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Schutz vor Cyber-Gangstern Braucht man eine Internet-Versicherung?

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Der Bildschirm bleibt schwarz oder zeigt obskure Fehlermeldungen an? Ein Virus könnte die Ursache sein. Doch nicht jede Internet-Versicherung hilft hier.

(Foto: imago/McPHOTO)

Unbekannte haben Online-Zugänge gekapert, ein Virus hat die Daten auf der Festplatte zerhackt, bestellte Ware ist nie angekommen - mehr als jeder Zweite hat Erfahrungen mit Internet-Kriminalität gemacht. Es gibt Versicherungen, die in solchen Fällen schützen sollen. Was taugen sie?

Wenn Einbrecher die Wohnung plündern, ist das ein Fall für die Hausratversicherung. Aber wer zahlt, wenn Fremde Daten von der Festplatte rauben, das E-Mail-Postfach kapern oder mTANs fürs Online-Banking vom Smartphone abfangen? Über die Hälfte aller Internetnutzer haben schon mal mit mehr oder weniger schweren Formen von Online-Kriminalität zu tun gehabt, da ist es nur folgerichtig, dass Versicherungen hier einen Markt erkennen. Die Zeitschrift "Öko-Test" hat sich das Angebot an Internetversicherungen genauer angesehen und ist vom Ergebnis recht ernüchtert.

13 Tarife sind aktuell erhältlich, den Anfang machte 2012 die Arag mit ihrer Web@ktiv-Versicherung. Die Allianz hat mit ihrem DigitalSchutz erstmal nur experimentiert und ihn inzwischen wieder vom Markt genommen. Die aktuell angebotenen Policen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Die einen bieten vor allem Rechtsschutz, andere decken auch Vermögensschäden ab, viele setzen darüber hinaus auf Serviceleistungen, indem sie etwa versprechen, gegen rufschädigende Inhalte im Netz vorzugehen. In den Prospekten liest sich das meist ganz gut. Aber ist das wirklich 120 Euro oder mehr wert?

Vieles ist schon versichert

In vielen Teilaspekten ist man schon über vorhandene Policen abgesichert – und Internetversicherungen müssen nur dann zahlen, wenn andere Policen nicht greifen. So kommen neuere Haftpflichtversicherungen auch für Internetschäden auf, die man Dritten verursacht. Leitet man beispielsweise versehentlich einen Virus weiter, der dann fremde Passwörter ausspäht, muss die Versicherung die Folgekosten übernehmen. Unberechtigte Ansprüche wehrt sie auf juristischem Weg ab. Von den reinen Internetpolicen übernimmt hingegen keine solche Schäden durch die Übermittlung verseuchter Dateien. Allerdings wird sich auch die Haftpflichtversicherung weigern zu bezahlen, wenn man allzu leichtsinnig war, etwa keinen aktuellen Virenschutz auf dem Rechner hat.

Räumen Cyber-Gangster das Konto leer, kann man sich das Geld unter Umständen direkt bei der Bank zurückholen – jedenfalls dann, wenn man nicht grob fahrlässig gehandelt hat. Trifft den Kunden keine gravierende Mitschuld, haftet er mit maximal 150 Euro. Eine generelle Regelung zum Phishing, also zum Abfangen von Daten im Netz, gibt es aber nicht und viele Banken hüllen sich in Schweigen darüber, wie sie solche Fälle handhaben. Wer eine umfangreiche Hausratversicherung hat, findet womöglich auch hier Unterstützung. Gerade in den Premium-Tarifen ist Onlinebanking oft inklusive. Meistens sind aber nur Schäden bis 1000 Euro abgedeckt, weit kommt man damit also nicht. Auch Internetpolicen sind hier keine echte Hilfe, die Wenigsten kommen für Vermögensschäden durch illegale Abbuchungen auf.

Keine Entwarnung für Filesharer

Wer illegale Tauschbörsen nutzt, kann sich bei einer Abmahnung nicht auf die Rechtsschutzversicherung verlassen. Denn Urheberrechtsverletzungen, zu denen beispielsweise auch das Teilen von Bildern gehört, sind von normalen Rechtsschutzpolicen ausdrücklich ausgeschlossen.  Auch Internettarife sind hier keine große Hilfe, zumindest wenn die Abmahnung berechtigt war. Gibt es daran berechtigte Zweifel, etwa im Redtube-Fall, greift der Beratungs- oder Strafrechtsschutz. Den bieten laut "Öko-Test" aber auch normale Rechtsschutzpolicen.  

Zum Teil versprechen die Anbieter aber auch echten Mehrwert. Etwa eine telefonische Beratung gegen Cybermobbing oder bis zu 3000 Euro für die Rettung von Daten, die von Viren oder Trojanern in Mitleidenschaft gezogen wurden beim Web@ktiv-Tarif Plus der Arag. Bis zu 100 Euro im Monat, bzw. 1000 Euro im Jahr können die Versicherten für Versuche aufwenden, rufschädigende Inhalte aus dem Netz zu löschen. Bis zu 3000 Euro pro Fall bekommen Käufer ersetzt, wenn Ware beim Online-Shopping nicht ankommt.

Vermögensschutz kann sinnvoll sein

Vieles von dem, was die Internet-Policen bieten, fällt in die Kategorie "nett, aber überflüssig". So bezahlt die Digital Life Protect beispielsweise, wenn Waren, die man im Internet gekauft hat, abhanden kommen oder beschädigt werden. Der Schutz gilt aber nur in den ersten 90 Tagen. Eine gewöhnliche Hausratversicherung ist da eine bessere Wahl, auch wenn sie nicht für Schäden aufkommt, die man selbst verursacht hat. Die gleiche Versicherung übernimmt bis zu 500 Euro pro Woche um den Verdienstausfall zu kompensieren, wenn man wegen eines Identitätsdiebstahls unbezahlten Urlaub nehmen muss. Gut zu wissen, aber verzichtbar.

Am sinnvollsten fanden die Öko-Tester Tarife, die sich auf die Abwehr von Vermögensschäden konzentrieren, etwa den FinanzSchutz von Cosmos Direkt oder die R+V InternetschutzPolice. Letztere zahlt beispielsweise bis zu 10.000 Euro Schadensersatz, wenn ein Kauf oder Verkauf übers Internet platzt. Für Datenrettung gibt es bis zu 1000 Euro. Ob das die rund 140 Euro Jahresbeitrag wert sind, muss jeder selbst entscheiden.  

Rechtsschutzversicherungen im Vergleich

Quelle: n-tv.de, ino

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