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Kölner Blindgänger-"Tatort" Fliegerbomben zum Feierabend

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Kommissar Schenk (Dietmar Bär) will einen Mörder festnehmen, Maiwald (Ralph Herforth, l.) nicht von einer Bombe zerfetzt werden.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Alleine 2018 wurden im Kölner Stadtgebiet 15 Weltkriegsbomben gefunden und anschließend gesprengt oder entschärft. Ein Ende der Funde ist noch lange nicht in Sicht - höchste Zeit für einen "Tatort", sich mit der Thematik zu befassen?

Erste Regel im Umgang mit Weltkriegsbomben: Auch kurz vor Feierabend sollte man gedanklich noch nicht im Feierabend sein. Sprengmeister Peter Krämer (Beat Marti) gilt als absolut zuverlässig und völlig unverdächtig, die Regel zu ignorieren - und doch wird der Mann bei der Explosion einer eigentlich schon entschärften Fliegerbombe in den Tod gerissen. Chef und Mitarbeiter des Toten glauben nicht an Selbstmord, bleibt nur eine Möglichkeit übrig: Mord.

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Fummelt gerne an Bomben herum: Maiwald junior (Adrian Topol)

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Die Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) stoßen bei ihren Ermittlungen schnell auf einen ganzen Sumpf voll möglicher Täter und Motive: Die Ehe des Toten war alles andere als glücklich, das Paar hatte finanzielle Probleme. Obendrein steht der beste Kumpel des Toten auch auf dessen Frau - allerdings ohne Aussicht auf Erfolg, weil der Mann im Jugoslawienkrieg durch eine Tretmine ein Bein verlor und seitdem im Rollstuhl sitzt: "Schon blöd, wenn man sich die Eier kratzen will, die an einer Hauswand in Bosnien kleben."

Irgendwie spielt auch ein Neubaugebiet namens "flora quartier" eine tragende Rolle, in dem der Ermordete zuerst ein Haus bauen wollte - sein Angebot aber unvermittelt wieder zurückzog. Und dann wäre da noch der Chef des Ermordeten, der langsam aber sicher einen Nachfolger für seinen Kampfmittelbeseitigungsdienst sucht, aber nur wenig von seinem Sohn hält. Der ist glücksspielsüchtig, leidet unter der Verachtung seines Vaters und kam mit der überkorrekten Art des Ermordeten nie klar.

Mehr Mut zum Ungesagten

"Bombengeschäfte" macht eine stattliche Anzahl von Schauplätzen auf, ohne die Zuschauer gleich damit zu erschlagen. Das muss man Regisseur und Autor Thomas Schiller ebenso hoch anrechnen wie den Fakt, dass die Täter- und Motivsuche tatsächlich bis zum Ende spannend bleibt. Weniger gelungen ist dagegen die Zeichnung der Charaktere: Die diversen Traumata und Störungen, die fast alle Figuren mit sich herumtragen, kleben wie Post-it-Zettel an den Köpfen der Beteiligten - hier wäre ein bisschen mehr Mut zum Ungesagten der bessere Weg gewesen.

Alles in allem haben die Kölner "Tatort"-Macher aber mal wieder bewiesen, dass ihnen die bodenständigen Themen am besten liegen: "Bombengeschäfte" ist ein leicht bieder inszenierter Krimi, der nahtlos an Episoden wie "Mitgehangen" anknüpft - in denen die Mittelschicht auf ihre ganz eigene Weise auf die Veränderungen und Bedrohungen einer neuen Zeit reagiert. Keine Kunst, aber gutes Fernsehen.

Quelle: n-tv.de

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