Hörbücher

Hören und Staunen David Hasselhoff liest uns den Mauerfall

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Wird auch weiterhin seinen legendären Song performen: David Hasselhoff.

(Foto: dpa)

Er ist natürlich für noch vieles mehr berühmt: Eine Serie mit einem sprechenden Auto, rote Badehosen und eben, genau, seinen legendären Auftritt bei der ersten deutsch-deutschen Silvesterfeier 1989 an der Berliner Mauer, als er vor einer Million Menschen seinen Hit "Looking for Freedom" gesungen hat. Die Menschen sehnten sich nach Freiheit - und David gab sie ihnen. Aber was genau passierte vor seinem Auftritt am Silvesterabend? Das erzählt uns David Hasselhoff in seinen (fast) eigenen Worten im Hörbuch "Up Against The Wall - Mission Mauerfall". Geschrieben hat Hasselhoff das Skript zum Hörbuch zusammen mit David Gordon. Es geht darum: David Hasselhoff ist der Erzähler und für seine "Looking for Freedom“-Tour in Berlin. Ebenfalls in der Stadt ist CIA-Agent Nick Harper, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Er soll einen Stasi-General finden, bevor dieser den Mauerfall verhindern kann. Kurz nach dem Grenzübertritt wird Nick von Stasi-Agenten überrascht und entkommt nur, weil ein Hasselhoff-Fan ihn für ihr großes Idol hält und mit nach Hause nimmt. Parallel dazu wird der echte David Hasselhoff von einer CIA-Agentin mit Nick Harper verwechselt. Als sie merkt, dass er nicht der ist, für den sie ihn hält, versucht sie erst ihn auszuschalten, bis sie überraschend gemeinsam vor der Stasi fliehen müssen. Ein wahnsinniges Verwechslungsabenteuer beginnt. Die deutsche Fassung wird von William Cohn - bekannt aus dem "Neo Magazin Royale" - gesprochen. Mit n-tv.de reden die beiden Herren über Ost, West und wie es damals war.

n-tv.de: 30 Jahre nach dem Mauerfall ein Berliner-Mauer-Hörbuch - wie kommt es denn dazu?

David Hasselhoff: Ach, ich bin absolut begeistert von diesem Hörbuch. Ich kann mich so gut daran erinnern, wie ich vor einer Million Menschen am Silvesterabend sang und alle in Englisch mitsangen - das war atemberaubend! Und jetzt wollte ich der Stadt, den Fans, einfach etwas zurückgeben.

Mr. Hasselhoff , wie finden Sie William Cohn, der Ihre Figur in der deutschen Version spricht?

Hasselhoff: Ich bin begeistert. Wir kannten uns vorher nicht, und ich war sehr gespannt, sogar angespannt, aber meine Sorgen waren vollkommen unnötig. Ich bin absolut happy, der Mann hat eine fantastische Stimme!

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Hasselhoff mit William Cohn, der deutschen Stimme auf seinem Hörbuch.

(Foto: imago images / Future Image)

William Cohn: Danke. (lacht)

Hasselhoff: Es ist wichtig, dass die deutsche Stimme gut ist. Ich meine, es geht um Deutschland, und ich möchte der Sache absolut gerecht werden.

Cohn: Ich fühle mich sehr geehrt …

Sie können doch das Telefonbuch vorlesen und jeder würde zuhören.

Cohn: (lacht) Oh wow, das hat mir noch keiner gesagt!

Fact or Fiction, das ist die große Frage …

Hasselhoff: Das war der größte Spaßfaktor, während wir das Buch geschrieben haben. Was davon ist wirklich passiert, was ist Legendenbildung? Die Hörer können sich ihr eigenes Bild machen. Ich habe ein einfaches Rezept benutzt: Ein Teil Wahrheit, zwei Teile Fantasie, damit es sich gut liest.  Ähnlich verfahre ich bei Texten von Songs. Wie bei "Looking For Freedom", es ist übrigens immer noch ein großartiger Song. Aber auch mein neuer Song "Open Your Eyes" ist wundervoll. Wir alle müssen vielmehr unsere Augen öffnen vor dem, was direkt vor uns passiert.

Was denken Sie über die Zeit vor dem Mauerfall?

Hasselhoff: Ich finde, dass die Leute, die es geschafft haben, die Mauer zum Einstürzen zu bringen, Helden sind, dass sie einen unglaublichen Mut gehabt haben müssen. Und dass man in dem Moment, wo man den Entschluss gefasst hat, zu fliehen, nicht mehr von diesem Trip runterkommen konnte. Dann ist man in einer Art Einbahnstraße, denke ich.

Cohn: Ja, das hat bestimmt unglaublichen Mut gekostet. Es war so gefährlich. Da hängt ja viel dran. Ganze Familien, Kinder, Freunde, Jobs.

