Ratgeber

Klappt der frühe Ausstieg? Der Fahrplan zur Rente

Die Arbeit mag Spaß machen, doch je älter man wird, desto mehr sehnt man sich meistens auch nach dem Ruhestand. Spätestens mit Anfang 60 sollten Arbeitnehmer ihre Lage prüfen und ein paar Entscheidungen fällen.

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Was kommt am Ende raus? Rentner in spe sollten alle Einnahmequellen prüfen - und dabei den Fiskus nicht vergessen.

(Foto: imago stock&people)

Mit 30 ist es den meisten egal, wie lange sie noch arbeiten müssen. Die Rente liegt fern und wer sagt, dass es bei der Altersgrenze von 67 Jahren bleibt? Doch spätestens ab Ende 50 fängt bei Vielen das Rechnen an: Könnte man  nicht doch eher aufhören? Was würde das kosten? Seit Juli 2014 können langjährig Versicherte schon mit 63 Jahren in Rente gehen, ohne Abschläge. Das Angebot ist schwer gefragt, über 279.000 Arbeitsmüde haben bislang davon Gebrauch gemacht. Doch es ist nicht die einzige Möglichkeit, das Beste aus der Rente herauszuholen, wie die Stiftung Warentest in neuen "Finanztest"-Heft erklärt. Wer mit einem vorzeitigen Ausstieg liebäugelt, sollte rechtzeitig nachrechnen, ob die Sache machbar ist. So geht's:

1. Rentenbeginn prüfen

Die abschlagfreie Rente ab 63 steht Arbeitnehmern offen, die bis zum 63. Geburtstag mindestens 45 Jahre lang Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt haben. Angerechnet werden dabei Phasen, in denen man Arbeitslosengeld I bezogen hat, Kindererziehungszeiten oder auch Monate, in denen Kurzarbeiter- oder Insolvenzgeld geflossen ist. Ob ein Anspruch besteht, erfährt man aus der Rentenauskunft, die man auf Antrag beim Rentenversicherungsträger bekommt.

Wer die Bedingungen nicht erfüllt, aber mindestens 35 Jahre lang versichert war,  kann ebenfalls früher in den Ruhestand, dann aber mit Abschlägen. Für jeden Monat, den man vor der Regelaltersgrenze aussteigt, sinkt die Rente dauerhaft um 0,3 Prozent. Bei einer Rente von beispielsweise 1200 Euro kommen rund 86 Euro weniger heraus, wenn man zwei Jahre früher aufhört. Außerdem fällt der Rentenanspruch etwas geringer aus, weil man ja kürzere Zeit Beiträge bezahlt.

2. Bilanz ziehen

Wie viel von der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwarten ist, steht ebenfalls in der Rentenauskunft. Im Idealfall muss man sich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen, sondern zahlt auch noch in betriebliche und private Altersvorsorge ein. Hier gibt es jährliche Standmitteilungen, anhand derer man sich ausrechnen kann, wie viel später regelmäßig reinkommt. 

Wichtig: Auch im Alter zahlt man Steuern und Abgaben. Was und wie viel, das hängt unter anderem von der Vorsorgeart ab und davon, wann man in Rente geht. Für jeden neuen Rentnerjahrgang schrumpft der steuerfreie Teil der Rente. Wer beispielsweise 2020 aussteigen will, muss 80 Prozent der Rente mit dem Fiskus teilen. Zeitgleich steigen aber die Freibeträge für Privatrenten und bestimmte Betriebsrenten. Für andere Einkünfte, etwa aus Riester-Renten, Vermietung oder aus selbständigen Tätigkeiten, gibt es einen Altersentlastungsbetrag, der in den nächsten Jahren allerdings auch schrumpft. Wer wissen will, was übrig bleibt, kann den kostenlosen Steuerrechner der Stiftung Warentest nutzen.

Nicht nur das Finanzamt schmälert die Einkünfte. Auch Kranken- und Pflegeversicherung müssen weiterhin bedient werden. Pflichtversicherte sind zumindest bei Privat-, Riester- und Rüruprenten fein raus, denn dafür müssen sie keine Beiträge abführen. In der gesetzlichen Rente zahlt man die gleichen Sätze wie ein Arbeitnehmer: 9,9 Prozent plus Zusatzbeitrag (Versicherte mit Kindern: 6,65 Prozent). Teuer können Betriebsrenten werden, sofern sie über 141,75 Euro im Monat liegen. In der Regel wird hier der volle Beitragssatz fällig – also auch der Teil, den beim Gehalt der Arbeitgeber übernimmt. Bei Kinderlosen sind das immerhin 17,2 Prozent plus Zusatzbeitrag.

3. Rentenlücke berechnen

Diverse Versicherungen kann man sich als Rentner sparen, das Haus ist idelaerweise abbezahlt und auch die Fahrtkosten fallen weg. Grob lässt sich sagen, dass im Alter etwa 80 Prozent des letzten Nettogehalts zur Verfügung stehen sollten. Die Differenz zwischen der gesetzlichen Rente und diesen 80 Prozent bezeichnet man als Rentenlücke. Die Stiftung Warentest hat auch einen Rechner, mit dem man die Lücke ermitteln kann. Man sollte dafür die aktuelle Renteninformation vorliegen haben. 

4. Finanzpolster prüfen

Lebensversicherungen, Fonds, Sparverträge – im Laufe der Jahre kommen mehr oder weniger große Vermögen zusammen. Wer damit im Alter über die Runden kommen will, muss zwei Fragen prüfen: Wann steht das Geld zur Verfügung? Und wie lange reicht es aus?  Wer beispielsweise 60.000 Euro mit 1,5 Prozent anlegt, kann sich fast  20 Jahre lang jeden Monat 290 Euro auszahlen lassen. Liegt der Zins dagegen nur bei einem Prozent, reicht das Geld bei der gleichen Auszahlung nur knapp 19 Jahre.

5. Rente erhöhen

Wie viele Jahre muss das Geld im Alter reichen? Wer genug Vermögen hat und es geschickt anstellt, kann sich daraus selbst eine ewige Rente basteln, um die Rentenlücke zu schließen. Eine Alternative sind Sofortrenten gegen Einmalzahlung. Damit sichert man sich eine Rente bis zum Lebensende. Nun gehen die Versicherer davon aus, dass ihre Kunden lange leben. Die Rente fällt also deutlich geringer aus, als wenn man das Geld 20 oder 25 Jahre lang einfach aufbrauchen würde.

Freiberufler und Selbständige, die freiwillig gesetzlich versichert sind, können ihre Rente auch durch einen Einmalbeitrag an die gesetzliche Versicherung aufbessern. Derzeit sei das günstiger als die Sofortrente, so "Finanztest". Die Einmalzahlung an die Rentenversicherung ist auch eine Möglichkeit, die Abschläge beim vorzeitigen Rentenbeginn auszugleichen.

6. Polster für den Notfall kalkulieren

Das Haus ist zwar abbezahlt, aber sanierungsbedürftig, das Bad muss früher oder später altersgerecht umgebaut werden, ein Partner könnte zum Pflegefall werden – für solche Eventualitäten sollte ein gewisses Polster vorhanden sein. Wer den früheren Renteneinstieg nur mit Ach und Krach finanzieren kann, sollte sich die Sache also gut überlegen. Denn steigen werden die Einkünfte im Alter sicher nicht.

Quelle: ntv.de, ino

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