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Was ändert sich 2023 … … bei der Rente?

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Die Zukunft bleibt ungewiss. So viel ist sicher. Abgesehen davon stehen aber auch im neuen Jahr viele Neuerungen und Gesetze an. Diese Änderungen bei der Rente werden dann wichtig, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert.

Aktienrente weiterhin geplant

Die neue Bundesregierung will das Rentensystem umstellen, sodass die gesetzliche Rente künftig nicht mehr voll umlagefinanziert ist. Bisher zahlen die Jungen mit ihren Beiträgen die Renten der Alten. Weil es wegen des demografischen Wandels immer mehr Alte und weniger Junge gibt, droht diesem System der Kollaps. Deshalb soll in Zukunft die Altersvorsorge daher teilweise kapitalgedeckt sein. Dann soll ein Teil (mutmaßlich 2 bis 3 Prozent des Rentenbeitrags) automatisch in einen "dauerhafter Fonds" eingezahlt werden. Dieser soll dann von einer unabhängigen öffentlich-rechtlichen Stelle professionell verwaltet und global angelegt werden. Der Fonds soll für die Beitragszahler "dauerhaft eigentumsgeschützt sein", der Staat hat auf eingezahlte Beiträge laut den Plänen der Ampel-Koalition keinen Zugriff.

Der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung beträgt ab dem 1. Januar weiterhin 18,6 Prozent in der allgemeinen und 24,7 Prozent in der knappschaftlichen Rentenversicherung.

Altersgrenzen werden angehoben

Im Jahr 2012 startete die Anhebung des Renteneintrittsalters. Im Zuge der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters in der gesetzlichen Rentenversicherung ("Rente mit 67") steigen die Altersgrenzen um einen weiteren Monat. Versicherte, die 1956 beziehungsweise 1957 geboren sind und für die keine Vertrauensschutzregelungen gelten, erreichen die Regelaltersgrenze mit 65 Jahren und zehn Monaten beziehungsweise mit 65 Jahren und elf Monaten.

Für die folgenden Geburtsjahrgänge erhöht sich die Regelaltersgrenze zunächst um je einen weiteren Monat; ab 2024 wird die Altersgrenze beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1959 in 2-Monats-Schritten angehoben. Für Versicherte ab Jahrgang 1964 gilt dann die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.

Beitragsbemessungsgrenzen steigen

Die monatliche Beitragsbemessungsgrenze West steigt ab Januar 2021 von 7050 auf 7300 Euro (87.600 Euro jährlich). Im Osten steigt sie hingegen auf 7100 Euro im Monat (2020 6750 Euro); jährlich sind das 85.200 Euro. Bis zu diesen Einkommensgrenzen müssen Arbeitnehmer im nächsten Jahr Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung bezahlen.

In der knappschaftlichen Rentenversicherung West steigt die monatliche Beitragsbemessungsgrenze auf 8950 Euro im Monat (2022: 8650), jährlich sind das also 107.400 Euro. Im Osten steigt sie auf 8700 Euro im Monat - jährlich sind dies 104.400 Euro (2022: 8350 Euro).

Befristete Hinzuverdienstgrenze wird abgeschafft

Wer früher in Rente geht und sich etwas dazuverdient, musste bislang darauf achten, dass bestimmte Grenzen nicht überschritten wurden - ansonsten wäre die Rente gekürzt worden. Diese Hinzuverdienstgrenze wird 2023 vollständig abgeschafft. Bei einem Ruhestand ab 63 darf man künftig so viel neben der Rente verdienen, wie man möchte. Die Regelung betrifft Menschen, die mit 35 Beitragsjahren in Rente gehen, aber die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben.

Schon während der letzten beiden Corona-Jahre lag die Hinzuverdienstgrenze bei vorgezogenen Altersrenten deutlich höher als in den Jahren davor. Statt 6300 Euro durften Frührentner bis zu 46.060 Euro im Jahr dazuverdienen. Der Gesetzgeber will mit der vollständigen Aufhebung der Hinzuverdienstgrenze nun dem Fachkräftemangel begegnen und den Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand flexibler gestalten.

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Die Renten dürften auch im neuen Jahr um ein paar Prozent steigen.

(Foto: picture alliance / Fotostand)

Nicht abgeschafft wird die Hinzuverdienstgrenze hingegen für all diejenigen, die eine volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente beziehen. Allerdings wird die Hinzuverdienstgrenze für Erwerbsminderungsrentner erhöht. Bei voller Erwerbsminderungsrente wird sie von derzeit 6300 Euro auf 17.272,50 Euro angehoben. Wer nur teilweise erwerbsgemindert ist, muss seine Hinzuverdienstgrenze individuell durch die Rentenversicherung errechnen lassen. Die Grenze liegt 2022 aber mindestens bei 15.989,40 Euro pro Jahr. Dieser Wert soll 2023 ebenfalls steigen. Und zwar um mehr als das Doppelte auf 34.545 Euro.

