Kino

Jake Gyllenhaal ohne Skrupel "Nightcrawler" gehen über Leichen

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Lou ist auf das große Geld aus - dafür nimmt er bald eine Kamera in die Hand.

(Foto: 2014 Concorde Filmverleih GmbH)

Getrieben von Geldgier heuert Lou Bloom als Kameramann an. Weil nur die besten, schonungslosesten Aufnahmen das große Geld bringen, geht er bald über Leichen. Der Film "Nightcrawler" zeigt die Abgründe von Menschen und Medienwelt.

Es ist die klassische Aufsteigergeschichte: vom Tellerwäscher zum Millionär. An diesen amerikanischen Traum glaubt auch Lou Bloom (Jake Gyllenhaal). Und er geht für sein Ziel über Leichen. Doch der Film "Nightcrawler", das Debüt von Drehbuchautor und Regisseur Dan Gilroy, hält weniger als er verspricht.

Lou Bloom lebt zurückgezogen in Los Angeles und verdient seinen Lebensunterhalt mit Diebesgut, das er zum bestmöglichen Preis verkauft. Ob Maschendrahtzäune oder Rennräder: Bloom ist nicht wählerisch. Doch er hat genug von seiner kriminellen Arbeit und versucht vergebens, einen rechtschaffenden Job zu bekommen.

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Lou lernt schnell, auf welche Bilder es ankommt.

(Foto: 2014 Concorde Filmverleih GmbH)

Als Einzelgänger treibt er durch die kalifornische Nacht, als er plötzlich auf eine Unfallstelle stößt. Hektisch rennen neben Feuerwehrleuten auch Kameramänner um den brennenden Wagen und nehmen die Szenerie auf. Bloom ist sofort fasziniert von dem Geschehen und ersteht von seiner nächsten Diebesbeute einen Camcorder. Ab sofort hofft er auf das ganz große Geld, das er mit dem Leid anderer Menschen verdienen will.

"Wenn man im Lotto gewinnen will, dann braucht man die Kohle für’n Lottoschein", lautet Blooms Motto. Bereits in seiner ersten Nacht als "Nightcrawler" lernt er, wie das Geschäft läuft und schon bald wittert er den finanziellen Durchbruch. Mit seinem Praktikanten Rick (Riz Ahmed) ist er stets der Erste am Tatort und sogar schneller als die Polizei. Bis das Gespann eines Tages in einen Mordfall gerät, der aus Lou Bloom einen skrupellosen Medienhai macht.

Ohne jeden Skrupel

Angetrieben wird der junge "Nightcrawler" von Nachrichtenchefin Nina (Rene Russo), die zugleich Muse und Geliebte ist. Um ihre Position beim Fernsehen zu behalten, ist der abgebrühten Schönheit jedes Mittel recht. Zusammen zeigen Nina und Lou, was Profitgier, Macht und Erfolg aus Menschen machen können.

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Nina arbeitet mit Lou zusammen - doch dabei bleibt es nicht.

(Foto: 2014 Concorde Filmverleih GmbH)

Das Spiel zwischen Erotik und Professionalität lässt die Beziehung zwischen Bloom und Nina knistern und sorgt immer wieder für Atemlosigkeit beim Zuschauer. Ohne Skrupel und fern jeder Moral werden Aufnahmen von erschossenen Hausbesitzern, toten Polizeibeamten und blutenden Gangstern in den Nachrichten gezeigt. Für Nina muss nur eines stimmen: die Quote.

Am Ende ist es eine endlose Jagd nach dem besten Kriminalfall, den spannendsten Aufnahmen und den schockierendsten TV-Beiträgen, die den Kinozuschauer jedoch allmählich gähnen lassen. Vor allem der Medienwelt wird ein Spiegel vorgehalten und gezeigt, wie weit Reporter für eine "gute Story" zu gehen bereit sind. Letztlich geht es um die Dinge, die den Menschen antreiben: Geld, Macht und Sex.

Rastlose Suche nach dem besten Bild

Bereits nach wenigen Minuten wird klar, wie rücksichtslos Bloom seine Kamera draufhält, um das beste Bild zu bekommen und damit möglichst viel Kohle zu machen. Ob Menschen sterben, Autos brennen oder Hilfe benötigt wird, ist dem Filmer egal.

Jake Gyllenhaal spielt einen Mann, der keine Miene verzieht und kein Mitleid zu fühlen scheint. Das Gesicht des "Prisoners"-Schauspielers wirkt versteinert und facettenlos. Hinzu kommt Rene Russos Rolle als Nina, die als "alter Hase" im Mediengeschäft verkauft wird. Mit lackierten Nägeln, kurzen Röcken und blondierter Mähne wirkt die "Thor"-Darstellerin wie eine zwanghaft Junggebliebene, die die Avancen Blooms zwar zu genießen scheint, jedoch gespielt bemüht zu widerstehen versucht.

Insgesamt passiert in "Nightcrawler" trotz spektakulärer Unfälle, Schießereien und Verfolgungsjagden recht wenig. Den Figuren fehlt jegliche Entwicklung, während Ethik und Moral bereits zu Beginn aus dem Vokabular der Protagonisten verbannt zu sein scheinen. Der amerikanische Traum entpuppt sich schnell als Alptraum und selbst die zahlreichen Stadtansichten von Los Angeles machen die fehlende Handlung nicht wett.

Nightcrawler startet am 13. November in den deutschen Kinos.

 

Quelle: n-tv.de

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