Politik

Ein Jahr Schwarz-Rot Wir haben die Große Koalition verdient!

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Außenminister Steinmeier, Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Gabriel - ein Herz und eine Seele.

(Foto: REUTERS)

Das Volk will nicht Protest, sondern Konsens. Deshalb lieben die Deutschen Angela Merkel. Und deshalb haben sie auch seit einem Jahr die Koalition, die zu ihnen passt.

Die Deutschen meckern gern, aber den Streit mögen sie nicht. Deshalb lieben sie die Große Koalition. An ihr kann jeder herumnörgeln. Diese ganze Konsenssoße! Trotz Mehrheit wird nicht richtig durchregiert! Keine Reformen in Sicht! Stattdessen werden Wahlgeschenke verteilt! Nicht mal eine richtige Opposition gibt es noch!

Seit einem Jahr ist die Große Koalition nun im Amt. Und es ist exakt so gekommen, wie alle vermutet hatten: Union und SPD arbeiten weitgehend konfliktfrei. Aus ihrer Sicht haben sie eine eindrucksvolle Bilanz vorgelegt: Mütterrente, Rente mit 63, Mindestlohn, Frauenquote, schwarze Null. Wenn es mal Streit gibt, dann geht es um die Maut.

Vor allem für die SPD war es im Herbst 2013 ein hartes Stück Arbeit, ihre Basis davon zu überzeugen, mit der Union in eine Regierung zu gehen. Und auch bei CDU und CSU wurde gebetsmühlenhaft betont, dass die Große Koalition keine Liebesheirat, sondern eben nur ein Zweckbündnis auf Zeit sei.

Damit niemand glaubt, die Harmonie sei echt, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz vor dem einjährigen Jubiläum ihrer Koalition dies noch einmal klar gemacht: Auf dem CDU-Parteitag in Köln nannte sie die FDP den "natürlichen Verbündeten" der Union und kokettierte zugleich mit Schwarz-Grün. Der SPD warf sie vor, sich in Thüringen "als stolze Volkspartei in die Juniorrolle unter Führung der Linkspartei" begeben zu haben. Die Delegierten waren begeistert. So sehr Merkel ihre Partei in die Mitte geschoben hat - so viel Tradition hat die CDU noch, dass sie Prügel gegen Sozialdemokraten zu genießen versteht.

Aber SPD-Bashing auf CDU-Parteitagen ist Polit-Folklore, mehr nicht. Merkels natürlicher Lebensraum als Bundeskanzlerin ist die Große Koalition. Damit steht sie in der Mitte des Volkes. Denn auch wenn die Protestbürger von Pegida und AfD es nicht wahrhaben wollen: "Das Volk", zumindest sein statistischer Durchschnitt, will nicht Protest, sondern Konsens.

Die Zustimmung zur Kanzlerin liegt stabil bei rund 60 Prozent. Man kann dies falsch finden, man kann Merkels Politik zögerlich finden, arm an Visionen, zu wenig wirtschaftsfreundlich, zu wenig sozial oder zu wenig ökologisch. Wenn man wütend genug ist, kann man ihr auch einen Ausverkauf der nationalen Interessen Deutschlands vorwerfen. Oder was auch immer. In einer Demokratie zählt nur, was der Wähler sagt. Und der sagt: Die Merkel, die macht ihren Job schon ganz gut.

Aber Merkel mache doch gar nichts, wenden Sie ein? Das ist ja der Trick.

Quelle: n-tv.de

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