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Sag', dass es nicht wahr ist Prince ist tot

Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch 'ne miese Meldung daher. Im heutigen Fall die, dass Prince, den wir unter diversen Namen kennen und lieben durften, mit 57 gestorben ist. 2016 – es reicht!!!

Ich erspare mir und Ihnen jetzt aufzuzählen, wer alles in den letzten Wochen und Monaten von uns gegangen ist. Bei einigen war es ein altersbedingter Tod, wie bei Hans-Dietrich Genscher, ein quasi natürlicher Vorgang, der aber dennoch schmerzt. Wenn Menschen im Alter von Guido Westerwelle oder Roger Cicero aber das Zeitliche segnen, dann ist es die Pest, die Hölle, die Cholera in Personalunion, man findet keine Worte. Eigentlich. Weil es sich aber im Fall von Prince um eine großartige Person, eine Persönlichkeit handelt, die vielen von uns sehr viel Freude gebracht hat, würdigen wir ihn, der nun mit nur 57 Jahren gestorben ist, mit warmen Worten, die auf keinen Fall auszudrücken vermögen, was der Verlust dieses Musik-Genies bedeutet.

1984 saß ich im Kino und guckte mit ein paar Leuten aus meiner Schule "Purple Rain", diesen Film, der zwar nicht mein Lieblingsfilm ist, von dem ich aber noch wie heute weiß, dass er mir ein wohliges Gefühl verursachte. Ich saß höchstwahrscheinlich neben einem Typen, den ich gut fand. So viel zum Film, muss reichen. "Purple Rain" war ein Hit - als Film, als Single, als Album. Und deswegen jetzt zur Musik: Kaum jemand hat der Musikwelt so viel gegeben wie Prince! Er bekam viele Grammys, einen Oscar und einen Golden Globe, er war in der Rock and Roll Hall of Fame. Der 1,58 Meter kleine Künstler war ein Ausnahmetalent, keine Frage.

Genie und Wahnsinn

Aufgewachsen in Minnesota mit sieben Geschwistern, hatte er keinen glamourösen Start ins Musikbusiness, das von seinem Vater hinterlassene Klavier jedoch war sein Licht am Ende des Tunnels. 1973 gründete er seine erste Band, er spielte Gitarre, E-Bass, Keyboard, Schlagzeug und Synthesizer. Prince kleidete sich von jeher exzentrisch, seine Liedtexte waren gern anzüglich (explicit) und seine Haare erst vor Kurzem wieder zu einem Afro-Look gewachsen. Prince wirkte schüchtern und unnahbar, hatte aber gerne andere Musiker und Musikerinnen an seiner Seite. Privat weiß man nicht wirklich viel - er war diverse Male verlobt und zwei Mal verheiratet. Seine Ex-Frau Mayte Garcia verlor zwei Babys in der Ehe mit dem erfolgsverwöhnten Musiker, der seiner Zeit voraus war wie kaum ein anderer

Das erste Lied, das mir spontan einfällt, ist "Diamonds and Pearls": Wie Samt klingt dieses Lied - wenn Stoff irgendwie klingen kann -, es rieselt am Körper entlang und es macht weich und demütig. Es perlt wie Champagner, es hat Tiefe wie ein dickes Daunenbett, es hat Licht wie eine Kirche voller Kerzen, es blitzt wie ein Diamant und es ist rund wie Perlen. Angenehm. Angenehm auf diese Art, bei der sich einem die Nackenhaare wohlig aufstellen und man weiß, gleich wird etwas Außergewöhnliches passieren.

Als zweites fällt mir "When Doves Cry" ein und was soll ich sagen? Ich bin eine Taube, ich weine, ich weine um diesen kleinen Mann aus Minneapolis, der es geschafft hat, so bedeutend zu werden wie Elvis, Michael Jackson, die Beatles, die Rolling Stones oder David Bowie. Er veröffentlichte mehr als 20 Studioalben, spielte diverse Instrumente, war kapriziös, launisch und genial. Er wohnte auf einem Anwesen, das sich Paisley Park nannte, und er war der verdammte sexy Motherfucker himself, ein Gott an der E-Gitarre – er machte Liebe mit diesem Instrument - und jetzt soll ihn also eine schnöde Grippe dahingerafft haben? Es kann nicht wahr sein! Ja, neulich musste sein Flugzeug notlanden, wohl wegen eben dieser Grippe, aber jetzt mal ehrlich, da denkt man sich bei einem 57-Jährigen doch nichts außer, dass er sich mal schleunigst ins Bett begeben sollte, um den Mist auszukurieren. Ich bin nicht vorbereitet auf Prince' Tod. So simpel ist das.

Meister der Exzentrik

Ich kenne Menschen, die jeden seiner Songs mitsingen können, die sich bei seiner Musik kennengelernt haben, die ihn verehrt haben, auch wenn er zickte. Seine letzte Tournee, die ihn nach Deutschland führte, gehört leider in die Zicken-Anekdoten-Ecke. Kann man ja nicht ahnen, dass es die letzte Tour gewesen sein soll, vielleicht hätte man dann doch die überhöhten Kartenpreise hingelegt, wird sich so manch einer nun sagen. Über Tote redet man nicht schlecht, heißt es. Das wollen wir auch nicht. Auch die Streitereien mit seinen Plattenfirmen und das daraus resultierende Gewechsel seiner Namen ("The Artist Formerly Known As Prince" oder einfach nur "The Artist", "Symbol", "Slave") sollen hier kein Gegenstand sein. Wir hätten nicht mal schlecht über ihn geredet, wenn es wirklich Grund dazu gegeben hätte, denn einer wie Prince Rogers Nelson wirkte wie von einem anderen Stern. Und doch ist er jetzt in Minnesota, in dem Staat, in dem er auch geboren wurde, gestorben. Über die Todesumstände werden wir wohl erst in den nächsten Tagen mehr hören.

Seine Art, sich zu kleiden, sein Haar, sein Blick, aber vor allem seine Musik waren ein Ausbund an Kreativität, an Innovation, an Übernatürlichkeit, so irreal, dass man damit rechnen durfte, noch weitere 20 Alben bis ins hohe Alter von ihm zu bekommen. Er sah so jung aus!! Was sollen Soul, Funk, Blues, Rock'n'Roll und selbst der Jazz jetzt ohne ihn machen? Was sollen wir ohne ihn machen? Weiter, schon klar, aber die Welt ist nicht mehr dieselbe.

Was uns tröstet? "1999", "I Wanna Be Your Lover", "I Would Die For You", "Sign O' The Times", "Money Don't Matter Tonight", "If I Was Your Girlfriend", "Raspberry Beret", "Do Me Baby", "Sexy M.F." und so viele andere Songs, die bleiben.

Und die Tatsache, dass es wohl kaum einen Künstler gibt, der noch so viel Unveröffentlichtes im Schrank hat wie "The Artist forever known as Prince".

Quelle: n-tv.de

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