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Colleen Ballinger & die irren Lippen "Ich wollte noch mehr Hass schüren!"

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Miranda Sings mit den roten Lippe ist das Alter Ego von Colleen Ballinger.

(Foto: Carole Segal/Netflix)

Sich mal so richtig zum Deppen machen? Für Colleen Ballinger kein Problem. Wenn sie in die Rolle von Miranda Sings schlüpft, ist die 29-jährige US-Amerikanerin schließlich in Sachen Humor unterwegs. Mit fieser Stimme und viel zu viel rotem Lippenstift im Gesicht schnippelt sie dann auf Youtube glibberige Spielzeuge auf, echauffiert sich über allzu sexy Verkleidungen oder covert erfolgreiche Popsongs. Auf all ihren drei Youtube-Kanälen zusammen kommt Ballinger auf fast 13 Millionen Abonnenten. Erst sicherte ihr die große Fangemeinde einen Beststeller, nun hat sie mit "Haters Back Off!" eine eigene Serie bei Netflix gelandet. n-tv.de erzählt sie, ob Internet-Stars wirklich faule Idioten sind und welchen Rat sie niemals beherzigen wird.

n-tv.de: Im vergangenen Jahr hat dich das amerikanische Branchenmagazin "The Hollywood Reporter" zu einem der 25 größten Online-Stars gekürt. Ich gehe mal davon aus, auf so einen Titel arbeitet man nicht hin. Als was bezeichnest du dich selbst? Als Internet-Star, als Comedian, Schauspielerin und Autorin?

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Colleen Ballinger: Ich bin Youtuberin! Ich weiß, die Bezeichnung "Youtuber" stößt viele Menschen leider ab. Ich bin aber stolz darauf, wo ich herkomme. Ich hatte im Laufe meiner Karriere schon die Gelegenheit so viele unglaubliche Dinge angehen zu dürfen. Ich habe ein Buch geschrieben, eine Netflix-Show ins Leben gerufen und bin um die ganze Welt getourt. Nichts davon wäre ohne Youtube möglich gewesen.

Dein Alter Ego Miranda Sings ist quasi genauso bekannt wie du selbst. Wieso hast du diese abgedrehte Figur ins Leben gerufen?

Während meines Studiums war ich umgeben von eingebildeten, fiesen Mädels. Aus Spaß habe ich angefangen, ihre Persönlichkeitsmerkmale auf Youtube zu porträtieren. Meinen Kanal habe ich ursprünglich nur gestartet, um meine Freunde zum Lachen zu bringen. Ich hatte nicht damit gerechnet, das irgendjemand die Videos wirklich angucken würde. Es war also eine ganz schöne Überraschung, als sie plötzlich viral gingen!

Erinnerst du dich noch daran, wieso Miranda ausgerechnet diesen fett aufgetragenen roten Lippenstift tragen musste?

Als ich die ersten Videos hochgeladen habe, habe ich eine Menge Hassmails bekommen. Die gemeinen Kommentare haben mich amüsiert. Deswegen habe ich alles gegeben, um noch mehr Hass zu schüren. Über den Lippenstift haben sich die Leute gleich zu Beginn schon lustig gemacht. Also habe ich immer mehr davon aufgelegt und immer kräftigere Farben verwendet, bis daraus die irren Lippen geworden sind, die Miranda heute hat.

Jetzt gibt es Miranda auch in Serie zusehen. "Haters Back Off!" erzählt ihre Geschichte, nicht deine. Kommst du manchmal durcheinander mit den beiden Frauen?

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Miranda nimmt einen großen Teil meines Lebens ein, aber durcheinander komme ich dabei nicht - noch nicht. Ich habe noch Zeit, komplett durchzudrehen!

Miranda kann einem manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Hast du ab und zu mal keine Lust mehr auf die Rolle?

Überhaupt nicht! Ich liebe es, Miranda zu spielen. Sie sollte ja von vornherein bestimmten Leuten auf den Geist gehen und meine engen Freunde zum Lachen bringen. Ich finde, das ist bis heute so geblieben - nur in größerem Umfang. Jetzt gibt es eben Millionen von Leuten, die Miranda nervig finden und Millionen von Fans, die für mich wie Freunde geworden sind.

Auch mit wütenden Kommentaren muss man umgehen können, wenn man online erfolgreich sein will. Wofür wirst du denn am meisten kritisiert und wie gehst du damit um?

Ich werde schon mal allein aufgrund der Tatsache kritisiert, dass ich Youtuberin bin. Online Inhalte zu kreieren, ist sehr negativ belegt. Sobald die Leute hören, womit ich mein Geld verdiene, gehen sie aus, dass ich kein Talent habe oder faul bin. Mit hasserfüllten Kommentaren musste ich erst einmal lernen umzugehen. Aber über die Jahre habe ich mir ein ziemlich dickes Fell zugelegt. Heute versuche ich, es zu vermeiden, allzu furchtbare Sachen zu lesen, und mich stattdessen auf das Positive zu konzentrieren. So viele wunderbare Menschen lieben und unterstützen meine Arbeit. Es wäre eine Schande, das von gemeinen Leuten überschatten zu lassen.

Was ist der am weitesten verbreitete Irrglaube hinsichtlich Online-Ruhms?

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Auch für Internet-Berühmtheit muss man hart arbeiten, weiß Colleen Ballinger.

(Foto: Carole Segal/Netflix)

Dass Internet-Berühmtheiten nur aus purem Glück bekannt sind und kein Talent besitzen. Ich kenne niemanden, der so viel arbeitet wie ein Youtuber. Ich habe höchsten Respekt davor. Die meisten Leute in der Unterhaltungsindustrie haben einen Job. Um als Youtuber in der Branche vorne mitzuspielen, muss man so viele Aufgabenprofile erfüllen. Die meisten von uns schreiben, filmen, schneiden, produzieren und promoten allen eigenen Content selbst. Der Job hält einen rund um die Uhr beschäftigt. Ich mache das jetzt seit fast zehn Jahren. Obwohl es eine Menge Arbeit bedeutet, kann ich mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.

Vor Kurzem hast du zusätzlich zu deinen Online-Aktivitäten mal eben noch einen Bestseller aus dem Ärmel geschüttelt. Da das Buch "Self Help" (Selbsthilfe) heißt: Verrate mir doch bitte, was der beste Rat war, den du je bekommen hast.

Als mein erstes Video viral ging, habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten, dass diese Miranda-Sache wohl meine 15 Minuten Ruhm sein würden. Ich habe damals gesagt, ich sei einfach glücklich, auf der Welle zu surfen. Aber die Person hat mich angeguckt und gesagt: "Surfe nicht auf der Welle, führe sie an." Das ist bei mir echt hängen geblieben. Seitdem habe ich mich nie wieder auf jemanden anderen als mich verlassen, wenn es darum ging, aus meinen Träumen Wirklichkeit zu machen.

Und was wäre ein Ratschlag, den du niemals annehmen würdest?

Mach mal 'ne Pause!!! Meine Familie und meine Freunde sagen mir andauend, ich soll nicht rund um die Uhr arbeiten. Aber will das machen. Ich liebe meinen Job. Er erfüllt mich und macht mich glücklicher, als ich das jemals für möglich gehalten hätte.

Mit Colleen Ballinger sprach Anna Meinecke.

"Haters Back Off!" ist abrufbar über Netflix.

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Quelle: n-tv.de