Musik

"Werde ihn niemals satt haben" Amy Macdonald, die Glückliche

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"Let's Start A Band" ist als Live-Version aus Berlin auf dem Album.

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Für viele ist sie ganz einfach "Woman Of The World", für Amy Macdonald ist das der Titel ihres neuen Albums, versehen mit dem Zusatz: "The Best of 2007-2018". Ist es denn die Möglichkeit, dass eine so junge Sängerin schon so lange auf der Bühne ist? n-tv.de hat sie es jedenfalls so erzählt. "This Is The Life", "Mr Rock 'N Roll", "Let's Start a Band" - das alles sind Klassiker. Ihr neuester Hit "Woman Of The World" schickt sich ebenfalls an, einer zu werden. Ein Augenschmaus ist das Video auf jeden Fall, zeigt er doch viele Frauen aus der ganzen Welt in ihrer grenzenlosen Vielfalt. Mit n-tv.de sprach Amy Macdonald über alte und neue Songs, Fans, soziale Medien und asoziales Verhalten. Was für eine sympathische Person, diese Amy Macdonald!

n-tv.de: So jung und schon ein "Best Of"-Album ...

Amy Macdonald: (lacht) So jung bin ich ja nun auch nicht mehr. Und ich nenne es auch lieber eine Kollektion meiner Songs. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es genau das Richtige wäre, jetzt so ein Album zu produzieren. Ich hab' eine großartige Zeit hinter mir, mit vielen Live-Shows, und während all dieser Shows ist mir aufgefallen, wie viele Songs ich tatsächlich bereits geschrieben habe. Ich dachte nur: Wow, nach über zehn Jahren könnte ich mal ein Album herausbringen mit all meinen Lieblingssongs. Ich bin nämlich stolz auf das, was ich geschafft habe, auf die Songs, die ich geschrieben habe. Und ich bin in einer so tollen Position, in die ich es niemals allein geschafft hätte, dass ich mit diesen Songs auch mal danke sagen will.

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Amy Macdonald: Woman Of The World

Wem sagst du danke, wer ist es, der dich am meisten unterstützt hat?

All die Fans, die zu meinen Shows kommen. Ich finde es manchmal schon verrückt, dass die Leute tatsächlich ein Ticket kaufen, um mich zu sehen. Ich denke dann immer, Leute, ich bin's doch nur, Amy (lacht). Vor allem bei Open Air Gigs, ich weiß auch nicht, da ist der Kontakt zum Publikum noch direkter, ich sehe auch die, die ganz hinten sind. Beim Soundcheck ist ja noch keiner da, da ist alles ganz normal, und dann, wenn ich das nächste Mal auf die Bühne trete, sind da Tausende von Menschen. Das ist schon der Wahnsinn. Ich erkenne Leute wieder, manche kommen zu zehn Shows. Und dann merke ich erst, dass es da wohl wirklich welche gibt, die schätzen, was ich mache (lache).

Und du erkennst die Fans wieder?

Ja, manche kommen, seit sie ein Kind waren. Sie sind immer wieder gekommen, und jetzt sind manche erwachsen. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich ein Teil ihres Lebens bin, das ist toll. Ich gucke immer ins Publikum, ob ich bekannte Gesichter sehe, ich liebe das.

Gibt dir das ein sicheres Gefühl, oder fühlst du eher Druck?  

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Ich spüre immer einen gewissen Druck, das lässt sich gar nicht vermeiden. Weil ich immer will, dass es so perfekt wie möglich ist. Mir ist vollkommen bewusst, dass Leute sehr viel Geld ausgeben für so ein Ticket, da will ich sie nicht enttäuschen. Ich würde zum Beispiel nicht die Nacht durchmachen, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag einen Auftritt habe, das fände ich unfair.

Du hast gesagt, du magst den Begriff "Best Of" nicht - sind dies nun deine Lieblingssongs auf dem Album?

