenstraßen"-Erfinder Hans W. Geißendörfer einst über ihn. "Er spielt den Penner und mit jedem seiner Auftritte veredelt und verzaubert er die Serie. Unser Penner Harry ist die einzige Figur, die es geschafft hat, als 'Märchen' in dem realistischen Alltag des 'Lindenstraße'-Lebens sichtbar zu sein."

Quelle: ntv.de, ppo

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