Musik

A-ha muss man gehört haben Vom Mädchenschwarm zur Sommerhymne

Sänger Morten Harket mit seiner Band a-ha bei der ProSieben Sendung

Der Rücktritt vom Rücktritt - aber was macht das schon, wenn man IHN dafür wieder ansehen darf?

Vor 30 Jahren brachten Morten Harket, Pål Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen mit "Take on Me" Norwegen auf die musikalische Landkarte. 30 Jahre später gibt es A-ha immer noch. Ein Hoch auf die norwegisch verpoppte Düsterkeit.

Ohne das Video zu "Take on Me" würde man A-ha wahrscheinlich gar nicht kennen. Vor dreißig Jahren war MTV der Nabel der Welt, und so dachten sich die Plattenbosse, dass man vielleicht doch noch etwas Geld für ein Video in die Hand nehmen sollte, um diese junge Band aus Norwegen bekannt zu machen. Gesagt, getan - das Video zu "Take on Me" war eine innovative Mischung aus Comic und Realfilm. Sänger Harket, der den Comic-Helden gibt, erwacht am Ende zum Leben und schließt seine Liebste in die Arme. Millionen von Teenagern waren verzückt und machten aus den Skandinaviern über Nacht Mädchenschwärme.

Musikalisch setzte das Debütalbum auf den damals erfolgreichen Synthie-Pop, aber schon die Nummer "Hunting High and Low" ging in Richtung Hymnen-Musik. Dramatische Töne, die an stürmische Klippen erinnerte. Dazu noch Harkets Falsetto-Stimme, die zusätzlich eine Schippe Dramatik drauflegte - kein Wunder, dass ein paar Jahre später die Bond-Produzenten bei den Norweger anklopften: "The Living Daylights", das 1987 herauskam, gab ihnen recht, denn das Lied lieferte die nötige Dynamik für die Bond-Titelsequenz. Die Jungs hatten allerdings wenig Spaß mit den Bond-Produzenten, gaben dann auch einem Konzert in Japan den Vorzug zur Bond-Premiere, was wiederum bei den Filmbossen nicht so gut ankam.

Mehr als nur Projektionsfläche für Teenager

Doch zurück zum Anfang: "Hunting High and Low" war schon mit dem Auge auf die zukünftigen Käufer in London produziert werden. Das Trio musste Mitte der 80er-Jahre nach Großbritannien kommen, denn von Oslo ließ sich damals schlecht die Welt musikalisch erobern. Mit dem Umweg über die britische Hauptstadt klappte der internationale Erfolg. In Interviews beklagen die Musiker immer ihr damaliges Teenie-Idol-Dasein, das von der eigentlichen Musik abgelenkt hätte. Doch trotzdem wurden weiterhin Videos gedreht, die besonders Harkets Position als Mädchenschwarm bedienten, wenn er - wenig bekleidet, mit wehendem Haar und waidwundem Blick - in die Kamera sang.

Das kleine Meisterwerk "Scoundrel Days", das 1986 herauskam, verdient deshalb auch einen gründlicheren Blick - der erfolgreiche Synthie-Pop wurde hier sehr interessant verfeinert. Ein Song wie "I've Been Losing You" klang mit seinen dreckigen Gitarren und Bläsern gar nicht mehr so leicht und luftig wie "Take On Me". "October" verbreitete dagegen angenehme jazzige Kühle - hier war eine Band, die wirklich mehr zu bieten hatte als eine Projektionsfläche für Teenager.

Riesig in Brasilien und Deutschland

Der erwachsenere Sound wurde 1988 auf dem Nachfolger "Stay On These Roads" beibehalten, der hymnische Titelsong eroberte die internationalen Charts, ebenso das funkige und nicht ganz so ernstzunehmende "Touchy". Zu dem Zeitpunkt hatte A-ha allerdings schon das US-amerikanische Publikum verloren. Egal, man war riesig in Brasilien und Deutschland ließ die Skandinavier sowieso nie aus dem Herzen. Allerdings behalf man sich für die erste Hit-Single von "East of the Sun, West of the Moon", das 1990 erschien, auf die Schreibkünste einer Carole King - deren "Crying in the Rain" bekam erfolgreich einen Schuss skandinavische Düsterkeit verpasst.

Aber nicht jedes A-ha-Album lieferte Hits ab: "Memorial Beach", obwohl im Studio von Prince produziert, fiel 1993 kommerziell ab und sorgte dafür, dass sich Harket, Waaktaar-Savoy und Furuholmen für eine Weile voneinander verabschiedeten und ihr eigenes Ding durchzogen. Harket veröffentlichte in seiner Heimat norwegische Solo-Alben, Waaktaar-Savoy gründete mit seiner Frau die Band Savoy und auch Furuholmen tobte sich in anderen Bands aus - zusätzlich feierte er Erfolge mit seinen Skulpturen und abstrakter Kunst.

Erfolgreiche Abschiedstournee

Nachdem sie sich solo vergnügt hatten, war 2000 mit "Minor Earth/Major Sky" wieder ein A-ha-Album dran, das auch gleich mit "Summer Moved On" die ultimative Sommerhymne ablieferte. Der Nachfolger "Lifelines" plätscherte 2002 eher beschaulich daher, "Analogue" war 2005 ebenso gefällig, während man sich 2009 bei "Foot of the Mountain" an alte Synthie-Pop-Tage erinnerte, was besonders gut in Großbritannien ankam. 2010 wollten die Musiker 25 Jahre erfolgreiche Chart-Geschichte mit einer Abschiedstournee feiern. Zehntausende von Fans strömten in die Hallen, um noch einmal tränenreich ihre Idole zu feiern.

Ihre Tränen waren nicht umsonst: A-ha kommen zurück - dieses Jahr werden 30 Jahre gefeiert. Die Norweger treten auch bei Rock in Rio auf. Dort hatten sie 1991 alle Rekorde gebrochen, als sie vor fast 200.000 Leuten sangen. Ein neues Album erscheint ebenfalls im Herbst. Für A-ha-Fans, und von denen gibt in Deutschland viele, ist dies ein absolutes Freudenfest, denn niemand verbreitet so wohlig verpoppte skandinavische Melancholie wie diese drei Herren, die der Musikgeschichte mehr als nur Teenie-Musik lieferten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema