Kino

Danny Trejo, der Mann mit dem Buschmesser "Meine Filme sind Cartoons für Erwachsene"

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Als Machete-schwingender Rächer hat Danny Trejo seinen späten Durchbruch erlebt.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Pro Jahr steht Danny Trejo für ein Dutzend Filme vor der Kamera. Dann spielt er Killer, Gangster und Zombiejäger - oder Machete, wie in seinem jüngsten Film "Machete Kills", der an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos startet. Die Rolle des Rächers mit dem Buschmesser ist Trejos größter Erfolg. Und er genießt das, wie er n-tv.de im Interview verrät.

n-tv.de: Sie schlüpfen zum zweiten Mal in die Rolle des Machete. Was, glauben Sie, ist seine gefährlichere Waffe - die Machete oder dass er immer wieder aufsteht?

Danny Trejo: Ich glaube, beides ist wichtig - seine Machete und dass er nie aufgibt. Er gewinnt, Machete gewinnt immer.

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Ja, wer eine Machete schwingen kann, kommt auch bei den Frauen gut an.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Die Figur hat auch eine dunkle Seite. Hat Sie das an dem Charakter interessiert? Immerhin saßen Sie auch im Gefängnis.

Zuerst hörte ich von Machete, als mir der Regisseur Robert Rodriguez, der auch mein Cousin ist, davon erzählte. Das war etwa 1994. Wir drehten damals zusammen "Desperado". Robert sagte, dass er einen Charakter für mich habe und dass ich gar nicht schauspielern müsse, sondern nur ich selbst sein. Um diese Idee hat er den Charakter dann entwickelt. Es ist für mich also sehr leicht, ihn zu spielen. Ich brauche nur einen Blick aufzusetzen und schon ist klar: Ok, ich werde all die Typen umlegen. Das klappt ziemlich gut.

Haben Sie "Machete" gemeinsam entwickelt?

Ja, aber Robert ist der Boss. Was er sagt, geschieht. Wenn ich eine Idee habe - prima! Wenn sie gut ist, wird er sie auch verwenden.

Sie haben eine Menge Filme mit Ihrem Cousin gedreht. Wie ist es, mit ihm zu arbeiten? Verstehen Sie sich mittlerweile blind?

Ja, wir verstehen uns sehr, sehr gut. Robert ist ein wirklich guter Freund von mir. Wir brauchen eigentlich gar nicht mehr miteinander zu sprechen. Er weiß, was ich kann, und ich weiß, was er will. Das klappt ziemlich gut.

Sehr witzig sind die kurzen Sätze, die Machete sagt, zum Beispiel "Machete gewinnt" oder "Machete macht keine Witze". Wer kam auf diese Idee?

Der Charakter ist angelehnt an die berühmten Genre-Figuren von Clint Eastwood, Charles Bronson, Harrison Ford und anderen. Diese Figuren sagen nur sehr kurze Sätze, keine großen Sachen. Anstatt also zu sagen: "Ok, lass uns mal schauen, wie wir das mit den ganzen Typen regeln.", heißt es einfach: "Töte sie!"

Vor ein paar Jahren wären solche Exploitation-Filme nicht in die Kinos gekommen, sondern gleich auf Video erschienen. Warum sind sie heute so erfolgreich?

Maxploitation (lacht). Ich denke, die Leute genießen das Erlebnis im Kino. Diese Filme sind wie Cartoons für Erwachsene. Das ist wie Road Runner und Wile E. Coyote. Meep-meep (er macht die Geräusche des Cartoons nach). Und dann fällt der Coyote in den Abgrund. Das ist witzig und ich denke, die Menschen genießen das. Sie sind ermüdet von den Actionfilmen, in denen ständig etwas in die Luft fliegt und Menschen sterben. Sie wollen witzige Filme, also machen wir lustige Filme.

Machen Sie sich Gedanken darüber, dass Sie als Schauspieler ständig Leute abknallen?

Die Schauspielerei ist mein Job. Das ist wie bei einem Maler, der Häuser streicht. Wenn der fertig mit seiner Arbeit ist, geht er nach Hause, spielt mit seinen Kindern und isst Abendbrot. Bei mir ist das nicht anders. Wenn ich Feierabend habe, gehe ich nach Hause, spiele mit meinen Kindern und esse Abendbrot. Dann bin ich nicht mehr Machete, der Bösewicht oder der Zombie-Killer. Dann bin ich Danny Trejo, dieser einfache Typ.

Macht es Spaß, bei Dreharbeiten ständig zu schießen?

Es macht eine Menge Spaß. Also mache ich damit weiter. Die Schauspielerei ist vermutlich einer der besten Jobs, den ich machen kann. Ich liebe meinen Job. Aber gleichzeitig ist mir bewusst, dass es nur ein Job ist, der nicht wichtiger ist als der eines Maurers, eines Malers oder eines Künstlers.

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Mit einem Defibrillator spielt man nicht - es sei denn, man heißt Machete.

