Kino

Kinder erziehen darf jeder Idiot Lauterbach über Frauen, Altsein und Kinder

Heiner Lauterbach, Schauspieler. Foto: Christoph Soeder/dpa/archiv

Heiner Lauterbach guckt gern mal etwas grummelig, ist aber ein ganz Lieber.

(Foto: Christoph Soeder/dpa/archiv)

Eine herrliche Komödie läuft da gerade im Kino, sie heißt "Enkel für Anfänger". Eine extrem witzige Maren Kroymann, eine überaus lässige Barbara Sukowa, ein verknallter Dominic Raacke und ein wunderbarer grumpy old man in Form von Heiner Lauterbach, mit dem ntv.de im Interview über den "Eltern- beziehungsweise Großelternführerschein" spricht, spielen sich da fast gegenseitig an die Wand. Denn wer keine Enkel hat, tut sich in fortgeschrittenem Alter vielleicht schwer mit dem jungen Gemüse. In dieser sehr herrlichen Komödie für die ganze Familie - von Enkel bis Großeltern - ist aber alles anders, denn auf Nordic Walking und Senioren-Kurse an der Uni haben die Rentner Karin (Maren Kroymann), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) aus den unterschiedlichsten Beweggründen einfach keine Lust.

Mit Kindern und Enkeln jedoch hatten Karin und Gerhard bislang auch so gar nichts am Hut. Deshalb verhilft Philippa, die als Paten-Oma das Leben voll auskostet, den beiden zur unverhofften Großelternschaft. Im Handumdrehen haben sie zwei Kinder am Hals, eine riesige Hüpfburg im Garten und Lego-Steine an den Füßen. Die drei "blutjungen Anfänger" treffen auf Familienwahnsinn für Fortgeschrittene: Hyperaktive Patchwork-Geschwister, stirnrunzelnde Helikoptereltern, den Vorläufer aller Smartphones (eine Schreibmaschine, "Wahnsinn, gleich mit Drucker drin!"), irritierte Familienväter und alleinerziehende Mütter inklusive Tinder-Profil. Regisseur Wolfgang Groos hat einen Film gemacht, in dem Jung in bestem Sinne auf Alt knallt. Mit Heiner Lauterbach, der vor Kurzem erst den Bayerischen Filmpreis erhalten hat, sprechen wir natürlich über Kinder, das Altwerden und das Altsein und auf welche Frauen er früher so stand.

ntv.de: Glückwunsch zum Bayerischen Filmpreis - und bevor wir zu "Enkel für Anfänger" kommen, ein kurzer Exkurs zu unserem letzten Gespräch.

Heiner Lauterbach: Danke. Und ja, gerne.

"Meet Your Master" - was gibt es Neues zu berichten?

Wir sind im Businessplan (lacht). Das Geschäftsmodell ist das Abo-Modell und das läuft gut. Jetzt stellen wir langsam fest, wo die Reise hingeht. Und können neue Beiträge mit neuen Themen und neuen Protagonisten produzieren.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel mit Sandra Navidi, einer Finanzexpertin von ntv, sie erklärt das Thema "Finanzgeschäfte" ganz ausführlich und in der ihr eigenen Art, Dinge verständlich zu machen. Dann haben wir noch Professor Lesch im Angebot, den Physiker und Philosophen, und dann kommt der Müller-Wohlfarth …

Der ist dann geeignet für Ärzte, die sich ein bisschen darüber informieren wollen, wie man die Knochen von Fußballern wieder zusammenflickt?

Ja, warum nicht, aber auch für Medizin-Studenten, könnte ich mir vorstellen. Wir wollen aber auch Themen anbieten, die eine Menge Leute interessieren könnten und wo das Thema nicht unbedingt mit dem Beruf oder dem Berufswunsch des Abonnenten zu tun hat. Ich denke darüber nach, zum Beispiel Raumfahrer Alexander Gerst den kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Dann kommen wir mal zum ursprünglichen Thema unseres Gesprächs: Enkel und Großeltern. Ab wann ist man alt?

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Young at heart! Kroymann, Lauterbach und Sukowa (v.l.).

(Foto: dpa)

(lacht) Keine Ahnung, wirklich! Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Wir wollen alle alt werden, aber nicht alt sein, sehen Sie das auch so?

Nein! Ich finde das ganz furchtbar. Es ist ja nichts Schlimmes, alt zu werden, sondern im Gegenteil, es ist eher ein Privileg.

Vorausgesetzt, man ist gesund und fühlt sich wohl als alter Mensch.

Das stimmt, ich arbeite hart daran (lacht). Man darf gerne über mich sagen, dass ich alt bin, es stört mich in keinster Weise. Ob ich 60 bin oder 70, ob ich Vater bin oder Großvater werde. Es verändert eine Person in den grundsätzlichen Dingen doch kein bisschen!

Der Film zeigt einem, wie es gehen kann im Alter, das ist schon mal herrlich.

