Kino

"Milla meets Moses" im Kino Sensible Teenagerliebe in sanften Tönen

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Milla (Eliza Scanlen) und Moses (Toby Wallace) führen eine außergewöhnliche Beziehung mit Höhen und Tiefen.

(Foto: X Verleih)

Vor einem halben Jahr feiert "Milla meets Moses" bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere. Jetzt kommt das leise und berührende Liebesdrama um zwei sehr unterschiedliche Teenager ins deutsche Kino.

Schon die Eröffnungsszene des Films "Milla meets Moses" bringt auf den Punkt, worum es in dem Film geht - nämlich um Abhängigkeiten. Ein blutiger Zahn fällt in ein Wasserglas und sinkt zu Boden. Dazu läuft eine Streicher-Version des The-Stranglers-Songs "Golden Brown", in dem es um Heroin geht. Der Milchzahn gehört Milla, weshalb der Originaltitel des Films auch "Babyteeth" lautet. Das Heroin im Song wiederum steht für den drogenabhängigen Moses. Die australische Regisseurin Shannon Murphy feiert mit der Geschichte der beiden ungleichen Teenager ein wirklich außergewöhnliches und berührendes Spielfilmdebüt.

Die 15-jährige Milla (Eliza Scanlen) hat Krebs im Endstadium. Das ist zwar der Kern der Story, tritt aber immer wieder in den Hintergrund, wenn Milla mit ganz klassischen Pubertätsproblemen kämpft, wie die Auflehnung gegen das gut situierte Elternhaus samt Psychiater-Vater Henry (Ben Mendelsohn) und der tablettenabhängiger Mutter Anna (Essie Davis). Aber auch Millas durch die Krankheit geförderte emotionale Einsamkeit macht es ihr schwer. Da stolpert der chaotische Moses (Toby Wallace) gerade zur richtigen Zeit in ihr Leben.

Ungewöhnliches Coming-of-Age-Drama

Nachdem sich die zwei auf einem Bahnsteig erstmals begegnen, kommen sie sich schnell näher. Zumindest Milla dem drogenabhängigen Moses, der von seiner Mutter schon vor Zeiten verstoßen wurde. Die Liaison der beiden missfällt Millas Eltern zunächst, doch tut Moses ihrer Tochter gut. Sie blüht auf, wenn er da ist, denn er verkörpert für sie ein Freiheitsgefühl, das sie bisher nicht kannte. Und da ist er immer dann, wenn es ihm in den Kram passt und seine Sucht es zulässt. Bald aber ist Millas Abhängigkeit von Moses nicht mehr nur einseitig, auch er lässt sich mehr und mehr auf sie ein.

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Bei Millas Familie stößt Moses nicht auf Begeisterung.

(Foto: X Verleih)

"Milla meets Moses" ist ein ungewöhnliches Coming-of-Age-Drama, schließlich bleibt Milla nicht viel Zeit, um erwachsen zu werden. Und immer mehr bröckelt die optisch so perfekte Fassade der Familie, die in einem schicken Haus lebt, in dem der verlotterte und verschwitzte Moses wie ein Fremdkörper wirkt.

Die Sensibilität Millas erzählt Murphy in intensiven Bildern, indem sie stets nah an ihrer Hauptfigur bleibt, sie meist in Nah- und Detailaufnahmen zeigt. Untermalt wird all das von einem Soundtrack aus Indiepop und Klassik. Die Musik ist oft das einzige Bindeglied zwischen Mutter und Tochter, wenn Milla die Violine und Anna Klavier spielt.

Gemeinsam schwanken Milla und Moses zwischen kindlicher Freude und einer der traurigen Situation geschuldeten Ernsthaftigkeit. Das sorgt dafür, dass der Film auf der einen Seite viele positive Momente beinhaltet, aber mindestens genauso viele ergreifende. Glück und Trauer liegen bei "Milla meets Moses" - wie so oft im echten Leben - sehr dicht beieinander. Dennoch drückt Murphy so gut wie nie unnötig auf die Tränendrüse oder lässt Millas Schicksal und ihre Liebe zu Moses zu Kitsch verkommen. Und genau das macht den Film so sehenswert.

Quelle: ntv.de