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"Blutsturz und Schnappatmung" Jetzt kontert Waldi

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Weiß, dass er das "Tor des Jahres" geschossen hat: Waldemar Hartmann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sein Patzer bei "Wer wird Millionär" wird Waldemar Hartmann sicher bis in alle Ewigkeit nachhängen. Aber wie der Fußballexperte ja weiß, ist Angriff die beste Verteidigung. Deshalb schießt "Waldi" den Ball nun witzelnd zurück.

Während das ganze Land über Waldemar Hartmanns peinlichen Aussetzer beim Prominentenspecial von "Wer wird Millionär?" lauthals lacht, reagiert der Sportreporter relativ gelassen auf die Häme. Da die Sendung mit Günther Jauch nicht live, sondern aufgezeichnet war, hatte er schließlich einige Zeit, um sich auf die schenkelklopfende und schadenfrohe Nation vorzubereiten. "Ich habe mein tiefes, depressives Tal schon hinter mir", erklärte Hartmann dementsprechend, auch wenn er sich nicht habe vorstellen können, "dass solch ein Tsunami über mich hereinbricht".

Zugleich konnte "Waldi" nach der Ausstrahlung der Show aber auch über sich selbst witzeln: "Jetzt habe ich es also zum 'Tor des Jahres' auf die Seite 1 der 'Bild' geschafft." Und das, "weil ich eine Quizfrage falsch beantwortet habe. Wenn ich gewusst hätte, dass das reicht, hätte ich mir einige Weißbier ersparen können", erklärte der 65-Jährige, der bereits als Werbeträger für eine Biermarke unterwegs war.

Von Lena Gercke abgelenkt?

In einem Interview ging Hartmann zudem darauf ein, wie sich sein verbockter Einsatz bei "Wer wird Millionär" abgespielt hat:

Das Ganze war ja nicht live bei RTL - wann und wo ist das passiert?

Hartmann: Anfang November - wir waren in Sindelfingen nach einer Lesung gerade auf dem Sprung zu einem Italiener. Es war gegen 22.25 Uhr, als mir jemand das Telefon reichte. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf.

Wie haben Sie die 30 Sekunden Antwortzeit erlebt? Sie klangen ja

absolut sicher, dass Deutschland noch nie eine WM im eigenen Land gewonnen hat …

Zunächst gab es das übliche Geplänkel mit Günther, dann hat Lena Gercke die Frage gestellt. Ich muss sagen: Ich kann mit der Wohlfühlgesellschaft Fußball sehr wenig anfangen, wenn wir vorm Brandenburger Tor schon dritte Plätze feiern und das zu einem großen Sommermärchen wird. Wenn dann noch eine schöne und blitzgescheite Frau wie die Lena anruft, habe ich wohl für Fußball keinen Platz mehr in meinem Kopf gehabt.

Was ist nach dem Auflegen passiert?

Ich wurde schnell aufgeklärt. Danach bekam ich so etwas, was es medizinisch nicht gibt - eine Mischung aus Blutsturz und Schnappatmung. Eine Stunde später hat mich Günther Jauch angerufen und gesagt: "Jetzt weißt Du, wie sich die Kandidaten auf dem Stuhl fühlen." Er hat mir geraten, keine Weißbier-Werbung zu machen, sondern für Ginseng-Produkte. Vielleicht meldet sich die Pharmaindustrie ja. Und vielleicht hilft's ja auch!

Wo waren Sie denn bei der WM 1974 - außer Landes?

Es gibt vier, fünf Kronzeugen der Verteidigung, die belegen können, dass ich einige Gäste bei mir in Augsburg im Wohnzimmer hatte. Danach sind wir singend mit Schmähgesängen gegen die Holländer durch die Straßen gezogen. Ich könnte heute auch noch die Mannschaftsaufstellungen herunterbeten. Es war eben halt ein Blackout, so wie manch Bundesminister ihn angeblich hatte, wenn er nicht mehr wusste, woher die Parteispenden kamen.

