Kino

"Das wär dein Lied gewesen!" Die drei "S" der Ina Müller

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Nordisch by nature: Ina Müller.

Großartig! Die Frau ist in echt genauso wie im Fernsehen: Spontan, schlau und sexy. Sie selbst sagt: "Singen, saufen, sabbeln" dazu, aber da geht es dann doch drüber hinaus. Im Interview verrät sie, was sie denkt, wo sie in die Sauna geht und einkauft.

"Und das wäre Ihr Preis gewesen!" Na, klingelt's da bei Ihnen? Richtig, das war Rudi Carrells Spruch bei "Am laufenden Band", bei der der Gewinner die Preise vom laufenden Band mitnehmen durfte, an die er sich nach einer kurzen Pause noch erinnern konnte. Ärgerlich wurde es dann, wenn sich der Kandidat nur noch an "einen Föhn, einen Mixer und ein Klappfahrrad" erinnern konnte, statt an die "Reise in die Karibik, ein Auto und eine Dauerkarte beim 1. FC" oder so. 

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Ihre kurzen Haare haben nicht nur freundliche Zustimmung gefunden.

So ähnlich ist es auch bei Ina Müller, die ihrem Liebsten (irgendeinem Liebsten, wohlgemerkt, keine voreiligen Schlüsse hier ziehen!!!) zu gerne ein Lied geschrieben hätte, wenn ... ja, wenn sie sich nur an etwas erinnern könnte, was "liedwürdig" gewesen wäre! Statt dessen bescheinigt sie dem "S.": "Du reichst nicht mal für zweieinhalb Zeilen!". Wow, das sitzt, aber das ist man ja gewohnt von ihr. Ina Müller, die demnächst die "Echo"-Verleihung moderieren wird (und wo selbst der toughen nordisch-by-nature-Frau die Muffe geht) und die den Shanty in der ganzen Republik zu einem noch nie dagewesenen Hype verholfen hat, versammelt bei "Inas Nacht" in der kleinen Hamburger Kneipe "Zum Schellfischposten" wöchentlich ihre "Tampentrekker" und illustre Gäste wie Sänger, Schriftsteller, Schauspieler und Politiker (bei ihr singt sogar Jürgen Trittin, okay, er nuschelt, macht aber einen auf DJ Dosenpfand), und sie begleitet ihre eingeladenen Musik-Acts mit einer atemberaubenden zweiten Stimme.

Nicht so feist und fies

Die kann man nun auf ihrem neuen Album ganz in Ruhe hören, und das macht auch Sinn, denn "Das wär dein Lied gewesen" ist sozusagen die Fortsetzung von "Liebe macht taub", ihrem mit Gold ausgezeichneten letzten Album. Hat sie da noch Trennung, Schmerz und Sehnsucht verarbeitet, macht sie sich in gewohnt witziger Weise über die anderen Probleme gestandener Frauen her: Nervige Verehrer, die einfach nicht wissen, wann eine Frau garantiert nie wieder einen Heiratsantrag haben möchte, sie sinniert über die Anziehungskraft junger Männer ("Mit Mitte Zwanzig sind die Jungs noch süß, sind nicht so ranzig, nicht so feist und fies"), und wir gehen an dieser Stelle mal galant darüber hinweg, dass dieses Lied vielleicht einem jungen Kollegen gelten könnte, denn dann wären ja alle Mittvierziger-Herren total enttäuscht von ihrer Deern. Aber doch, sorry, Männer, wir müssen hier nochmal weiter zitieren, denn es ist einfach witzig, was die Frau mit der Reibeisenstimme (die nicht mehr raucht), da so fast unbekümmert trällert: "Mit Mitte 20 sind die Jungs nicht reich, doch sie bemühn sich und ihre Haut ist weich. Man kann sich kümmern, kann sie bemuttern – und sie sind so schön anzusehn, wenn sie duschen gehn!"

Und als ob das nicht schon reichen würde, fügt sie noch hinzu: "Das gerad im Bett, das hast du gut gemacht!" Autsch, soll das denn heißen, dass die "Jungs" in Ihrem Alter es nicht mehr bringen, Frau Müller? "Naja, die 'Jungs' in meinem Alter haben alle schon so ein Riesenpäckchen auf dem Buckel: Ex-Beziehungen, Ex-Frauen, die unterhalten werden wollen, nicht abbezahlte Häuser, in denen die Ex-Frauen mit den Kindern dann noch wohnen, Kinder, mit denen man am Sonntag in den Zoo gehen muss ... Nee, das ist einfach nicht so mein Ding", gibt sie offen zu und brüskiert mit ihrem blitzweißen Lächeln vielleicht ein paar Damen da draußen, aber drei Mal dürfen sie raten, was ihr das ist. In Hamburg sagt man wohl "schietegal".