Man sagt immer, Kinder hielten einen jung, aber ich möchte gar nicht jung gehalten werden, das ist mir absolut wurscht. Ich bin keiner, der der Jugend hinterherläuft und mit Gewalt jugendlich wirken will. Das behauptet wahrscheinlich jeder, aber ich versichere Ihnen, dass ich es aufrichtig so meine! Für meine Kinder bin ich doch sowieso schon halbtot.

Kinder können so brutal sein …

Ja, wenn die von einem 30-Jährigen sprechen, als wäre er ein Greis, dann weiß ich doch, was die Stunde geschlagen hat.

Maren Kroymann sagt zu Beginn des Films: "Hier ist alles so beige!" Das ist gleichzusetzen mit alt, verstaubt. Gemein eigentlich, beige kann doch auch karamell- oder champagnerfarben sein …

Ja, aber beige plätschert eben auch so dahin, so gefällig, und so unauffällig …

Wo kauft man eigentlich diese Alte-Leute-Klamotten?

(lacht) Sie meinen auch diese Multifunktionswesten, oder? Die wollen Männer übrigens schon mit 30, wenn sie auf die Jagd gehen oder auch nur, wenn sie Fahrrad fahren oder in den Baumarkt müssen.

Ihre Rolle als homosexueller "Quasi-Großvater" …

… war jetzt keine allzu große Herausforderung, ganz ehrlich! Ich habe bereits einen schwulen Urgroßvater auf Mykonos gespielt, in "Vatertag". Der war übrigens wesentlich tuntiger als meine Rolle jetzt.

Ihr kleiner Kumpel im Film, Ihr "Enkel", der sagt Ihnen ganz schön, wo es langgeht.

Ja, der ist wirklich sehr süß! Der bricht mich quasi. Er hat mich aus der Reserve gelockt.

Mögen Sie Kinder?

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Also, den hier mag er sehr: Bruno Grüner als "Viktor".

(Foto: dpa)

Nicht alle. Ich mag ja auch nicht alle Menschen. Es kommt total drauf an: Einige möchte man fortwährend in die Ecke klatschen und andere den ganzen Tag lang knuddeln. Ich glaube, das geht doch jedem so. Ich weiß, dass Kinder nichts dafür können, wenn sie doof sind. Ich weiß, dass ihre Eltern sie einfach falsch erzogen haben und dennoch kann ich mich nicht davon frei machen.

Dass man sich in Maren Kroymann verlieben kann, wie es Dominic Raacke, dem jüngeren Mann im Film geschieht, ist verständlich, oder? Sonst ist das Altersverhältnis ja gern umgekehrt.

Das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen. Ich hatte schon immer ältere Freundinnen. Also, bis ich 30 war.

Und dann blieben sie 30 …

(lacht) 24! Und das blieb dann 20 Jahre so … Nein, Scherz beiseite. Das ist doch eine Geschmacksfrage und keine Frage des Alters. Es muss halt gutgehen.

Enkel und Großeltern - es heißt, das sei eine ideale Kombination.

Ja, es ist auf jeden Fall eine Win-Win-Situation. Für die alten Leute ist es ein neuer Sinn im Leben, ein Ziel und eine Herausforderung, und den Kindern gibt man jemanden, der Zeit für sie hat. Jemanden, mit dem sie Blödsinn machen können. Die Idee eines sozialen Jahres für alte Leute mit Kindern wäre großartig.

Sie sind herrlich flapsig im Film …

Ja, und das liegt an dem sehr guten Drehbuch. Ich musste wirklich wenig ändern, wenig hinzufügen.

Sind wir inzwischen zu übervorsichtig mit unseren Kindern?

Ich glaube ehrlich gesagt, das gab es schon immer. Auch das ist eine Geschmackssache und eine Zeitfrage und auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Es ist ja irre schwer, Kinder zu erziehen. Und wenn man auch für alles andere einen Führerschein braucht - Kinder erziehen darf jeder Idiot. 

"Meet Your Master"-mäßig gesagt - was sind Ihre Tipps zur Kindererziehung?

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Tochter Maya spielt im Film mit - Heiner Lauterbach scheint vieles richtig gemacht zu haben.

(Foto: imago images/Future Image)

Da werde ich mich hüten, denn ich bin nun wirklich kein Experte. Ich kann nur meine Sichtweise darlegen, ich bin ja schließlich Vater. Aber ob das der Weisheit letzter Schluss ist? Meine Frau und ich haben allerdings eine Regel, und die heißt:  Konsequent sein. Inkonsequent zu sein durchbricht alle Vorhaben und das Gerüst fällt in sich zusammen.

Erziehung ist anstrengend …

Allerdings. Man muss Dinge reglementieren. Zum Beispiel die Medienzeit einschränken. Das geht nicht anders.

Leben Sie gern im Moment?

Ja, das ist das A und O. Aber es ist gar nicht so einfach. Manchmal hänge ich in der Vergangenheit herum und manchmal bin ich schon mit meinen Gedanken voraus. Die Gegenwart zu genießen muss man lernen.

Mit Heiner Lauterbach sprach Sabine Oelmann

"Enkel für Anfänger" läuft derzeit im Kino.

Quelle: ntv.de