(Foto: 2013 Universum Film GmbH)

Im ersten Teil von "Machete" haben Sie an der Seite von Robert De Niro vor der Kamera gestanden. Diesmal sind es Mel Gibson, Lady Gaga …

Charlie Sheen!

Wie ist es, mit solchen Hollywood-Stars zu arbeiten?

Großartig. Mit diesen Menschen kann man toll arbeiten. Charlie kannte ich schon vorher, aber ich traf auch Lady Gaga und all die anderen. Ich liebe das, was sie machen. Es sind großartige Menschen.

Überrascht es Sie, dass diese Stars in B-Filmen wie "Machete" mitspielen wollen?

Ja, schon. Aber ich denke nicht, dass "Machete" ein B-Movie ist. Wir lassen ihn zwar so aussehen, aber er ist einfach ein Film. Ich habe noch nie einen B-Film gesehen, weil ich weiß, was dahinter steckt, ihn zu machen. Ich liebe es einfach, ins Kino zu gehen. Ich mag zwar keine Dramen, aber ich liebe Komödien und Actionfilme.

Die "Machete"-Filme wollen unterhalten, aber sie spielen auch auf politische Themen wie Immigration und die Mauer zwischen Mexiko und den USA an. Ist das gewollt?

Heutzutage ist es gar nicht so einfach, einen Film zu machen, in dem nicht irgendjemand eine Botschaft sieht. "Die kleine Meerjungfrau" handelte demnach von der Verschmutzung der Meere (lacht). Man kann also immer was finden. Immigration hat eine lange Geschichte, es gab sie schon lange bevor "Machete" gedreht wurde. Immigration gibt es doch in jedem Land der Welt. Das Thema bildete nur den Hintergrund für den "Machete".

Danny Trejo

Danny Trejo wurde am 16. Mai 1944 in Echo Park, einem Stadtteil von Los Angeles, geboren. Wegen Raub- und Drogendelikten saß er als Jugendlicher mehrmals im Gefängnis. Im Gefängnis von San Quentin entdeckte er das Boxen für sich und gewann mehrere Meisterschaften unter den Häftlingen. Mitte der 80er Jahre kam er durch sein Box-Talent ins Filmgeschäft. Seitdem hat er in Dutzenden Streifen mitgespielt. Trejo ist verheiratet und hat drei Kinder.

Das hat keine tiefere Bedeutung?

Nein. Wir wollen nur einen guten Film machen.

Sie drehen eine Menge Filme jedes Jahr, für Kino und Fernsehen. Wie bleibt man da fit und konzentriert?

Ich mache meine Fitness-Übungen, ich mache Ausdauertraining. Ich muss fit bleiben, vor allem angesichts meines Alters. Die Dreharbeiten für "Machete Kills" waren schließlich sehr strapaziös, wir haben ihn in 29 Tagen abgedreht. Da muss man topfit sein.

Sie sind seit Jahrzehnten im Filmgeschäft.

Mein erster Film war 1985.

Aber der große Erfolg kam erst in den letzten Jahren. Wie gehen Sie damit um?

Ich denke, bei Erfolg geht es nicht nur ums Geld. Es geht eher darum, wie man sich fühlt. In diesem Sinne habe ich seit langem Erfolg. 1969 war ich das letzte Mal im Gefängnis - das ist doch auch eine Art Erfolg. Das Leben ist ziemlich gut.

Sie sprechen auch mit Jugendlichen über Ihre Zeit im Gefängnis.

Absolut, das mache ich. Ich gehe in Highschools oder in Mittelschulen und spreche mit den Jugendlichen, damit sie nicht irgendwann im Gefängnis landen. Sie sollen stattdessen auf Bildung setzen.

Sie werden im kommenden Jahr 70. Haben Sie bereits darüber nachgedacht, in Rente zu gehen?

Derzeit genieße ich es einfach. Vielleicht, wenn es zu anstrengend wird. Aber gerade genieße ich es.

Und wollen Sie weiterhin Actionfilme drehen?

Ja, aber wer will schon einen 80-jährigen Actionstar sehen? "Der taffe Großvater" oder so was. (lacht)

Was sind Ihre nächsten Filmprojekte? Ist bereits ein dritter "Machete"-Film in Planung?

Robert und ich haben das geplant. Aber wir warten ab, wie erfolgreich "Machete Kills" ist. Wenn er ankommt, dann drehen wir. Außerdem arbeite ich an den Filmen "Bullet" und "Bad Asses". "Dead in Tombstone" ist bereits erschienen, das ist ein toller Film. Und es wird einen Muppet-Film mit mir geben.

Ein Muppet-Film mit Ihnen?

Ich liebe die Muppets. Die Dreharbeiten haben eine Menge Spaß gemacht. Tina Fey spielt mit und auch Ray Liotta.

Mit Danny Trejo sprach Markus Lippold

"Machete Kills" läuft ab 19. Dezember 2013 in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de

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