Kino

"Lucy" mit dem Superhirn Scarlett Johansson greift an

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Pech für die Gangster: Lucy (Scarlett Johansson) wird zum Racheengel.

(Foto: Universal Pictures)

Die Actionheldin des Sommers heißt Lucy. Sie ist schlauer als alle andere, schießt schneller und hat Tricks auf Lager, von denen selbst Superman träumt. Ihr Film ist ein so aberwitziger wie unterhaltsamer Streifen über das Gehirn.

Es gibt bei den Simpsons eine herrliche Szene: Da trinkt Lisa im Vergnügungspark "Duff Gardens" verunreinigtes Wasser. Danach torkelt sie nach draußen und ruft völlig neben sich "Ich kann die Musik sehen".

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Lucy hat den Durchblick: Sie fühlt den Raum, die Luft, die Menschen. Die visuelle Umsetzung erinnert an "Matrix".

(Foto: Universal Pictures)

Lucys Problem freilich ist noch etwas schlimmer. Seit einer Überdosis Drogen kann sie nicht nur Musik sehen, sie fühlt und spürt einfach alles. Sie empfindet Licht und Energie, den Raum und die Luft, Vibrationen, Menschen und die Schwerkraft. Doch damit nicht genug: Lucy hat auch tiefe Einblicke in ihre Vergangenheit, in tief versteckte Erinnerungen, in die Evolution und die Geheimnisse, die das Universum zusammenhalten. Lucy ist ein überirdisches Genie, eine Superfrau.

Vorliebe für starke Frauen

Lucy (Scarlett Johansson) ist die Hauptfigur im gleichnamigen Film von Luc Besson. Der hat schon in "Das fünfte Element" und in "Léon - der Profi" bewiesen, dass er starke Frauenfiguren mag. In "Lucy" treibt er das Ganze nun auf die Spitze. Anfangs ist Lucy allerdings noch ein naives US-Girlie in Taiwan, das sich von ihrer Kurzzeitliebschaft Richard (Pilou Asbæk) überreden lässt, einem gewissen Mr. Jang (Choi Min-sik) einen Koffer zu überbringen. Dass dies ein Fehler war, merkt sie sehr schnell: Jang erweist sich als brutaler Gangsterboss und Drogendealer.

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Gangsterboss Jang (M.) macht sich auf die Jagd nach Lucy und seinen Drogen.

(Foto: Universal Pictures)

Im Koffer, auf den Jang so scharf ist, befindet sich synthetisches CPH4. Das (fiktive) Mittel ist in der Natur ein Wirkstoff, den Schwangere in geringen Mengen entwickeln, um die Entwicklung des Babys im Mutterbauch zu unterstützen. Als Droge wirkt es dagegen schnell tödlich. Das hält Jang nicht davon ab, Lucy als Kurierin zu missbrauchen, indem er ihr ungefragt einen Beutel des Mittels in den Bauch operiert. Doch dann platzt das Päckchen und eine Menge CPH4 gelangt in Lucys Körper.

Schnelle Reflexe, geschärfte Sinne

Die Story, die Besson aus dieser Ausgangslage entwickelt, basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass Menschen nur zehn Prozent ihrer Gehirnkapazität nutzen. Bei Lucy jedoch steigert das CPH4 die Denkleistung und setzt neue Fähigkeiten frei. Es beginnt mit schnellen Reflexen, mit geschärften Sinnen und einer enormen Auffassungsgabe. So entkommt sie der Drogenbande und sucht nach einer Lösung ihres Problems. Denn ihr Körper, ihr Gehirn verändern sich unaufhörlich.

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Professor Norman (Morgan Freeman) soll Lucy helfen - allerdings kennt er ihr Problem bisher nur aus der Theorie.

(Foto: Universal Pictures)

Hilfe erhofft sich Lucy vom Wissenschaftler Professor Norman (Morgan Freeman), der sich auf theoretischer Ebene mit der Leistungsfähigkeit von Gehirnen auseinandersetzt. Und die Zeit drängt: Lucys Gehirn ruft bald 20 Prozent seiner Leistung ab, dann 40 Prozent und so weiter. Sie entwickelt telepathische und telekinetische Eigenschaften, beeinflusst technische Geräte und Menschen um sie herum. Doch gleichzeitig zersetzt sich ihr Körper, wenn er nicht neues CPH4 bekommt. So landet sie in Paris, wo sie nicht nur auf Norman trifft, sondern auch auf Jang und seine Killer - denn er will seine Drogen zurück.

So rasant wie Lucys Entwicklung sind auch die Schnitte, die Regisseur Besson auf die Zuschauer loslässt, sind die Kamerafahrten und die wummernde Musik. Was als kleiner, blutiger Gangsterfilm beginnt, entwickelt sich rasch zum Science-Fiction-Actionfilm mit philosophischen Untertönen. Dass die Logik abnimmt, je mehr Lucys Fähigkeiten zunehmen, dass der Film immer esoterischer und unsinniger wird, muss man allerdings in Kauf nehmen.

Der Wow-Effekt ist garantiert

Kurioserweise macht "Lucy" trotzdem eine Menge Spaß und bleibt trotz der abgedrehten Story immer unterhaltsam. Das liegt einerseits an der sehenswerten Hauptdarstellerin, aber auch an der actionreichen und knackigen Inszenierung. Dass Besson dem heutigen Trend widersteht, den Film zu einem dreistündigen Dauerfeuerwerk zu machen, kann man ihm hoch anrechnen. Schade ist nur, dass die visuelle Umsetzung dem nicht standhält. Zu oft bedient sich Besson etwa an "Matrix", der ebenfalls mit dem Gedanken spielt, dass jemand die Welt, wie wir sie kennen, aus den Angeln hebt.

Diese Thematik beschäftigte Besson freilich auch schon in "Das fünfte Element". An dieses Meisterwerk kommt "Lucy" allerdings nicht heran. Dafür beweist der Regisseur mal wieder, dass etwas Fantasie und Tiefgang einem Popcorn-Kracher noch nie geschadet haben. Dementsprechend ist "Lucy" trotz der aberwitzigen Handlung einer der faszinierendsten Actionfilme der letzten Jahre und dürfte auch jene Zuschauer ins Kino locken, die sonst einen weiten Bogen um dieses Genre machen. Der Wow-Effekt, den man danach hat, ist jedenfalls garantiert.

Quelle: ntv.de