Unterhaltung
Werden wir sie vermissen? Die diesjährigen Teilnehmer bei "Promi Big Brother".
Werden wir sie vermissen? Die diesjährigen Teilnehmer bei "Promi Big Brother".(Foto: Sat.1/Weychardt/Weber/Zauritz)
Freitag, 25. August 2017

Das Debakel "Promi Big Brother": Und wenn ich nicht gewinn', verlier' ich eben

Von Volker Probst

Das Format "Promi Big Brother" hat durchaus Potenzial. An sich nicht weniger als das Dschungelcamp. Doch die Macher versemmeln an der Show, was nur zu versemmeln geht. Eine Bilanz vor dem Finale.

Das nennt man wohl Zweitverwertung. Der Titelsong "Frei" der aktuellen Staffel von "Promi Big Brother" stammt von Michael Bauereiß, der 2015 - erfolglos - an der ProSieben-Sat.1-Show "The Voice Of Germany" teilgenommen hatte. Das passt natürlich zu einer Sendung, in der vermeintliche Stars wie ein Ex-Caught-In-The-Act-Sänger, ein Ex-Eis-am-Stiel-Darsteller oder ein Ex-Freund von Jenny Elvers ebenfalls ihre mediale Zweit- oder Drittverwertung erleben.

Nein, sie kannte vor "Promi Big Brother" wirklich kaum einer: Evelyn Burdecki.
Nein, sie kannte vor "Promi Big Brother" wirklich kaum einer: Evelyn Burdecki.(Foto: Sat.1)

Obwohl? Mit Container-Schranzen wie Evelyn Burdecki, Claudia Obert und Jens Hilbert wartete "Promi Big Brother" in diesem Jahr auch mit ein paar nahezu kompletten "No Names" auf. Das bescherte der Show im Vorfeld einigen Hohn und Spott, ist aber letztlich völlig schnurz. Das Sozialstudien-Theater im TV-Knast lässt sich schließlich in der passenden Konstellation und unter den richtigen Bedingungen auch mit Hinz und Kunz passabel aufführen. Das hat das Format längst bewiesen, in einer Zeit, als noch keine angeblichen Promis den Container bevölkerten. An der Besetzung liegt es deshalb nicht, dass die Show in diesem Jahr einem Debakel gleichkam - nachdem sie auch in den Vorjahren stets nur bedingt gelungen war.

Blauäugig, wurstig, uninspiriert

Es liegt an den Machern. "Ich bin gekommen, um alles aufzugeben. Und wenn ich nicht gewinn', verlier' ich eben", trällerte Bauereiß einem zu Beginn jeder Folge ins Ohr. Beim ersten Hören klingt das natürlich, als passe es zu den Kandidaten wie der Ball zu Sat.1, pendeln die in ihrem Leben doch offenbar stets genauso zwischen Licht und Schatten wie zwischen "Nichts" und "Alles" im Container. Doch der Song könnte ebenso eine Hymne für "Big Brother" und seine Helfershelfer sein, derart blauäugig, wurstig und uninspiriert haben sie die Show zusammengeschustert. Und wenn ich nicht gewinn'? Ach, pfft, dann verlier' ich eben.

Danke, dass wir die Einhorn-Nummer in der Duellarena erleben durften!
Danke, dass wir die Einhorn-Nummer in der Duellarena erleben durften!(Foto: Sat.1)

Dabei haben sie am Anfang noch gut daran getan, zumindest einiges, wenn auch nicht alles aus den vorangegangenen Staffeln aufzugeben. Das Studiopublikum etwa war tatsächlich ebenso unnötig wie eine Klobürsten-Schale als Trinkbecher im "Alles". Und auch auf eine Cindy aus Marzahn im Stehlampenschein oder eine dauerquäkende Désirée Nick als Kommentatorinnen ließ sich mehr als gut verzichten.

Scherze über schlechte Scherze

Leider wurde nur vergessen, auch Jochen Schropp als Moderator gleich mit zu entsorgen. Keine Frage, die an sich unmögliche Kreuzung aus einem Hipster und Schwiegermamas Liebling macht sich wirklich gut in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Doch das Quäntchen Fiesling, das es in einem Format wie diesem braucht und das Sonja Zietlow und Daniel Hartwich im Dschungelcamp stets par excellence vorexerzieren, steckt einfach nicht in ihm. Und so sehr er auch versuchen mag, sich selbst ein Sackgesicht aufzuzwingen - man kauft es ihm einfach nicht ab. Ihm den schon mit deutlich mehr Zynismus "gesegneten" Jochen Bendel zur Seite zu stellen, war deshalb definitiv kein Fehler. Doch ein Allheilmittel war es nicht.

