Österreich-Newsletter

Notabschaltung für Corona-Ampel Trump: Österreicher leben im Wald

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Es kursieren derzeit so viele Missverständnisse in und um Österreich, man kommt kaum nach mit dem Korrigieren. Der EU-Abgeordnete Lukas Mandl musste sich zum Beispiel am Mittwoch bei "Maischberger" gegen einen Vorwurf des Luxemburger Außenministers Jean Asselborn wehren: Wenn Geflüchtete aus dem Mittelmeer gerettet würden, so Asselborn, kümmerten sich nur eine Handvoll Länder, während die Österreicher "durch die Gegend jodeln".

Mandls Antwort, so frostig wie der nächste Empfang für Asselborn in Wien: "Die Österreicherinnen und Österreicher jodeln nicht. Jedenfalls nicht, wenn es um ernste Themen geht."

Das wäre also geklärt, widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert" zwei weiteren Missverständnissen: der gescheiterten Corona-Ampel und Donald Trumps Geografie-Kenntnissen.

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hudeln: überhastet und deswegen schlampig agieren

"Nur net hudln!", sollten sich die Sebastian-Kurz-Ultras bei der "Bild" denken, bevor sie mal wieder eine Lobrede auf Österreich verfassen. Vor zwei Wochen berichtete das Boulevardblatt begeistert von der Einführung der "für jedermann verständlichen" Corona-Ampel und fragte: "Wann kommt die Ampel bei uns?"

Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn gut hingeschaut hat: gar nicht. Jedenfalls nicht in der österreichischen Variante, die zwei grundlegende Probleme hat: Kein Mensch versteht sie und sie ist politisch schon tot. Begraben vergangenen Freitag vom Bundeskanzler, der Verschärfungen der Anti-Corona-Maßnahmen für das ganze Bundesgebiet verkündete - und die Ampel somit überflüssig machte.

Gedacht war es so: Für jeden Bezirk zeigt die Ampel grün, gelb, orange oder rot - und je nach Farbe herrschen angepasste Sicherheitsvorkehrungen. Welche, war aber auch Tage nach Start des Ampelsystems unklar. Entsprechende Regelungen verschwanden so urplötzlich von der Website corona-ampel.at, wie der Bildungsminister Heinz Faßmann auftauchte, um zu verkünden, dass für Schulen und Unis eigene Ampeln gelten. Also wurden die Schüler im orangefarbenen Wien am Montag in die Klassen beordert, obwohl ursprünglich Homeschooling vorgesehen war.

Bleiben wir im Ampel-Bild: An der Corona-Kreuzung herrschte heilloses Durcheinander, weil keiner wusste, ob "grün" auch wirklich "fahren" bedeutet, und wo eigentlich der Unterschied zwischen gelb und orange lag. Und als das Chaos überhandnahm, stellte sich Kanzler Kurz in die Mitte und übernahm die Rolle des Verkehrspolizisten.

Spätestens seit dem gestrigen Donnerstag ist Corona wieder Chefsache, Kurz trat mit drei Fachministern vor die Presse und gab ein Statement ab, das klang wie die letzte Warnung: "Wir müssen reagieren, um einen zweiten Lockdown zu verhindern". In Innenbereichen dürfen sich nur noch maximal 10 Personen zusammenfinden, egal ob zum Yoga oder zur Hochzeit, eine Ausnahme bleiben die eigenen vier Wände. In der Gastronomie wird nur noch im Sitzen konsumiert. Der Mund-Nasen-Schutz wird quasi in sämtlichen geschlossenen Räumen außerhalb der eigenen Wohnung zur Pflicht. Und die Ampel? Blinkt weiter wirkungslos vor sich hin.

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America first, Austria förster.

Ja, der musste sein, Entschuldigung, irgendwie muss man ja mithalten im Niveau-Limbo, das Donald Trump tagtäglich auslöst.

Der Förster in Chief der USA klingelte Dienstag bei seinen Freunden von "Fox News" durch, um seine Marie-Kondo-Doktrin im Kampf gegen die Waldbrände vorzustellen: Einfach mal aufräumen. So, wie es die Österreicher tun. Die leben nämlich nicht erst hinterm, sondern sogar mitten im Wald, quasi Waldmenschen, die in "Waldstädten" hausen. Und obwohl sie "more explosive trees" haben, passiere quasi gar nichts.

Weil Trump nicht nur ein fachlich anerkannter Geograf ist, sondern auch ein exzellenter Germanist, kennt er als weltweit einziger Österreich-Experte "diese Redewendung, die sie haben": "Thin the fuel". Da fällt mir jetzt auch nichts mehr ein, außer diese Redewendung, die die Amerikaner haben: You have to see it to believe it.

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++ Stand Freitag 10 Uhr verzeichnet Österreich 36.801 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 740 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Aktuell vermelden die Gesundheitsbehörden 7051 aktive Infektionen. ++ Österreichs Regierung will weiterhin keine Menschen aus Griechenlands Flüchtlingslagern aufnehmen. Stattdessen wurde ein Flugzeug mit 55 Tonnen Hilfsgütern nach Athen geschickt, mit an Bord auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), der die "150 Paletten Solidarität" (Nehammer) vor zahlreichen Kameras an Griechenlands Vize-Innenminister Theodoros Livanios übergab. ++ Nicht wie der "Dominator", sondern wie der Last Man Standing gewann Dominic Thiem aus Lichtenwörth bei Wiener Neustadt Sonntagnacht das merkwürdige Finale der US Open. Das Match gegen den Deutschen Alexander Zverev lebte nicht von der Klasse, sondern der Dramaturgie, dem Sieger war's wurscht: "Dieses Glücksgefühl, davon habe ich mein ganzes Leben geträumt". ++ Kahlschlag in der Autoindustrie: Die VW-Tochter MAN will das Werk in Steyr in Oberösterreich 2023 schließen und nach Polen und in die Türkei verlegen. Wird der Plan umgesetzt, verlieren 2300 Menschen ihren Job. ++ 580.000 Euro - so viel Geld soll Heinz-Christian Strache in seiner Zeit als Parteichef der FPÖ veruntreut haben. Das geht aus Akten des Bundeskriminalamts hervor, aus denen mehrere Medien Donnerstag zitierten. Die Höchststrafe bei dieser Schadenssumme: zehn Jahre Haft. ++

In der Waldstadt Wien ging gestern die Premiere von "Der deutsche Mittagstisch" (Text: Thomas Bernhard) am Theater in der Josefstadt über die Bühne Regie führte der berüchtigte Claus Peymann, als Direktor des Burgtheaters von 1986 bis 1999 ein Garant für gehobene Skandale. Im "Standard" behauptete der 83-Jährige, er sei gar nicht mehr der "zornige Piefke" von einst - nur um ein paar Fragen später fuchsig zu werden, weil der Redakteur den Satz "In jeder Suppe ein Nazi" aus dem Stück als "nostalgisch" bezeichnete: "Wovon reden Sie denn?!? Es ist doch alles noch schlimmer geworden, als Bernhard es sich erträumt hätte. Die österreichische Wirklichkeit, die Politik liefert das Forum für diese Dramolette. Wir können die gar nicht so schnell inszenieren, wie die Nazis in Österreich hochkommen." Ein echter Paymann eben.

Wenn Sie Paymannsche Beschimpfungen, Lob, Wünsche oder Anregungen loswerden wollen, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba,

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de