Durchschnittsentgelt für Rentenpunkte

Das Durchschnittsentgelt in der Rentenversicherung, das zur Bestimmung der Entgeltpunkte im jeweiligen Kalenderjahr dient, wird für das Jahr 2023 vorläufig auf 43.142 Euro im Jahr (2022: 38.901 Euro) festgesetzt. Wie sich die Rente berechnet, lesen Sie hier.

Verbesserte Absicherung bei Erwerbsminderung

Wer in jüngeren Jahren vermindert erwerbsfähig wird, hat in der Regel noch keine ausreichenden Rentenanwartschaften aufbauen können. Damit die Versicherten dennoch eine angemessene Sicherung erhalten, werden Bezieher einer Erwerbsminderungsrente so gestellt, als hätten diese über den Eintritt der Erwerbsminderung hinaus so weitergearbeitet, wie zuvor (Zurechnungszeit). Die Zurechnungszeit wird in Anlehnung an die Anhebung der Regelaltersgrenze bis zum Jahr 2031 schrittweise bis auf 67 Jahre verlängert. Bei einem Beginn der Erwerbsminderungsrente im Jahr 2023 endet die Zurechnungszeit mit 66 Jahren.

Geplante Rentenerhöhung

Ab dem 1. Juli sollen die Renten voraussichtlich im Westen um 3,5 Prozent und im Osten um 4,2 Prozent steigen. So steht es im Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2022 der Bundesregierung. Die Anpassung soll für alle Altersrenten, für Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten, für gesetzliche Unfallrenten sowie für die Renten der Landwirte aus der landwirtschaftlichen Rentenkasse gelten.

Bleibt es bei der geschätzten Rentenerhöhung, steigt eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf Westbeiträgen beruht, somit zum 1. Juli 2023 um 35 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ostbeiträgen um 42 Euro. Die Rentenanpassung entscheidet sich endgültig wieder im nächsten Frühjahr, wenn die genauen Zahlen der Lohnstatistik vorliegen.

Rentenanpassung von Ost und West

Ebenfalls zum 1. Juli wird der nächste Schritt gemacht, um den Rentenwert Ost an den im Westen geltenden Rentenwert anzugleichen. Von derzeit 98,6 Prozent steigt der Ost-Rentenwert dann auf 99,3 Prozent des Westwerts. Zum 1. Juli 2024 wird er dann weiter um 0,7 Prozentpunkte angepasst, sodass dann die Rente in allen Bundesländern erstmals einheitlich berechnet wird. So sieht es das Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz vor, das zum 1. Juli 2018 den ersten Schritt zur Anpassung eingeläutet hatte. Im Gegenzug soll die jetzige höhere Bewertung der Löhne für die Rentenberechnung im Osten - ebenfalls in sieben Schritten - abgesenkt werden. Mit dieser höheren Bewertung wird derzeit bei der Berechnung der Renten ein Ausgleich dafür geschaffen, dass die Ostlöhne im Schnitt niedriger sind.

Der aktuelle Rentenwert bestimmt, wie viel monatliche Rente Versicherte erhalten, wenn sie für ein Kalenderjahr Beiträge aufgrund des Durchschnittseinkommens zahlen. Das heißt: Der aktuelle Rentenwert ist der in Euro ausgedrückte Wert eines Entgeltpunktes in der gesetzlichen Rentenversicherung, zurzeit sind das 36,02 Euro im Westen und 35,52 Euro im Osten. Um die Rentner regelmäßig an der Lohnentwicklung in Deutschland zu beteiligen, wird der aktuelle Rentenwert zum 1. Juli eines jeden Jahres entsprechend angepasst. Da die Durchschnittseinkommen im Osten bislang unter denen im Westen liegen, gibt es derzeit noch den aktuellen Rentenwert (Ost), der gemäß der Lohnentwicklung in Ostdeutschland angeglichen wird.

Steueranteil für Neurentner erhöht sich

Ab dem 1. Januar erhöht sich für im Jahr 2023 neu hinzukommende Rentnerjahrgänge der steuerpflichtige Rentenanteil von 82 auf 83 Prozent. Somit bleiben nur noch 17 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei, wie der Bund der Steuerzahler erklärt. Alle Renten, die im Jahr 2040 oder später beginnen, sind dann zu 100 Prozent zu versteuern. Bei den Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenbetrag bestehen. Rentner müssen seit 2005 einen Teil ihrer Altersbezüge versteuern. Der steuerfreie Freibetrag reduziert sich seitdem jährlich.

Hintergrund für die dynamische Rentenbesteuerung ist die Umstellung der Besteuerung auf ein nachgelagertes System. Das heißt, während des Erwerbslebens können die Beiträge zur Rentenversicherung steuerlich abgezogen und in der Auszahlungsphase muss die Rente versteuert werden.

Mehr zum Thema

Mindestbeitrag in der gesetzlichen Rentenversicherung

Wer im kommenden Jahr freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, kann jeden Betrag zwischen dem Mindestbeitrag von 96,72 Euro und dem Höchstbeitrag von 1357,80 Euro im Monat wählen. Wieso die Zahlung von freiwilligen Beiträgen sinnvoll sein kann, lesen Sie hier.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 02. Januar 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, awi

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