TV

Weihnachts-"Tatort" aus Münster Boerne und Thiel erzählen Märchen

21_Tatort_Vaeterchen_Frost.jpg

Einer von vielen Weihnachtsmännern in "Väterchen Frost".

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Zwei Tage vor Heiligabend gibt es bereits die Bescherung von den Klamauk-Königen aus Münster - und oh Wunder: Boerne und Thiel ermitteln sich durch ein halbes Weihnachtsmärchen und verzichten dafür auf ein gerüttelt Maß Flachwitz. Den haben wir dafür im Gepäck.

Was machen ein schwuler Russe, ein diamantengeiler Südafrikaner mit Apartheid-Vergangenheit und ein ziemlich freundlicher Entführer in Münster? Sie spielen allesamt im Weihnachts-"Tatort" aus der Hauptstadt des Klamauks mit und geben uns dadurch die Chance, mit einem Flachwitz in diesen Text einzusteigen. Der hat zwar keine Auflösung, aber das sollte in dem Fall ohnehin kein Problem darstellen: Das Training der Lachmuskeln übernimmt der Münsteraner Sonntagskrimi im besten Fall ja selbst - wobei das mal besser, öfter aber schlechter funktioniert.

18_Tatort_Vaeterchen_Frost.jpg

Thiel (Axel Prahl, l.), Boerne (Jan Josef Liefers, Mitte) und Haller (Christine Urspruch) buddeln kurz vor dem Fest heimlich Leichen aus.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Die gute Nachricht zuerst: "Väterchen Frost" bringt deutlich weniger Klamaukanteile mit als die meisten anderen Episoden rund um Professor Boerne (Jan-Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl), sondern versucht sich an einer "charmanten, romantischen Erzählfärbung". Die jedenfalls beschwört Regisseur Torsten Fischer, der das Herumgemorde passend zur Jahreszeit festlich ausschmücken möchte. Das klappt im Vergleich zu den Totalausfällen anderer "Tatort"-Städte der vergangenen Jahre diesmal tatsächlich richtig gut, weil der Film sich um eine Atmosphäre im Stil von TV-Weihnachtsmärchen bemüht.

Mehr Glühwein als sonst

Ohne zu viel verraten zu wollen: "Väterchen Frost" hat alles, was ein Weihnachtsmärchen eben so braucht. Es gibt eine verbotene Liebe, jede Menge Verkleidungen und sogar eine durchtriebene Juwelierin, die mit ihren roten Haaren und dem roten Lippenstift ganz klar eine Hexe sein muss. Angenehm ist dabei allerdings, dass man diese Assoziationen finden kann, aber nicht muss, weil keine der Figuren überzeichnet wirkt. Wer möchte, sieht in diesem "Tatort" also einfach nur einen recht spannenden Krimi mit überraschenden Wendungen, in dem eben übermäßig viele Weihnachtsmänner und mehr Glühwein als sonst vorkommen.

Jedenfalls die meiste Zeit, denn manchmal bricht er dann eben doch wieder durch, der altbekannte Slapstick. Es gibt eine Szene, in der sich Boerne und Thiel um ein abgerissenes Ohr mitsamt Ohrring ihrer entführten Kollegin Nadeshda (Friederike Kempter) streiten, und das dann natürlich in einen Gully fällt - und per Angelhaken wieder an die Oberfläche befördert werden muss. Oder die Schlussszene, in dem die beiden jenen denkwürdigen Dialog führen: "Wer ist eigentlich dieser Lars (ausgesprochen wie "Last", Anm. d. Red.) Christmas?" "Na, ich denke, der Bruder von Mary Christmas."

Puh, da können einem schon mal die Ohren bluten. Aber weil bald Weihnachten ist und auch Kritiker irgendwann mal Fünfe gerade sein lassen müssen, halten wir uns an Nadeshda, die an anderer Stelle empfiehlt: "Machen Sie's einfach wie der Weihnachtsmann da: Trinken Sie 'nen Wodka."

Quelle: ntv.de