Essen und Trinken

The day after: Das ultimative Rezept Kommen Sie gut rüber!

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So ein ausgewachsener Kater braucht Ruhe.

(Foto: Gabi Eder_pixelio.de)

Am letzten Tag des Jahres soll es ja trocken bleiben. Wetterseitig jedenfalls. Ansonsten wird erfahrungsgemäß zu Silvester geballert und gebechert, was der Geldbeutel hergibt und die Leber aushält. Aber vergessen Sie nicht sämtliche guten Sitten: Die Zähne bleiben drin, und der Kater wird nicht erschossen.

Nach Silvester kommt Neujahr. Aber das wissen Sie vermutlich, und dann sind Ihnen wahrscheinlich gewisse Nach-Wirkungen einer allzu feucht-fröhlichen Silvesterparty am Neujahrsmorgen nicht ganz unbekannt. Auch manch Erinnerung an die letzte Nacht vergangener Jahre ist mitunter getrübt, und in einigen Fällen ist das auch gut so. Es gibt übrigens nur ein ultimatives Rezept gegen den Verfall der guten Sitten in der Silvesternacht und gegen den Kater danach: Pures Wasser. Nicht davor, nicht hinterher, sondern anstatt (Alkohol). Aber wer will das schon?

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Wasser hilft immer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Genügend Wasser hilft aber tatsächlich dem Körper, mit dem Alkoholansturm fertig zu werden. Immer mal zwischen den prozentigen Getränken ein Glas Wasser trinken, das reduziert die Alkoholaufnahme. Auch salzige und saure Lebensmittel sind die natürlichen Feinde des Alkohols: Die Säure von eingelegten Gurken, Weißkohl und Fisch fördert den Abbau und das Salz ersetzt die verlorenen Mineralstoffe, weil ja doch mehr Alkohol als Wasser getrunken wurde und der Körper unter dem Flüssigkeitsverlust leidet. Wasser- und Mineralstoffmangel sind die Hauptverursacher für die hämmernden Kopfschmerzen und den quälenden Nachdurst am "day after". (Wasserflasche mit ans Bett nehmen!).

Liebhaber deftiger Speisen haben es erfahrungsgemäß einfacher, den Alkohol zu kompensieren, als "Salatzicken". Werfen Sie für diese Nacht der Nächte Ihre guten Vorsätze für eine gesunde Ernährung über Bord und ins nächste Jahr und bevorzugen Sie als Basis fürs Durchhalten unter anderem Ölsardinen, Lachs, Bratkartoffeln, Käsesuppe, Nudelsalat, Buletten oder Brathering. Auch ein Fondue ist eine gute Grundlage und bietet den Vorteil, dass ständig irgendetwas gemümmelt wird. Überhaupt: Knabbern ist angesagt - Nüsse und Salzstangen, eingelegte Oliven, Käse- und Matjeshäppchen, und davon reichlich.

Man achte (nicht nur) auf die Zähne

Zuviel Alkohol verleitet selbst den charmantesten Mann und die eleganteste Dame zeitweilig zum Ausgleiten. Es ist nicht ganz klar, ob solcher Art "Entgleisungen" die Wiener Stadtväter bewogen hat, folgende Bekanntmachung in der Straßenbahn anzubringen: "Die Vermehrung auf  der vorderen Plattform ist mit Rücksicht auf den Wagenführer verboten." Das war allerdings 1920. Außerdem: Man kann ja auch hinten einsteigen …

Tatsache ist, dass Alkohol enthemmt. Das Ablecken der Teller und das Schlürfen der Reste aus Nachbars Glas bleiben unschicklich und unverzeihlich, ebenso das Klappern mit dem Gebiss. Graf und Gräfin Baudissin empfehlen den Damen und Herren mit Ersatzteilen im Mund, nicht mit der Zunge an den Zähnen zu spielen und das Gebiss auf- und abwippen zu lassen. "Selbst ganz alte Leute haben nicht die Berechtigung, ihre Zähne herauszunehmen, sie mit dem Taschentuch abzuputzen und dann wieder einzusetzen", heißt es in ihrem "Goldenen Buch der Sitte" von 1900. Auch das Mitnehmen fremden Eigentums ist nicht gestattet, Silvester hin oder her. Der Wirt vom Restaurant "Fürst Blücher" in Guben sah sich nach ausuferndem Gelage zu folgender Anzeige gezwungen: "20 Mark Belohnung zahle ich dem, der mir zu meinem, mir vor 14 Tagen gestohlenen Klosett verhilft", zu lesen in einer Ausgabe der "Gubener Zeitung" von 1924.