Politiker werden nach Aussetzern gern mal zum

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Ach, war das nicht herrlich!

(Foto: picture alliance / dpa)

Rücktritt  aufgefordert - denken Sie an Rücktritt als Fußballexperte?

Ich bin zurückgetreten, ich habe einen Rentenausweis. Ich habe keinen Job mehr, den ich verlieren könnte. Mir geht es gut. Danke der Nachfrage.

Wie nehmen Sie den Spott heute auf, vor allem im Internet?

Ich nehme anonyme Menschen im Internet nicht zur Kenntnis, ich habe kein Facebook, kein Twitter. Und wenn ich jetzt einigen Menschen zum Auskotzen verholfen habe und es ihnen damit besser geht: Herzlichen Glückwunsch!

"Aschfahl" und "stocknüchtern"

Hartmann indes ging es wohl nicht wirklich gut, nachdem er den Hörer nach Jauchs Anruf wieder aufgelegt hatte. Buchhändler Ulrich Röhm, in dessen Räumen der Reporter seine besagte Lesung in Sindelfingen abgehalten hatte, berichtete, er und andere Gäste hätten das Telefongespräch verfolgt und anschließend verdutzt bei Hartmann nachgehakt. "Waldi", so Röhm, habe nur an 2006 gedacht, nicht an 1974. "Dann wurde er aschfahl und konnte sich nicht beruhigen", schilderte der Buchhändler die Szenerie weiter und versicherte zugleich: "Aber er war stocknüchtern!"

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Leidensgenossin: Carmen Thomas trat vor 40 Jahren mit "Schalke 05" im "Sportstudio" ins Fettnäpfchen..

(Foto: picture alliance / dpa)

Jauch zeigte Verständnis für seinen einstigen Kollegen beim Bayerischen Rundfunk. "Blackout ist Blackout", sagte der Showmaster. Er habe mit Hartmann nach dessen Telefoneinsatz gesprochen. "Er hat es sofort gewusst", erklärte Jauch und fügte lachend hinzu: "Waldi bleibt weiter ein guter Kumpel."

Mit seinem Lapsus steht Hartmann in der Geschichte des deutschen  Sportjournalismus natürlich nicht allein da. Unvergessen ist für viele auch der Versprecher von ZDF-Moderatorin Carmen Thomas, die vor rund 40 Jahren im "Sportstudio" statt von "Schalke 04" von "Schalke 05" geredet hatte. Thomas prophezeite Hartmann nun auch, dass ihn sein Patzer genauso lange verfolgen werde wie sie ihr einstiger Versprecher. "Es wird zur Folge haben, dass ihn das genauso bis in den Tod begleitet wie mich das 'Schalke 05' - oder sogar noch über den Tod hinaus", sagte die heute 67 Jahre alte Journalistin.

Thomas schrieb Hartmann nach eigenen Angaben eine Mail, um ihn wissen zu lassen, dass sie mit ihm mitfühle. "Ich glaube, er war einfach so unter Druck, das richtig machen zu wollen, dass er einen geistig-emotionalen Blackout hatte", vermutete Thomas. Hartmanns Expertentum sei davon jedoch völlig unberührt. "Überhaupt nicht rechtfertigen und erklären - das ist das Allerwichtigste", empfahl sie dem Kollegen und ergänzte: "Shit happens."

Hartmann war von Model Lena Gercke und Modemacher Guido Maria Kretschmar, die als prominente Kandidaten bei "Wer wird Millionär?" um Geld für den guten Zweck spielten, als Telefonjoker eingesetzt worden. "Welche Fußballnation konnte bei den bisherigen 19 Weltmeisterschaften nie den Titel im eigenen Land gewinnen?", lautete die Frage, bei der der Fußballexperte helfen sollte. Hartmann zeigte sich felsenfest davon überzeugt, dass die richtige Antwort "Deutschland" lauten müsse. Deutschland gewann die WM jedoch 1974 in München.

Quelle: n-tv.de, vpr/dpa