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Parteien, Bündnisse, Optionen Der ntv.de Koalitionsrechner zur Bundestagswahl

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Diesmal könnte es kompliziert werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wer regiert mit wem? Nach der Wahl bekommen die Farbenspiele rund um die Koalitionsfragen politisches Gewicht: Welche Parteien-Bündnisse wären rein rechnerisch möglich, welche Koalitionsoptionen sind realistisch?

Die Bundestagswahl 2021 konfrontiert Deutschland mit komplizierten neuen Mehrheitsverhältnissen: Die SPD wird stärkste Kraft, der Vorsprung vor der Union bleibt aber vergleichsweise knapp. Am Tag nach der Wahl richten sich die Blicke auf die möglichen Koalitionsoptionen. Wer kann mit welchen Partnern eine tragfähige Regierungsmehrheit schmieden?

Der ntv.de Koalitionsrechner zeigt die rein rechnerisch möglichen Koalitionen auf Grundlage der aktuellen Umfrageergebnisse an:

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Noch offen ist, welche Partei den nächsten Kanzler stellt. Mehrere Möglichkeiten erscheinen politisch machbar. Noch am Wahlabend hatten sowohl SPD als auch Union jeweils ihren Willen bekundet, die neue Regierung zu formen. Die SPD setzt dabei auf eine Ampel-Koalition mit Grünen und FDP, die Union auf ein Jamaika-Bündnis - ebenfalls mit Grünen und FDP.

Das Wahlergebnis macht die Regierungsbildung nicht einfach: Das rechnerisch einzige mögliche Zweierbündnis - die Fortsetzung der schwarz-roten Koalition - erscheint politisch schwer vorstellbar. Die SPD hatte sich schon 2017 nur notgedrungen in eine erneute Koalition drängen lassen. Ein im Frühjahr intensiv diskutiertes schwarz-grünes Zweierbündnis ist auf Bundesebene mit diesen Wahlergebnissen nicht möglich.

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Als zumindest denkbare Option wurde im Vorfeld der Wahl eine sogenannte Deutschland-Koalition aus Union, SPD und FDP gehandelt. In den Reihen der Union scheint es dafür durchaus Befürworter zu geben. Bei der SPD dürfte der Widerstand gegen eine solche Koalition groß sein.

Kommt es anstatt einer schwarz-rot-gelben Deutschland-Koalition zu einem neuen Anlauf in Richtung einer Jamaika-Koalition? Ein schwarz-grün-gelbes Bündnis von Union, Grünen und FDP war 2017 die bevorzugte Option zumindest der CDU. Auch diesmal ergibt sich aus dem Wahlergebnis für diese Konstellation eine rechnerische Mehrheit.

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Oder ist die Ampel-Koalition realistischer? Ein rot-gelb-grünes Bündnis aus SPD, FDP und Grünen wäre ebenfalls eine Option, die im Bundestag auf eine klare Mehrheit käme. Führende FDP-Politiker hatten ein solches Bündnis unter Führung der Grünen im Vorfeld so gut wie ausgeschlossen. Allerdings wäre in dieser Kombination mittlerweile die SPD die stärkste Kraft. Damit könnte die Option auch für die Liberalen attraktiver aussehen.

Aus Sicht der Union wären solche Pläne nichts anderes als eine Niederlage. Die Christdemokraten hoffen, dass FDP-Chef Christian Lindner für sie den "Königsmacher" spielt und ein Bündnis mit der Union vorzieht. Für CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet wäre diese Variante die einzige realistischste Chance, doch noch als Merkels Nachfolger ins Kanzleramt einzuziehen. Garantien dafür gibt es aber nicht.

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Die SPD umwirbt die Liberalen ebenfalls: Die FDP könnte damit vor der Wahl stehen, eine Koalition mit dem laut Umfragen wenig beliebten Laschet einzugehen oder aber mit Olaf Scholz, dem - so sagen die Meinungsforscher - wesentlich mehr Deutsche die Kanzlerrolle zutrauen. Der SPD-Kanzlerkandidat selbst bemühte sich zuletzt ausdrücklich um die FDP als Koalitionspartner.

Doch auch die Ampel ist nicht unbedingt alternativlos. Dass es zu dem von Laschet befürchteten "Linksruck" kommt, also einer Bundesregierung unter Beteiligung der Linken, erscheint dagegen höchst unwahrscheinlich. Mit dem vorläufigen Ergebnis ist klar, dass es auf Bundesebene nicht für eine rot-rot-grüne Koalitionslösung reicht. Ein solches Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei galt zuvor schon über weite Strecken als nahezu ausgeschlossen. Erst kurz vor der Wahl hatten einzelne Umfragen Rot-Rot-Grün in den Bereich des Möglichen gerückt.

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SPD-Kanzlerkandidat Scholz und Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hatten ein solches Bündnis zumindest nicht kategorisch abgelehnt, sondern nur mit gewissen Bedingungen verknüpft wie etwa einem klaren Bekenntnis der Linken zur NATO. Die Union wiederum versuchte, im Wahlkampf verstärkt gegen eine Koalition dieser drei Parteien Front zu machen.

Fragezeichen in der Koalitionsrechnung

Als große Unbekannte in der Koalitionsrechnung galt im Vorfeld das Abschneiden der kleineren Parteien. Die Freien Wähler etwa, so zeichnete sich bereits am Abend nach der Wahl ab, haben den Einzug in den Bundestag deutlich verpasst. Hätten sie diese Hürde übersprungen, hätten sie womöglich bei knappen Mehrheitsverhältnissen noch eine Rolle spielen können.

Klar ist, dass sich Deutschland so oder so auf eine komplizierte Phase der Regierungsbildung einstellen muss. Schon die Sondierungsgespräche zwischen den möglichen Koalitionspartnern könnten sich über Wochen hinziehen. Zur Erinnerung: Nach der Bundestagswahl 2017 konnte Kanzlerin Angela Merkel ihre vierte Amtszeit erst im März 2018 antreten.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa

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