Ein Dream-Team? Die "Jochis".
Ein Dream-Team? Die "Jochis".(Foto: Sat.1 / Willi Weber)

Die "Jochis" würden sich "an ihren gescripteten Witzkarten festbeißen wie an einem Zwieback", schrieb Kollegin Verena Maria Dittrich bereits zum Auftakt der Show bei n-tv.de. Und tatsächlich stellt sich die Frage nach der Henne und dem Ei. Sind die Gags, die den beiden aufgeschrieben wurden, eigentlich wirklich so mau, dass mittlerweile sogar schon die "Jochis" selbst Scherze über ihre schlechten Scherze machen? Oder können die beiden nur einfach keine Witze erzählen? Schropp schafft es jedenfalls auch noch in seinem vierten Jahr als Spaßkanone bei "Promi Big Brother" gefühlt jede dritte Pointe mit einem Versprecher zu vergeigen.

Von Einhörnern und Blechbüchsen

Doch man sollte nicht alle Schuld auf den Moderatoren abladen. An dem Trauerspiel wurde hinter den Kulissen schon fleißig mit gewerkelt. Man möchte gar nicht wissen, wie oft Willi Herren seine Steuerschulden wahrscheinlich mit dem Geld begleichen könnte, das in die sogenannte Duellarena geflossen ist. Da steht er nun, der Gladiatoren-Tempel mit Planschbecken, bei dem man jeden Augenblick damit rechnet, dass Stefan Raab gleich wieder vom Turm springt. Und all das nur, um dann dort mit aufblasbaren Einhörnern, Nutella oder Blechbüchsen Spielchen zu inszenieren, die sich ansonsten allenfalls bekiffte Eltern für den Kindergeburtstag ihres Fünfjährigen einfallen lassen. Und die ungefähr so prickelnd waren wie Claudia Obert nach der dritten Flasche Wein. Das war in den Vorjahren - ganz ohne Pool, Protz und Pipapo - schon mal um Längen besser.

Ob es die Zuschauer wollen oder nicht - Willi Herren ist im Finale.
Ob es die Zuschauer wollen oder nicht - Willi Herren ist im Finale.(Foto: Sat.1)

Das letzte Duell vor dem Finale, das die Kandidaten am Donnerstag absolvieren mussten, ist dabei geradezu ein Sinnbild für den kompletten Murks der Show in diesem Jahr. Die verbliebenen fünf Teilnehmer wurden - hui, wie gemein - vielleicht zehn Sekunden über Kopf aufgehangen, in denen sie mit ein paar Hämmern auf Dosen werfen und diese so abräumen mussten. Das war nicht nur ähnlich abturnend wie Claudia Obert in der Wanne. Weil sich die Macher in den vergangenen zwei Wochen zudem anscheinend wenig bis gar keine Gedanken über den möglichen Verlauf ihrer Sendung gemacht haben, hatte es auch fatale Konsequenzen. Dem Gewinner des Duells wurde schließlich automatisch ein Finalticket zuteil. Und wie es der dumme Zufall will, ergatterte das ausgerechnet Willi Herren.

Pleiten, Pech und Pannen

Um in das Finale einzuziehen, musste sich Herren somit nicht ein einziges Mal dem Votum des Publikums stellen. Dabei kochen die Emotionen der Zuschauer wegen der Doppelgesichtigkeit des 42-Jährigen schon lange so hoch, dass sie ihn wahrscheinlich längst zurück an den Ballermann gebeamt hätten. Wie "aus Versehen" wurde damit auch noch ein zentrales Grundelement, von dem die Sendung lebt, mal eben ausgehebelt: die Mitbestimmung der Zuschauer. Als hätte es das in der Ansammlung von Pleiten, Pech und Pannen - die von den vielfach beklagten Mängeln in der Erzählstruktur der Sendung bis hin zu einem peinlichen Messfehler beim Wassermelonen-Duell reichten - auch noch gebraucht.

Die Kritik, die es in den vergangenen Tagen von allen Seiten an der Machart der Sendung gehagelt hat, blieb nicht ohne Folgen. Angeblich könnte dies die letzte Staffel von "Promi Big Brother" sein, heißt es. Dabei hat das Format an sich allemal genug Potenzial, um Trash-TV-Herzen höher schlagen zu lassen. Das zeigt sich etwa auch daran, wie erfolgreich es in England läuft. Dazu reicht es jedoch nicht, nach dem Motto "Schlecht kopiert ist halb gewonnen" Elemente wie die Einspieler mit den Kandidaten im Cartoon-Format vom Dschungelcamp zu imitieren. Es scheint, als müsste jemand den großen Bruder mal an der Hand nehmen und ihm mit sonorer Stimme ins Gewissen reden: Verlieren ist nicht.

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Quelle: n-tv.de