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Damen trinken ohne Deckel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Zeitgeist hat sich zum Glück verändert (nicht, was den Klo- Klau betrifft, das bleibt strafbar), Mann und Frau trinken gleichberechtigt und öffentlich Alkohol; zu Zeiten von Eva Fanny Bernhardine von Baudissin sah das etwas anders aus. Sie bemängelte, dass Frauen manchmal mehr Bier trinken als gut ist "oder vielleicht richtiger gesagt, als damenhaft ist": "Kann eine Dame der Versuchung nicht widerstehen, so trinke sie wenigstens aus offenen Gläsern und nicht aus Bierseideln mit einem Deckel. Es ist kein schöner Anblick, wenn Damen sich gegenseitig einen Ganzen oder einen Halben kommen lassen, sich die Blume zutrinken, mit dem Deckel klappern, mit den Seideln anstoßen und wohl gar in Bier Brüderschaft trinken."

Brüderschaft unter Schwestern war also nicht gelitten. Laut Gräfin Baudissin trinken Herren, weil es ihnen schmeckt. Damen sollten nur trinken, um ihren Durst zu stillen: "Ein Frauenmund, dessen Lippen mit Bierschaum garniert sind, lockt nicht zum Kuß, und zu küssen ist, wenn auch nicht gerade der einzige, so doch sicher der schönste Beruf der Frau."  Na, denn Prost mit offenem Glas. Der einzige Unterschied, der zwischen männlichem und weiblichem Trinken geblieben ist, ist die Dauer des Alkoholabbaus: Der Körper eines 80 kg schweren Mannes baut den Alkohol aus einem halben Liter Bier in zweieinhalb Stunden ab; eine Frau braucht dafür drei Stunden.

Rutschen mit Maß

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen einen "guten Rutsch" ins neue Jahr  zu wünschen. Das ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, obwohl manch ein Zecher sich sicherer auf allen Vieren denn als aufrecht Gehender fortbewegen dürfte. Seit etwa 1900 wünscht man sich den "Rutsch" über die Jahresschwelle, wobei es eher um ein sanftes Hinübergleiten aus dem alten in das neue Jahr geht und Sprachwissenschaftler den Silvesterwunsch vom Wort "Reise" ableiten. Ursprünglich soll aber Rutsch auf das hebräische Rosch zurückgehen. Das bedeutet Kopf oder Anfang – und das stimmt ja auch zu Beginn eines jeden neuen Jahres. Halten Sie’s mit Antoine de Saint-Exupéry, der in seinem "Gebet zum Jahreswechsel" fleht:

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Bis zu einer Million Gäste werden zur Silvesterparty "Berlin Welcome 2014" erwartet.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Herr, ich bitte nicht um Wunder und Visionen, sondern
um Kraft für den Alltag.
Mach' mich erfinderisch, damit ich mich im
täglichen Vielerlei nicht verliere.
Laß mich die Zeit richtig einteilen und mich
herausfinden, was erst- und was zweitrangig ist.
Ich bitte um Zucht und Maß, daß ich nicht durch
das Leben rutsche und auf Lichtblicke und
Höhepunkte achte, sowie mir Zeit für Besinnung,
Erholung und kulturellen Genuß nehme …"

Falls Sie selbst Gastgeber der Silvesterparty sind, haben Sie jetzt noch eine Menge zu tun. Mein Rezeptvorschlag eignet sich sowohl für den letzten Abend als auch für den ersten Morgen:

Katerschreck

Zutaten (4 Pers):

2 marinierte Paprikaschoten
2 Zwiebeln
2 Gewürz- oder Salzgurken
6 Bismarckheringe
1 Apfel
1 EL Öl
1 EL Mayonnaise
2 EL Joghurt
½ Bd glatte Petersilie
Salz, Pfeffer, Zucker, Zitronensaft

Zubereitung:

Gurken, Zwiebeln, Apfel und Paprika sehr fein würfeln. Alles mit Joghurt und Mayonnaise vermengen und mit Salz, Zucker, Pfeffer und Zitronensaft kräftig abschmecken. Auf 4 Tellern anrichten. Die Heringe in mundgerechte Stücke schneiden und auf dem Salat platzieren. Alles mit der gehackten Petersilie bestreuen und mit Bauernbrot servieren.

Kommen Sie gut ins neue Jahr, bleiben Sie gesund, erfolgreich, zufrieden - und immer kochfreudig erregt. Das wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de