Ich bin heftig!

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Tja, andere Zeiten, andere Frisur.

Aber genug über das Beziehungleben geplappert, sie findet sowieso, dass man alles in ihren Liedern erkennen kann: Im Song "Paparazzia" zum Beispiel, das sie "K." gewidmet hat, nimmt sie die blitzlichtsüchtige Schickeria aufs Korn: "Schreibt, ich bin heftig, schreibt, ich bin wild. Ich will in die Bunte, die Gala, die Bild." Das könnte nun ja, auch wenn der Text ironisch gemeint ist, schneller passieren als gedacht, denn aus dem hohen Norden zieht es die 45-Jährige nun in die weite Welt, zumindest mal bis nach Berlin, wo sie die Echo-Verleihung am 24. März moderieren wird und wo jeden Paparazzi mehr noch als die Marke ihres Kleides interessieren wird, ob sie ihren jungen Lover über den roten Teppich mitnehmen wird: "Du willst so gern mal in der Gala stehn, dann lass uns morgen doch zusammen zum Echo gehen", singt sie jedenfalls, und da darf man ja schon mal nachfragen, oder? "Nö", grinst sie dann und erklärt: "Über Privates rede ich echt nicht so gerne!"

Na gut, dann vielleicht: "Gehst du eigentlich gerne einkaufen, Ina?", denn da sitzt sie, topgestylt, und trotzdem kann man sich gut vorstellen, dass sie nicht erst eine Stylistin befragt, ob sie so aus dem Haus gehen darf. "Ich kaufe nicht gerne ein, aber wenn, dann richtig, und immer schön von der Stange", verrät sie und ist schon wieder noch einen Tick sympathischer. Und wie entspannt sie dann, wenn sie endlich mal Ruhe hat und wir eh nicht nach dem Kerl fragen dürfen? "Ich geh' gern in die Sauna, in meine eigene, und dann fleze ich mich aufs Sofa, lese, schlafe, gucke fern, lese, schlafe, gucke fern, und wenn es dann gut ist, dann roll' ich mich wieder auseinander und überlege mir neue Texte." So hat sie dann auch für ihre 13 neuen Lieder mit Frank Ramond und Alexander Zuckowski zusammen gearbeitet: "Allein zu Hause sitzen und Texte schreiben kann ich nicht", verrät sie. "Ich bin zwar überhaupt kein Rudelmensch oder Vereinsmeier, aber in der Musik brauche ich Input."

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Botoxfreie Zone: Ina Müller.

(Foto: dapd)

Das ist auch ganz gut so, so ein Regulativ, denn vielleicht würden ihre Texte sonst manchmal zu hart ausfallen: "Das Titellied des Albums war ursprünglich noch härter, aber da klang dann so viel Hass drin, das ist dann auch nicht schön", sagt sie über das Lied, mit dem sie eine bestimmte Person schon sehr gerne sehr beleidigen wollte." Man kann sich vorstellen, dass diese Frau sehr lieben kann, aber eben auch das Gegenteil. Ihre "Grauphasen", wie sie die Zeit zwischen zwei Beziehungen nennt, muss sie immer wieder suchen, denn bei ihr ist gerne alles schwarz oder weiß. Sie lebt und liebt ihre Emotionen - das merkt man den langsamen Stücken wie "Fast drüber weg" oder "Fremdgehen" an, aber: "Ich denke beim Schreiben schon an meine Konzerte, und auch wenn ich die langsamen Stücke sehr liebe, weiß ich, dass ich nicht nur die vor dem Publikum bringen kann." Und dann kommen die schnellen, die witzigen, die wortgewaltigen Songs dazu, und damit wird sie ihre Fans kriegen, mit diesem Mix aus Humor, Gefühl und Stimme.

Kleiner Tipp: Ab November geht sie auf Tour, große Hallen, große Bühnen. Großartige Frau.

"Das wär dein Lied gewesen" von Ina Müller - hören Sie hier ins Album rein!

Quelle: ntv.de