Schon, ja, aber das Album steht noch mehr dafür, dass ich das eine Kapitel beende und ein anderes öffnen kann.  Es sind einige Songs, die mir schon lange wichtig sind, andere haben in der Zwischenzeit eine ganz neue Bedeutung für mich erlangt.

Welches sind die Songs, die dir am wichtigsten sind?

Das ist echt schwer zu sagen. Es sind über die Jahre so viele geworden. Einer meiner absoluten Lieblingssongs ist nach wie vor von meinem ersten Album: "Let's Start A Band". Den habe ich geschrieben, als ich jung war, als ich davon träumte, in einer Band zu sein, eine Musikerin zu sein. Ich muss wirklich immer noch in mich hinein lächeln, wenn ich das Lied singe. Ich kann mich so genau daran erinnern, wie ich mich damals gefühlt habe. Und dann sehe ich die jungen Leute im Publikum und  glaube zu wissen, was sie denken. Ich hoffe dann immer, dass sich die Dinge für sie auch so gut entwickeln wie für mich.

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Hat was zu sagen, will aber nicht predigen.

(Foto: imago/STAR-MEDIA)

Das klingt nach einer schönen Party, aber auch nach einer gewissen Lebensweisheit.

Ja, das stimmt, es war wie eine verrückte Achterbahnfahrt in den letzten elf Jahren. Ich mag es, zurück zu gucken.

Du scheinst bei den Fans in Deutschland ein ganz besonderes Standing zu haben …

Oh ja, ich liebe es in Deutschland zu sein, das ist ein ganz spezielles Publikum für mich, so textsicher (lacht). Da geht ein ganz bestimmter Vibe aus, den spüre ich, und deswegen haben wir zum Beispiel das Konzert aus dem Tempodrom in Berlin aufgezeichnet. Da ist nochmal eine ganz besondere Atmosphäre. Der perfekte Ort, um ein Life-Album aufzunehmen. Berlin ist für Künstler eine geniale Stadt.

Du gehst nächstes Jahr auf Tour - wenn man sich deinen Kalender ansieht, scheinst du immer unterwegs zu ein.

Ja, es ist verrückt. Nächstes Jahr machen wir etwas Außergewöhnliches, eine Akustik-Tour. Das habe ich so noch nicht oft gemacht, aber ich wollte mal wieder etwas anderes. Es soll intimer sein, in kleinerem Rahmen. Ich habe das letztes Jahr in Großbritannien gemacht, und es war toll.

Dein bekanntester Song ist "This Is The Life" - hast du den nicht schon ein bisschen satt, wenn du ihn immer und immer wieder spielen musst?

(Lacht) Nein, überhaupt nicht, das ist der Song, dem ich alles zu verdanken habe, ich bin so stolz darauf. Den habe ich in meinem Schlafzimmer geschrieben. Manche versuchen ihr ganzes Leben, diesen einen Song zu komponieren, mir ist das schon gelungen. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Wenn ich "This Is The Life" auf Konzerten spiele, dann spüre ich eine besondere Verbindung mit meinen Zuhörern. Ich habe mich schon oft gefragt, wo ich wohl wäre, wenn ich diesen Song nicht geschrieben hätte. Ich glaube nicht, dass ich ihn jemals satt haben werde.

Wie persönlich sind deine Songs?

Ich liebe es, zu beobachten. Das beinhaltet, dass ich mich selbst beobachte, aber vor allem und am liebsten andere Leute. Das heißt, dass in meinen Songs auch meine Gedanken und meine Gefühle eine Rolle spielen, aber viel inspirierender finde ich andere Personen.

Nimmt es Einfluss auf deine Songs, wenn die Welt da draußen gerade wieder besonders brutal, kalt und abweisend ist?

