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Bambi auf Finnisch "Ailos Reise" - mit Anke Engelke in Lappland

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Guillaume Maidatchevsky und Anke Engelke bei der Premiere in der Berliner Kulturbrauerei.

(Foto: imago/Future Image)

Wenn Sie mal so richtig Mord und Totschlag sehen wollen, unerträgliche Spannung spüren möchten - gepaart mit viel Humor und ein bisschen "Love Story" - dann gucken Sie sich das nächste Mal doch statt des 25. Blockbusters die Geschichte von "Ailo" an. Denn Ailo, ein kleines Rentier aus Lappland, nimmt Sie, wenn Sie möchten, mit auf seine abenteuerliche Reise. Wie lange es solche "Reisen" noch geben kann? Nicht mehr lange höchstwahrscheinlich, denn wir, die Menschen, tun schließlich alles dafür, solch paradiesische Gebiete wie jenes, in dem "Ailo" lebt und das für den Erhalt unserer Erde nötig ist, zu zerstören. "Ailos Reise" zeigt die so noch nie gefilmte Reise eines kleinen Rentierjungen und seiner Herde über hunderte Kilometer durch unberührte Landschaften. Regisseur Guillaume Maidatchevsky und sein Kamera-Team folgten über zwei Jahre der "Finse"-Herde, einer der letzten vier verbliebenen wilden Rentierherden Lapplands. Belohnt wurde dieser Härtetest für Crew und Ausrüstung mit einer überwältigenden Ausbeute spektakulärer Bilder. Anke Engelke ist in "Ailos Reise" die Erzählstimme aus dem Off, die dem Film das gibt, was er noch braucht, um Zuschauer vollends in den Bann der Natur zu ziehen: Wärme. Mit n-tv.de sprach sie über durchgeknallte Hermeline, warum sie nicht gerne fliegt und was sie bügelt.

n-tv.de: Ein Dokumentarfilm mit Spielfilmcharakter - Gänsehaut inklusive …

Anke Engelke: Das freut mich - toll, dass der Film "Ailos Reise" das mit Ihnen macht.  Aber, und das ist ganz wichtig: Guillaume Maidatchevsky, der Regisseur, meidet den Begriff Doku. Es gibt ein Drehbuch von 80 Seiten, er hat sich also eine Geschichte überlegt und dann das Tier gesucht und die anderen Protagonisten. Die Story entstand schließlich im Schnitt.

Wie schreibt man denn ein Drehbuch zu wild lebenden Tieren in Lappland?

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Das ist Rentier Ailo als Baby.

Guillaume Maidatchevsky ist bekannt für seine ausgiebigen Recherchen, er ist ein hervorragender Regisseur. Er hat sich erst einen Eindruck davon verschafft, wie solche Herden leben, was deren Reise alles beinhaltet, wo die Gefahren liegen, wer die Gefahr ist, und dann hat er geschrieben. Es hat allein zwei Wochen gedauert, bis er die richtige Mutter fand, die ein Rentierbaby erwartete. Die sich auch filmen ließ. Er hat großen Respekt vor der Natur und er hat Wert darauf gelegt, dass er nie Eindringling ist. Zugleich hat er sich den Tieren so genähert, dass sie sich der Anwesenheit des Kamerateams bewusst waren, mit respektvoller Distanz.

Das sieht man dem Film auch an. Eigentlich müsste man einen Film darüber drehen, wie dieser Film gedreht wurde.

Verstehe ich, aber er wird seine Tricks nicht verraten (lacht). Außer einen - die Stelle, wo das Hermelin so durchdreht. Da hat er eine Woche lang die Kamera auf den Bau gehalten, weil er wusste, dass dort ein Hermelin sein muss. Und dann, als er bereits abbauen wollte, tauchte das Hermelin auf und hat für 10 Minuten eine super Show hingelegt.

Was haben Sie beim Sprechen anders gemacht? Für mich klang es so, als hätten Sie sich da ganz vorsichtig herangetastet, voller Staunen.

Ich habe den Text von den Franzosen übernommen, da musste ich nicht so viel verändern, aber ich habe gemerkt, dass es verschiedene Farben geben muss in der Erzählung, denn manche Dinge muss man einfach erklären.

Zum Beispiel?

Diese Wanderung der Rentiere zum Beispiel, von wo nach wo die geht; oder was ein Fjord ist. Manche Passagen kommentiere ich bloß und dann gibt es aber auch Stellen, die wie so eine Innensicht wirken. Nicht aus der Perspektive eines Tieres, aber auf einer Ebene, bei der man merkt, dass wir alle einen Schritt zurücktreten sollten. Wenn wir manchmal nur beobachten würden, dann verstünden wir einiges vielleicht besser. Das war gar nicht so einfach herzustellen, diese angemessen respektvolle Distanz aufzubauen und gleichzeitig vielleicht ein paar Gedanken bei den Zuschauern anzuregen.

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Und das ist ebenfalls Ailo - etwas erwachsener.

Die Botschaft des Films ist ja auch: "Passt auf, solche Paradiese wie dieses in Lappland wird es nicht mehr lange geben, wenn wir so weiter machen. Es ist kurz vor 12 …"

Ja, wir müssen dringend unser Bewusstsein einschalten, täglich, jeder auf seine Art, und verantwortungsvoller konsumieren: Wenn zum Beispiel Papiertaschentücher unter großem Aufwand hergestellt werden, sie mehrfach in Plastik eingepackt, einmal benutzt und unter großem Energieaufwand wieder entsorgt werden, ist das Unsinn.

Wie lösen Sie das Problem?

Hier, ein Beispiel aus meiner Hosentasche: Ich benutze Stofftaschentücher. Die kaufe ich gern auf dem Flohmarkt, wasche und bügle sie. Jeder kann etwas tun. Es geht ja nicht nur darum, immerzu nur zu recyceln, es geht darum, gar nicht erst viel Müll zu produzieren. Ich kann mir ehrlich gesagt gar nicht mehr vorstellen, eine Plastiktüte zu kaufen - so beknackt bin ich schon …

Und wie reisen Sie?

So oft es geht in Europa nur mit dem Zug. Ich fliege in Ausnahmefällen und Autofahren mag ich eh nicht. Deshalb habe ich ein Elektroauto, mit dem ich manchmal durch die Stadt schleiche.

Mit Anke Engelke sprach Sabine Oelmann

In Finnland ist "Ailos Reise - Große Abenteuer beginnen mit kleinen Schritten" ein Mega-Erfolg an den Kinokassen. In Deutschland startet der Film am 14. Februar.

Quelle: n-tv.de

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