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RKI verschärft Kriterien Keine Tests mehr für Schnupfennasen

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Bei einem Schnupfen soll man grundsätzlich fünf Tage zu Hause bleiben und nicht nach einem Corona-Test fragen.

(Foto: imago images/Westend61)

Weil die Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen, ändert das RKI seine Testkriterien. Ab sofort reichen Erkältungssymptome alleine nicht mehr aus, um einen Corona-Test zu rechtfertigen. ntv.de erklärt, wann das RKI noch PCR-Tests empfiehlt, und was zu tun ist, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind.

Schon vor einem Monat zeichnete sich ab, dass Deutschland angesichts rapide steigender Neuinfektionszahlen schon bald an die Grenzen seiner PCR-Testkapazitäten kommen würde. Ende Oktober waren schon viele Labore überfordert, Testergebnisse erreichen inzwischen Gesundheitsämter oft so spät, dass sie für eine Fallverfolgung quasi nutzlos sind.

Weil es absehbar ist, dass sich die Situation in der Erkältungszeit in den kommenden Wochen weiter verschärfen wird, hat das Robert-Koch-Institut (RKI) reagiert und seine Testkriterien angepasst.

Dreifache Kapazität wäre nötig

Ziel der Maßnahme ist es nicht nur, Labore vor einer Überlastung zu schützen. Auch eine Überforderung von Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Stellen, die Tests durchführen, soll vermieden werden. Um dabei effizient vorzugehen, sei es nicht möglich, in der kommenden Herbst-/Wintersaison alle Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung (ARE) auf Sars-CoV-2 zu testen, schreibt das RKI. Außerdem seien Tests nicht dazu da, alle Covid-19-Fälle in Deutschland zu erfassen.

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Alleine die durchschnittliche Anzahl der akuten Atemwegserkrankungen in den Kalenderwochen 38 bis 52 der letzten vier Jahre würden wöchentliche Kapazitäten von 3 bis 5 Millionen Tests erfordern, so die Behörde. Schon bei Kindern von 0 bis 15 Jahren wäre mit 900.00 bis 1,5 Millionen Tests pro Woche zu rechnen. Die reale Kapazität aller deutschen Labore zusammen beträgt rund 1,6 Millionen Tests wöchentlich.

Deshalb sollen ab sofort grundsätzlich keine Tests mehr durchgeführt werden, wenn Patienten lediglich einfache Erkältungssymptome wie Halsschmerzen oder einen Schnupfen haben. Stattdessen sollen sich Ärzte, Kliniken und Testzentren auf Fälle mit akuter Bronchitis, Atemnot, Fieber oder Pneumonie (Lungenentzündung) sowie auf Patienten mit Störung des Geruchs- oder Geschmackssinns konzentrieren.

Zahlreiche Ausnahmen

Es gibt aber auch Ausnahmen bei harmlosen Symptomen. Konkret sollte nach den neuen RKI-Empfehlungen bei jeder akuten Atemwegserkrankung ein Test durchgeführt werden, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

- Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe.

- Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus.

- Besuch einer Veranstaltung mit mehr als zehn Personen in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen und unzureichender Einhaltung der AHA+L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften).

- Während des Zeitraums der Symptomatik bestand die Möglichkeit einer Weiterverbreitung an viele weitere Personen.

- Enger Kontakt zu vielen Menschen (beispielsweise Lehrer, Chorleiter, Trainer) oder zu vulnerablen Gruppen/Risikopatienten in Familie, Haushalt oder Arbeit.

- Klinische Verschlechterung bei bestehender Symptomatik.

Bei einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 35 Fällen pro 100.000 Einwohner genügt auch ein Kontakt im Haushalt oder zu einem Cluster von Personen mit akuten Atemwegserkrankungen ungeklärter Ursache.

Fünf einfache Fragen

Da es den meisten Menschen nicht immer gelingen dürfte, sich selbst einem der aufgezählten Kriterien zuzuordnen, schlägt das RKI Ärzten et cetera fünf einfache Fragen vor. Werden hier mindestens drei Fragen mit Ja beantwortet, empfiehlt es einen Test durchzuführen:

- Gehört die Person zu einer vulnerablen Gruppe oder hat Kontakt zu vulnerablen Gruppen?

- Haben Familienmitglieder regelmäßig Kontakt zu Risikogruppen innerhalb oder außerhalb der Familie? Ist beispielsweise ein Elternteil in der Altenpflege tätig?

- Gibt es aktuell ungeklärte akute Erkrankungen in der Familie?

- Besteht individuell ein erhöhtes Infektions- oder Weiterverbreitungsrisiko, zum Beispiel aufgrund der Teilnahme an einer Großveranstaltung innerhalb der letzten ein bis zwei Wochen?

- Handelt es sich um Pflege- oder Betreuungspersonal oder ist anderweitig von vielen relevanten Kontakten auszugehen?

Mit Schnupfen fünf Tage Isolation

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Die neue Strategie hat unter Umständen für sehr viele Menschen unangenehme Konsequenzen. Das RKI betont, dass man auch mit Sars-CoV-2 infiziert sein kann, wenn man keine der aufgezählten charakteristischen Symptome aufweist. Die Behörde empfiehlt daher, sich auch bei Halsschmerzen, Schnupfen oder anderen scheinbar harmlosen Erkältungssymptomen so zu verhalten, als habe man Covid-19.

Das bedeutet bei 7-Tage-Inzidenzen von mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, sich fünf Tage zu Hause zu isolieren - "soweit umsetzbar." Außerdem soll man 48 Stunden keine Symptome gehabt haben, bevor man sich wieder unter - möglichst wenige - Menschen mischt.

Quelle: ntv.de, kwe