Es muss furchtbar gewesen sein, wenn man niemandem trauen kann. Das Überqueren der Grenze war für die, die in West-Berlin geboren waren, auch immer ein echter Trip. Oft kein guter, aber natürlich nicht vergleichbar …

Hasselhoff: Ich kann mich daran erinnern. Ich dachte immer, dass es so ist, als würde man aus einem bunten Bild in ein schwarz-weißes gehen und umgekehrt. Von außen betrachtet, aus den USA zum Beispiel, konnte man das überhaupt nicht nachvollziehen. Und dieses Geld, diese DDR-Mark, war nichts wert (lacht).

Man kann den Kindern heute kaum erklären, dass es diese Mauer gegeben hat.

Hasselhoff: Ja, aber schauen Sie sich um, das kann jederzeit wieder passieren. Wahnsinn! Aber wir können es verhindern.

Wie?

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Still looking for Freedom!

(Foto: imago images / Future Image)

Hasselhoff: Indem wir uns zusammentun! Protestieren. Indem wir davon erzählen und die Erinnerung aufrechterhalten, wir haben diese Verantwortung. Ich nutze jede Gelegenheit dazu, jedes Interview!

Ihr Song "Looking for Freedom" ist untrennbar mit dem Mauerfall verbunden - macht Sie das stolz?

Hasselhoff: Mehr als stolz. Ich singe auch heute immer noch für die Freiheit, die Botschaft ist nach wie vor aktuell.

Dreißig Jahre ist Ihr legendärer Auftritt in Berlin bald schon her. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Nacht?

David Hasselhoff: Ich erinnere mich an unglaublich viele Menschen, die zum ersten Mal seit 25 Jahren zusammen gelacht und geweint haben. Wir haben zusammen das Leben gefeiert - fast eine Million Menschen aus aller Welt waren dabei. Und alle sangen gemeinsam meinen Song "Looking for Freedom". Die Nacht war wunderbar, surreal, ich fühlte mich so geehrt, und es machte mich demütig, ein Teil der Geschichte zu sein!

Und wie haben Sie sich da gefühlt?

Vollkommen von den Socken! Ehrlich, das kann man nicht beschreiben! Das Merkwürdige für mich war auch, dass man in Amerika gar nicht so irre aufgeregt war. Ich meine, da wurde Geschichte geschrieben! Ich habe mir die Show mit dem Video-Rekorder im Hotel aufgezeichnet. Für mich war das jedenfalls ein so besonderer Moment, dass ich mir dachte: Warum schreibst du nicht ein Buch darüber?

Und dann ein Hörbuch …

Ja, meinetwegen kann es auch noch eine TV-Serie werden (lacht).

Haben Sie je Tagebuch geschrieben?

Nein, dafür bin ich zu faul. Mein Handy ist mein Tagebuch, am Ende des Jahres drucke ich mir ungefähr hundert Fotos aus und dann weiß ich wieder, wo ich überall war.

Wie waren die Aufnahmen im Studio?

Cohn: Er war das reinste Vergnügen. Toll geschrieben, tolle Charaktere, gut übersetzt, also die reine Freude. Ich konnte mich da total gut einfühlen.

Wo waren Sie beide beim Mauerfall?

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Der Mauerfall - von außen kaum zu verstehen für viele ...

(Foto: dpa)

Hasselhoff: Zu Hause, ein Freund rief mich an, mein Tour-Promoter. Der daran übrigens nicht mehr geglaubt hatte, dass das je passieren würde.

Cohn: Ich war in Darmstadt zu dieser Zeit. Wir hatten ehrlich gesagt ein komisches, ängstliches Gefühl. Als könnte irgendwas daran ein Trick sein. Die Frage "werden die Russen eingreifen" stand unweigerlich im Raum. Es gab Gedanken an einen 3. Weltkrieg. Und auch die Frage, ob das alles so halten würde, so bleiben würde. Dank Gorbatschow und anderen blieb es ruhig.

Tatsächlich war da eine Mischung aus Überraschung und Angst, Freude und Ratlosigkeit, ja …

Hasselhoff: Ich hatte immer Angst, dass irgendein Irrer Amok laufen könnte.

Zum Glück blieb es friedlich. Was unterscheidet die deutschen Fans von den anderen?

Hasselhoff: Alle meine Fans, vor allem die deutschen, sind wirklich treue Fans. Sie finden mich unterhaltsam, ich sage die Wahrheit. Und ich liebe das Leben!

Wie erklären Sie sich Ihren besonderen Erfolg in Deutschland?

Hasselhoff: Ich komme immer wieder zurück und singe weiter für die Freiheit. Das erinnert die Menschen an ihre Kindheit und an die guten Zeiten, und das macht dann auch mich glücklich.

Mit David Hasselhoff und William Cohn sprach Sabine Oelmann

Das Hörbuch "Up Against The Wall - Mission Mauerfall" steht bei Audible zum Download bereit.

Quelle: n-tv.de

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