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Vom Guardian zum Ranger Jurassic World - das ist nicht das Ende

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Hier ein Exemplar der fast ausgestorbenen Arten: T-Shirt-mit-Knöpfen-Träger.

(Foto: AP)

Der Mann ist eine Naturgewalt: Chris Pratt. Kein Wunder, dass er sich für alles, was er eventuell einmal sagen könnte, bereits im Vorfeld entschuldigt. In "Jurassic World" können seine Worte jedoch niemanden besänftigen - die Dinos sind los!

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Hollywood greift momentan ja gern ganz tief, nein, nicht ins Klo, in die Mottenkiste. Neben "Mad Max", "Poltergeist" und dem Wiederaufguss des "Terminators" (ernsthaft mit Arnold Schwarzenegger) ist es daher logisch, dass auch die Dinosaurier wieder mitspielen dürfen. 22 Jahre ist es her, dass uns Steven Spielberg durch den "Jurassic Park" gejagt hat - jetzt ist aus dem "Park" gleich eine "World" geworden und die Regie überlässt er einem Jüngeren. Colin Trevorrow ist für die Neuauflage verantwortlich - und das hat er gar nicht schlecht gemacht.

Doch zunächst zu Chris Pratt: Der "Guardians of the Galaxy"-Star, der nun gegen böse Dinos kämpfen muss, obwohl er die doch liebt, hat sich - rein prophylaktisch - "von ganzem Herzen" für beleidigende Äußerungen entschuldigt - die er noch gar nicht gemacht hat. "Ich möchte mich in aller Form für alles, was ich versehentlich auf der Pressetour für meinen neuen Film 'Jurassic World' sage, entschuldigen", so der 35-Jährige auf seiner Facebook-Seite. "Ich hoffe, Sie glauben mir, dass ich nie jemanden beleidigen will und es tut mir alles furchtbar leid. Ganz ehrlich! Ich bin der netteste Kerl der Welt und ich bedaure alles, was ich gesagt habe und aus Versehen sagen werde."

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Der Dino-Flüsterer: Chris Pratt.

(Foto: dpa)

Grund des Theaters: Hollywoodstars müssen sich immer öfter für selbst beiläufige Äußerungen entschuldigen und sehen sich häufig einem Sturm der Entrüsteten via Twitter und Facebook gegenüber. Ende Januar hatte Benedict Cumberbatch ("The Imitation Game") sich für schwarze Schauspieler starkgemacht und dabei das Wort "farbige" benutzt - so wie es die Verfechter der Political Correctness lange forderten. Er musste sich Vorwürfe anhören, er sei rassistisch.

Immer einen draufsetzen

Nun aber zum Film: Es scheint so, als wäre Hollywood in diesem Sommer auf dem Weg zurück in eine goldene Vergangenheit. Der Australier George Miller schreibt mit "Mad Max: Fury Road" seine apokalyptische Wüstensaga fort, Arnold Schwarzenegger kehrt im Juli mit "Terminator: Genisys" auf die Leinwände zurück, und Steven Spielberg legt 22 Jahre nach "Jurassic Park" als ausführender Produzent mit "Jurassic World" einen vierten Dino-Film vor, der in puncto Spezialeffekte keine Wünsche offen lässt.  

Natürlich entspringt das Revival des Blockbusters nicht nur nostalgischen Gefühlen, sondern auch finanziellem Kalkül: Spielbergs spektakulärer Dino-Erstling von 1993 war der erste Film, der weltweit über eine Milliarde Dollar einspielte, allein in Deutschland haben über 18 Millionen Zuschauer die ersten drei "Jurassic Park"-Teile gesehen.

Immer noch einen draufsetzen: Diese uralte Hollywood-Logik spießt das neue, technisch brillante 3D-Spektakel "Jurassic World" fast schon selbstironisch auf. In einem gigantischen Themenpark mit Streichelzoo und Aquarium auf einer Insel vor Costa Rica basteln die Wissenschaftler an genmanipulierten Urzeit-Viechern, um die Besuchermassen und Investoren mit immer neuen Attraktionen zu erfreuen.

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Gegensätze ziehen sich an.

(Foto: AP)

Die ehrgeizige Park-Managerin Claire (Bryce Dallas Howard) muss ständig Sensationen präsentieren, obwohl der besonnene Tierpfleger Owen (Chris Pratt) vor den Tricksereien im Reagenzglas warnt. Als Claires junge Neffen Gray (Ty Simkins) und Zach (Nick Robinson) den Park besuchen, kommt es zur Katastrophe: Ein Riesensaurier bricht aus dem Sperrbezirk aus und läuft Amok. Die beiden Jungen und mit ihnen rund 20.000 Besucher des futuristischen Parks schweben in Lebensgefahr.

Newcomer mit alten Tricks

Regie bei diesem Action-Abenteuer führte Newcomer Colin Trevorrow, aber "Jurassic World" ist wieder ein typischer Spielberg-Film geworden. Die eigentlichen Stars sind natürlich die Saurier, die aus der Specialeffects-Firma Industrial Light & Magic von George Lucas stammen. Ob süße Streicheltierchen oder zähnefletschende Bestien: Die Urviecher stampfen, rasen, fliegen und schwimmen in so staunenswerter "Lebensechtheit" über die Leinwand, dass man als Zuschauer schon mal den Atem anhalten kann.

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Für die ganze Familie!

(Foto: dpa)

Aber Spielberg hat dazu zum Glück auch noch Schauspieler, die viel mehr sind als bloße Staffage. Chris Pratt spielt den sensiblen Dino-Versteher Owen, einen Naturbursche, der in seiner Freizeit gern an seinem alten Motorrad schraubt. Er hat sich in die coole Managerin Claire verliebt, die zunächst unnahbar bleibt, dann aber doch noch die Ärmel hochkrempelt und zupackt.

Typisch Spielberg ist das große Abenteuer, das die beiden Jungs Gray und Zach erleben. Auf der Flucht vor den Dinos dürfen sie Jeep fahren, in Wasserfälle springen und spüren, wie wichtig brüderliche Hilfe ist. Für die komischen Einschübe ist dann der indische Charakterdarsteller Irrfan Khan ("Slumdog Millionär") zuständig, der eine Lanze für das kreative Chaos bricht und als Hubschrauberpilot wahnwitzige Manöver fliegt. Vincent D'Onofrio schließlich gibt den Gegenspieler, einen aalglatten Militärexperten und Technokraten, der die Dinos zu Kampfmaschinen ausbilden will.

Politisch ist alles sehr korrekt geraten in diesem kurzweiligen Action-Abenteuer, aber am Ende zählen dann doch die Schauwerte. Das Finale funktioniert ganz einfach: Was ist besser als ein großer Dinosaurier? Zwei große Dinosaurier, die sich gegenseitig zerfleischen und gleich den ganzen Themenpark in Schutt und Asche legen. Fast den ganzen Park, am Ende überlebt eines der Viecher. Fortsetzung folgt?

"Jurassic World" läuft ab 11. Juni in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de, Johannes von der Gathen, dpa

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