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Zum Tod von "Vater Beimer" Mach’s gut, Hansemann!

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Hans Beimer, gespielt von Joachim Luger, sitzt in seiner letzten Folge neben Anna, gespielt von Irene Fischer (l), und Helga, gespielt von Marie-Luise Marjan.

dpa

Nach 33 Jahren zieht "Lindenstraße"-Urgestein Joachim Hermann Luger die "Hans Beimer"-Reißleine. Was bleibt, ist eine klaffende Wunde im Herzen der trauernden deutschen Soap-Anhängerschaft. Ein Nachruf.

Der Tod hat nicht viele Freunde. Im realen Leben schon gar nicht, wenn er sich wahlweise laut polternd oder auf leisen Sohlen aus dem Dunkel ins Rampenlicht drängt und dabei Familien auseinander reißt und Freundschaften beendet. Aber auch in der fiktiven TV-Welt zählt der Sensenmann nicht gerade zu den beliebtesten "Charakteren". Und doch gewährt man ihm immer wieder seinen großen Auftritt.

Am heutigen Tage möchte man dem modrigen Gesellen aus dem Jenseits gleich beide Stinkefinger vor die Nase halten. Der Grund: Die "Entführung" des TV-Vaters aller TV-Väter. Ja, es ist tatsächlich wahr. Hans Beimer weilt nicht mehr unter den Lebenden. All jene (und es sind nach über dreißig Jahren immer noch Millionen), die sich jeden Sonntagabend vor der Flimmerkiste versammeln, um sich an den emotionalen "Lindenstraße"-Achterbahnfahrten zu erfreuen, tragen heute Trauer.

Mit Hans Beimer verabschiedet sich eine Figur auf Nimmerwiedersehen, die sich dem deutschen TV-Publikum erstmals am 8. Dezember 1985 präsentierte. Und zwar mit vorweihnachtlichen Gitarrenakkorden und den Worten: "Wir haben ja gerade erst angefangen." Und wie Recht er damit hatte. 33 Jahre später weiß man selbst als eingefleischter "Lindenstraße"-Fan nicht womit man anfangen soll, wenn es um die Charakterisierung der Vorabend-Lichtgestalt geht.

Hans Beimer war alles

Hans Beimer war alles. Er war die personifizierte Mixtur aus Liebe, Hass, Freud und Leid. Er verkörperte die nahezu komplette Bandbreite dessen, was den Puls eines deutschen, zwischen Spießbürgerkeller und Party-Dachterrasse pendelnden Familienvaters hoch- und runterfahren lässt.

Unvergessene Vorabend-Momente wie die schlabbernde Ehebrecherzunge im Hals von Anna Ziegler, das heimliche Anpflanzen von Cannabis-Pflanzen auf dem Dachboden und das tränenreiche Trauern um den verunglückten Sohnemann Benny werden eingefleischte "Lindenstraße"-Anhänger wohl bis ans eigene Lebensende begleiten.

Ebenso im Gedächtnis bleiben werden all die wahlweise zuckersüß oder hochgradig giftig geführten Gespräche zwischen Hans und seiner "Taube" Helga, sowie die unendlichen Freud- und Leid-Dramen, geprägt von Liebe, Wut, Glück und Eifersucht.

Es soll seine letzte "kleine Runde" werden

Ergraut, ein bisschen tatterig und gezeichnet und gebeutelt vom Parkinson-Syndrom zieht Hans Beimer heute ein letztes Mal seine Jogginghose an. Es soll seine letzte "kleine Runde" werden.

Nach einem aufreibendem Wer-sucht-der-findet-Drama im vom Gewitterregen geschüttelten Hochholdinger Forst, bestaunt das fleischgewordene Vorabend-Denkmal im Beisein seiner beiden Format-Gefährtinnen Helga und Anna noch einmal einen berührenden Sonnenuntergang.

"Das ist kein Ende. Das ist erst der Anfang", haucht Hans mit einem Grinsen im Gesicht. Dann schließt er die Augen, legt seinen Kopf auf die Schultern und verabschiedet sich in die ewigen TV-Jagdgründe. Schluss. Aus. Das war’s. Das WDR-Funkhausorchester zieht im Hintergrund noch einmal alle Register. Die berühmte Abspann-Melodie sorgt für einen letzten Gänsehautmoment. Ruhe in Frieden, Hans Beimer. Du wirst uns fehlen.

Quelle: n-tv.de

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