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Auf mich persönlich hat das schon einen Einfluss, aber ich betrachte Musik als eine Möglichkeit zur Flucht. Die schlechten Nachrichten hören wir jeden Tag, sehen sie im Fernsehen, einige müssen sie auch selbst erleben. Ich möchte eher, dass die Leute sich entspannen, wenn sie meine Musik hören und nicht noch mehr Stress haben. Ich frage mich auch immer, ob die Welt wirklich schlechter geworden ist oder wir einfach mehr Anteil daran nehmen, weil wir alle durch das Internet und das Fernsehen miteinander vernetzt sind und Dinge sofort erfahren, in der Sekunde, in der sie geschehen. Früher sind auch furchtbare Dinge passiert, aber wir wussten nichts davon. Politisch betrachtet finde ich, dass ganz klar Chaos herrscht, in Großbritannien genauso wie in den USA. Zum Glück ist die Amtszeit von Donald Trump bereits zur Hälfte vorbei (lacht) und es besteht Hoffnung. Aber es war schon immer so, dass man solche Zeiten wie jetzt auch überstanden hat, und ich glaube weiterhin daran, dass auf der Welt mehr gute als schlechte Menschen sind.

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Musik ist eine Flucht aus dem Alltag, findet Amy.

(Foto: imago/POP-EYE)

Bewegst du dich gern in den sozialen Medien oder ist es eher etwas, das du vermeidest?

Ich mag das, weil ich mit meinen Fans in Verbindung stehen kann. Ich weiß wer sie sind, was sie bewegt, und worauf sie wie reagieren. Über die schlechten Seiten des Internets und von sozialen Medien brauchen wir gar nicht zu sprechen, das ist so offensichtlich. Am einfachsten wäre es aber, wenn man es irgendwie regulieren könnte. Frag mich bitte nicht wie, aber das denke ich so oft, wenn ich Hass-Kommentare oder Neid-Post sehe. Ich glaube tatsächlich, dass die Anonymität aufgehoben werden sollte. Wenn man Namen und Adressen hätte, würden sich die Leute nicht so daneben benehmen. Man sollte auch die zu jungen Leute vor sich selbst schützen, finde ich. Ich verstehe überhaupt nicht, warum das nicht passiert, es wäre doch das Einfachste.

Bist du jemand, der seinen Fans Botschaften übermittelt, indem du Ideen oder deine Meinung an sie heranträgst?

Nein, das ist nicht meine Art. Ich glaube nicht, dass die Leute darauf stehen, wenn man ihnen eine Predigt hält. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob es Menschen davon abhalten würde, diese oder jene Meinung zu vertreten, bloß weil ich etwas dagegen haben könnte. Aber ich verstehe dieses Problem generell nicht: ich wüsste niemanden in meinem Leben, der andere im Internet beleidigen würde oder Hass-Kommentare einstellt. Ich kann mir das immer gar nicht vorstellen, wer so etwas tut, ich kenne solche Leute nicht.

Gerade jüngere Fans schauen doch gern zu ihren Idolen auf …

Ja, na klar, das ist mir durchaus bewusst, dass man da hilfreich sie kann. Und ich helfe auch echt gerne, aber ich bin nicht der Typ der sagt: "Tu' dies oder tu' das!".

Wie schaffst du es, deine Balance zu halten?

Das ist ganz einfach, ich bin eine sehr normale Person (lacht): Meine Familie ist total normal, meine Freunde, ich bin viel auf Reisen mit der Band, ich sehe viel von der Welt, ich habe einfach Glück. Ja, ich bin wirklich glücklich.

Hast du denn noch Wünsche?

Ich weiß es gar nicht (lacht). Ich habe so eine tolle Karriere, ich habe gar nicht das Gefühl, dass ich mir noch mehr wünschen kann. Ich bin total happy mit meinem Beruf, mit meinem Leben - nein, ich brauche eigentlich nichts mehr! Außer, dass es hoffentlich noch lange so weiter geht! 

Mit Amy Macdonald sprach Sabine Oelmann

Quelle: n-tv.de

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