Kino

James Bond auf LSD "The Transporter Refueled"

The_Transporter_Refueled_Szenenbilder_21.jpg

Der "Transporter" Frank Martin (Ed Skrein) und seine "Fracht".

(Foto: Universum Film)

Dreimal war es an Jason Statham, heiße Fracht von A nach B zu fahren. Nun wird die "Transporter"-Reihe mit komplett neuer Besetzung wiederbelebt. Das Ergebnis? Ein Mix aus absurdem Action-Klamauk und Dauerwerbesendung. Augen auf und durch!

Der "Transporter" hat ein paar klare Regeln - keine Namen, keine Fragen und vor allem: Deal ist Deal - Vereinbarungen werden nicht geändert. Das hielt schon Jason Statham so, als er als einstiger Elitesoldat Frank Martin mit der Filmreihe Gas gab und so ins Feld der Action-Elite vorfuhr. Mittlerweile steht Martin auf einer Stufe mit Terminator, Rambo, John McClane und sogar Chuck Norris - jedenfalls, wenn man den All-Star-Cast zugrunde legt, den Sylvester Stallone für seine "Expendables"-Streifen zusammentrommelte. Ohne "Transporter" wäre Statham hier nie gelandet.

Dennoch: Nach "Transporter 3" war 2008 Schluss. Jedenfalls im Kino. Stattdessen gingen die Geschichten um den Kurierfahrer der anderen Art in Serie. Zwei Staffeln mit Chris Vance in der Hauptrolle wurden gedreht - Fortsetzung ungewiss, denn nun feiert Frank Martin mit "The Transporter Refueled" schließlich sein Kino-Comeback. Mit Ed Skrein mimt dabei bereits der dritte Darsteller den Gefahrgut-Profi. Und schon jetzt steht fest: Abermals soll am Ende eine Film-Trilogie herauskommen.

Bewährter Hooligan-Charme

Nicht nur Skrein ist neu an Bord, mit Ray Stevenson taucht erstmals auch ein Schauspieler in der Rolle von Frank Martins Vater auf. Und das französische Model Loan Chabanol macht die durchtriebene Gegenspielerin namens Anna. Oder ist sie doch eher Martins Komplizin? Doch nicht nur vor der Kamera ist alles neu, auch dahinter wurden fleißig die Stühle gerückt. So steigt der Franzose Camille Delamarre erstmals als Regisseur bei einem "Transporter"-Film in die Bütt - für die Serie hatte er die Aufgabe schon mehrfach übernommen.

The_Transporter_Refueled_Szenenbilder_31.jpg

Dritte Halbzeit?

(Foto: Universum Film)

Wenngleich es auf den ersten Blick scheint, im "Transporter"-Kosmos sei nichts unverändert geblieben, gibt es durchaus auch ein paar Konstanten. Luc Besson etwa. Der "Léon - Der Profi"-Kultregisseur schrieb wie schon in den Statham-Filmen nicht nur am Drehbuch mit, sondern zählt nach wie vor auch zum Produzententeam. Nicht nur in den Nebenrollen, auch bei der Hauptfigur blieben die Filmemacher ihrer Linie treu, auf bislang eher weniger bekannte Darsteller aus der zweiten Reihe anstatt auf etablierte Hollywood-Granden zu setzen. Dabei mag Ed Skrein zwar Frank Martin ein neues Gesicht verleihen - mit Raspelkurz-Haarschnitt, Dreitagebart und Muckibuden-Figur steht der Londoner in Sachen britischem Hooligan-Charme seinem mittlerweile berühmten Vorgänger Statham allerdings in kaum was nach.

Freudentaumel in Ingolstadt

Der eigentliche Star des Films ist aber ohnehin kein Mensch. Es ist - wieder einmal - ein Auto. Genau genommen, wie schon in den beiden vorangegangenen "Transporter"-Streifen, ein Audi, in diesem Fall ein S8. Der Wagen brettert gefühlt die vollen 96 Filmminuten über die Leinwand, übersteht selbst die krassesten Verfolgungsjagden ohne Dellen und Kratzer und erledigt in allerbester "K.I.T.T."-Manier Ganoven schon beinahe im Alleingang.

The_Transporter_Refueled_Szenenbilder_26.jpg

Ein Audi - was sonst?

(Foto: Universum Film)

Einen besseren Werbetrailer für die Limousine hätte man sich in Ingolstadt nicht ausdenken können. Anzunehmen, dass sich der Audi-Konzern dafür nicht nur mit einem Dankesschreiben erkenntlich gezeigt hat. Doch auch sonst strotzt der Streifen geradezu vor so genanntem "Product Placement". Neben den vermutlich nicht exorbitant hohen Gagen für Skrein und Co möglicherweise der Grund, weshalb das Budget des Films mit 30 Millionen Euro für einen Action-Blockbuster dieser Art geradezu bescheiden ausfiel. Das bis dato letzte James-Bond-Abenteuer "Skyfall" soll mindestens das Fünffache verschlungen haben.

Rache ist bunt

Dabei liegt der Vergleich mit Bond gar nicht mehr so fern - bei dem Irrsinn an Kampfszenen, Stunts und Effekten, mit denen "The Transporter Refueled" aufwartet. Dabei wird die Grenze zur Absurdität jedoch vielfach schon so weit überschritten, dass sich der Zuschauer eher in einem LSD-Wunderland wähnt als an der französischen Riviera, an der die Handlung des Streifens spielt.

Apropos Handlung. Worum geht es eigentlich? Um eine Kurierfahrt, versteht sich. Die Fracht, die es für Frank Martin zu transportieren gilt, ist diesmal wirklich in jeder Hinsicht heiß. Schließlich handelt es sich um drei Frauen in knappen Kleidchen und High Heels, die sich an einer Bande russischer Menschenhändler rächen will, die sie zur Prostitution gezwungen hat. Klar, dass Martins Regelwerk bei dieser Konstellation schon alsbald über den Haufen geworfen wird. Nicht nur seine Chauffeurdienste sind gefragt, auf einmal steckt er mittendrin in einem blutigen Rachefeldzug …

Nach "The Transporter Refueled" geht es einem wie nach einer Achterbahnfahrt auf dem Rummel: War schon geil, aber irgendwie ist einem auch schlecht.

"The Transporter Refueled" ist ab sofort in den deutschen Kinos zu sehen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema