TV

Die Höhle der Löwen "Das ist ein Gänsehaut-Startup!"

1766090.jpg

Die Gründerinnen von "POCKETSY" standen am Ende mit leeren Händen da.

(Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

In der Löwenhöhle entscheiden normalerweise klare Vorstellungen und nackte Zahlen über den Ausgang eines Startup-Pitches. Manchmal nimmt ein Gründer-Auftritt aber auch eine überraschende Wendung.

"Die Höhle der Löwen"-Kenner wissen mittlerweile genau, wann sich Gründer berechtigte Hoffnungen auf einen Deal-Abschluss machen können. Eine aufgekratzte Körpersprache, permanentes Nachbohren und das fleißige Festhalten von Notizen: Sobald die Investoren ihre Das-klingt-aber-interessant-Trademarks offenlegen, kann man im Backstagebereich schon mal die Sektflaschen kaltstellen.

Auch diesmal läuft zunächst alles nach Drehbuch. Die von Carsten Maschmeyer geadelte ("Das ist eine sensationelle Idee") Wie-ernte-ich-meinen-eigenen-Honig-Performance der beiden passionierten Imker-Jungspunde Jan Meyer und Nick Peters aus Bremen ("EasyBeeBox") sorgt in der Ecke von Bienenfreund Nils Glagau für geballte Deal-Fäuste. Auch die erste Wasserwaage mit eingebautem Flügel ("Flüwa") lässt die Herzen der Investoren höher schlagen. Am Ende ist der erdige Pitch von Tüftel-Rentner Karlheinz Voll aus Osthofen erwartungsgemäß ein Fall für Regale-König Ralf Dümmel.

ANZEIGE
FLÜWA Wasserwaage mit Flügel | Nivellieren in zwei Richtungen zeitgleich, Inkl. Winkelfunktion | Aluminium [magnetisch, 60cm]
Zum Angebot

Lockere Startup-Schrauben

Ebenso "planmäßig" verläuft der Auftritt der beiden BH-Fans Paula Essam und Dilara Cakirhan ("POCKETSY"). Hier erkennt der Format-Experte daheim vor dem Bildschirm relativ schnell, dass die Gründer am Ende ihres Pitches aller Wahrscheinlichkeit nach mit leeren Händen dastehen werden. Und so kommt es dann auch. Wenn nicht einmal Judith Williams beim Anblick von vermeintlich innovativen Büstenhaltern mit eingenähten Handytaschen große Augen macht, dann muss man sich als verantwortlicher Textilschöpfer wohl oder übel eingestehen, dass noch nicht alle Startup-Schrauben festgezogen sind.

Nils Glagau.jpg

Nils Glagau wagte den Produkttest.

(Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Neben vielen Standard-Verläufen gibt es zwischendurch aber auch immer mal wieder Momente, in denen die Format-Norm auf links gedreht wird. Dann wendet sich urplötzlich das Blatt, und in einem eben noch stockfinsteren Pitch-Tunnel ist auf einmal in der Ferne ein helles Licht zu erkennen. Die beiden "Kulero"-Gründer Hemant Chawla und Juliane Schöning aus Göttingen beispielsweise locken mit ihren essbaren Löffeln gleich drei Löwen aus der Reserve (Nico Rosberg, Nils Glagau, Dagmar Wöhrl).

"Ist mir egal, ich mach das jetzt mit euch!"

Lange Zeit sieht es auch richtig gut aus. Die großangelegte Weltrettungsmission der beiden Plastikmüll-Bekämpfer erntet viel Lob und Applaus. Als die Gründer dann aber von ihrem festgefahrenen Firmenanteile-Verteilungsmodell nicht wirklich abkommen wollen, zeigen Nils und Nico mit den Daumen nach unten. Plötzlich kämpft nur noch Dagmar Wöhrl an der Deal-Front, und knickt schließlich ein: "Ist mir egal, ich mach das jetzt mit euch!" Sekunden später atmen zwei schweißgebadete Gründer und eine zufriedene und glückliche Investorin tief durch.

Kurz vor der Höhlenschließung setzen die beiden "Munevo DRIVE"-Gründer Konstantin Madaus und Claudiu Leverenz aus München in puncto Spannung und Emotionalität sogar noch eine Schippe drauf. Mit ihrer innovativen, auf Smartglasses basierenden Kopfsteuerung für Rollstuhlfahrer stoßen die Handicap-Superhelden nicht nur bei Judith Williams auf Begeisterung ("Das ist ein Gänsehaut-Startup!").

Mehr zum Thema

Auch Carsten Maschmeyer spitzt die Investorenohren wie ein Luchs. Nur allzu gerne würde der Großunternehmer dem Gründer-Duo unter die Arme greifen. Die millionenschwere Firmenbewertung (800.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile) ist dem Löwen aber eine Nummer zu groß.

Der Traum vom großen Deal ist leider geplatzt. Auf dem Weg nach draußen werden Konstantin und Claudiu aber noch einmal kurz beiseite genommen: "Mit der Bewertung habt ihr euch keinen Gefallen getan. Aber ihr und euer Produkt seid großartig. Lasst uns mal in München treffen. Ich würde euch trotzdem gerne helfen", flüstert Carsten Maschmeyer den beiden sichtlich erstaunten Gründern zum Abschied zu. Ein Ende, das nicht unbedingt zu erwarten war. Und dennoch überrascht dieser nachträgliche "Handschlag" den DHdL-Begleiter der ersten Stunde nicht wirklich. In der Löwenhöhle trügt der Schein nämlich manchmal ein wenig. Und das ist auch gut so.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.