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Immer noch für den einen oder anderen Aufreger gut: Marilyn Manson.
Immer noch für den einen oder anderen Aufreger gut: Marilyn Manson.(Foto: imago/Eibner)
Dienstag, 07. November 2017

Die Knarre im Anschlag: Marilyn Manson zielt auf sein Publikum

Provokation gehört zu seinem Geschäft. Doch für manche hat es Marilyn Manson bei einem Auftritt in Kalifornien nun - mal wieder - übertrieben: Der Sänger richtete ein Gewehr auf seine Zuschauer. Das war allerdings nicht echt. Und Manson hat eine Erklärung parat.

Nein, heutzutage können Künstler eigentlich kaum noch schocken - "jedenfalls nicht, so lange man nicht etwas vollkommen Irrsinniges macht - sich auf der Bühne den Arm abschneidet und ihn isst zum Beispiel". Das erklärte vor Kurzem kein Geringerer als der "Godfather" des Schock-Rocks, Alice Cooper, im n-tv.de Interview. Doch Marilyn Manson scheint ihn da gerade eines Besseren zu belehren. Jedenfalls sorgt dessen Auftritt bei einem Konzert im kalifornischen San Bernardino in den USA derzeit für einige Empörung.

Es war einer der ersten Auftritte Mansons nach einem Bühnenunfall Ende September, bei dem er sich ein Bein gebrochen hatte. In San Bernardino ließ sich der 48-Jährige nun von einem "Pfleger" in einem Rollstuhl auf die Bühne bringen, dazu trug er einen Krankenhauskittel. Während des Songs "We Know Where You Fucking Live" ("Wir wissen, wo ihr verdammt nochmal wohnt") holte Manson den Nachbau eines Sturmgewehrs hervor - und zielte mit der Fake-Waffe in Richtung seiner Zuschauer.

"Ein Akt des Theaters"

Der folgende Aufschrei war wohl kalkuliert und programmiert. Und das aus mehreren Gründen. Nach den Terroranschlägen auf Rock- und Popkonzerte wie dem der Eagles of Death Metal in Paris oder dem von Ariana Grande in Manchester war die Aktion schon mal ganz grundsätzlich eine gezielte Geschmacklosigkeit. Noch dazu hatte nur wenige Stunden zuvor die blutige Schießerei in einer texanischen Kirche stattgefunden, bei der mehr als 20 Menschen ihr Leben verloren. Und schließlich musste auch just San Bernardino vor noch nicht allzu langer Zeit einen Terroranschlag verkraften: Im Dezember 2015 erschossen Islamisten 14 Menschen in dem Ort und verletzten 21, ehe sie selbst in einem Feuergefecht ums Leben kamen.

Das Attentat in der kalifornischen Stadt mit rund 200.000 Einwohnern hatte in einer Einrichtung für Menschen mit Entwicklungsbeeinträchtigungen stattgefunden. Dass Manson bei seiner umstrittenen Darbietung auch noch einen Krankenhauskittel trug, empfinden einige Kritiker deshalb als besonders perfide. Das Konzertpublikum selbst blieb dagegen nach Informationen lokaler Medien während der Aktion des Musikers ruhig. "Obwohl es einige im Publikum daneben fanden, schien die Einlage ansonsten niemanden groß aufzuregen", urteilte etwa die "San Bernardino Sun".

Manson selbst sah sich inzwischen genötigt, auf die Kritik an seinem Auftritt zu reagieren. In einem von dem Sänger veröffentlichten Statement heißt es: "In einer Zeit, in der es beinahe täglich zu Massen-Schießereien kommt, war dies ein Akt des Theaters, der zeigen sollte, wie einfach halbautomatische Waffen erhältlich sind und wie normal es geworden ist, sie zu sehen." Mit seiner Kunst habe er schon immer Menschen dazu bringen wollen, über die schrecklichen Dinge nachzudenken, die auf der Welt passierten. Er habe nicht respektlos oder unsensibel sein wollen. "Mein Mitgefühl geht an alle, die vom unverantwortlichen und verwerflichen Missbrauch ECHTER Waffen betroffen sind", so der Musiker.

Quelle: n-tv.de

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