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Mountainbikes werden fast gar nicht mehr ungefedert angeboten.
Mountainbikes werden fast gar nicht mehr ungefedert angeboten.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 07. September 2018

Nachgeben ist manchmal besser: Fahrradfederungen im Überblick

Mehr Komfort, mehr Bodenhaftung: Federungen am Fahrrad machen das Sitzen im Sattel bequemer und sicherer. Die technischen Lösungen sind teils sehr komplex. Aber manchmal genügt schon geringerer Luftdruck.

Beim Auto ist sie eine Selbstverständlichkeit, beim Fahrrad eine Option: die Federung. Allerdings werden immer mehr Fahrräder - ob Trekking-, Cross- oder E-Bike - mit entsprechender Technik ausgerüstet. Federungen steigern den Fahrkomfort, machen das Radeln sicherer, sind aber teuer und erhöhen das Gewicht des Rades. Je nach Einsatzzweck und Radtyp können Federungen deshalb auch kontraproduktiv sein.

Im Gelände ist der Fall klar. Denn geht es über Wurzelwerk und Stein, wird die Fahrt angenehmer, wenn Erschütterungen abgefangen werden. "Mountainbikes werden fast gar nicht mehr ungefedert angeboten", sagt Stephan Behrendt, Fachreferent für Technikthemen beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Köln. "Eine gute Federung muss allerdings auch dämpfen, ansonsten macht das Rad zum Beispiel im Wiegetritt eine Auf-und-Ab-Bewegung wie ein Jo-Jo." Dämpfer fangen diese Federbewegung wieder ein.

Erste Versuche, Rahmenfederungen zu konstruieren, wurden bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts unternommen, doch erst in jüngerer Zeit reifte die Technik. "Rahmenfederungen sind technisch anspruchsvoll, es gab schon etliche Rückrufe wegen gebrochener Hinterradrahmen", sagt Behrendt.

Stand der Technik sind luftgefederte Gabeln

Heute meistverbreiteter Typ ist die Teleskopgabel mit Tauch- und Standrohren. Diese ineinander gesteckten Rohre verschieben sich dabei gegenläufig gegen einen Widerstand. Stand der Technik sind luftgefederte Gabeln. Durch Variieren des Luftdrucks mittels Hochdruckpumpe können sie je nach Fahrergewicht individuell eingestellt werden. "Manche Federgabeln können auch auf "lockout" gestellt werden, teils über einen Hebel am Lenker. Dann fahren sie sich wie Starrgabeln", sagt Behrendt. Wenn es im Wiegetritt einmal schneller voran gehen soll, versickert die Wadenkraft dann nicht im Federweg.

Während Mountainbikes üblicherweise Federwege zwischen 140 Millimeter bei Trail- und 200 Millimeter bei Downhill-Bikes bieten, seien es bei Trekking- und Tourenrädern meist zwischen 40 und 80 Millimeter, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f).

Das System erfordert ein bisschen Wartung: Die interne Schmierung muss in regelmäßigen Intervallen geprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Für eine Gabelinspektion verlangen Fachwerkstätten ab rund 40 Euro. Auch Hinterbaufederungen benötigen Zuwendung. Rock Shox, Marktführer von Federgabeln und Dämpfungssystemen für Hinterbaufederungen, empfiehlt für seine Federgabeln einen Öl- und Dichtungswechsel alle 100 Betriebsstunden. "Das dürfte für den Normalradler ungefähr einen Service pro Jahr bedeuten", sagt Koßmann.

Um dem Verschleiß vorzubeugen, kann der Radbesitzer die Gleitflächen der Federrohre mit lauwarmem Wasser und einem weichen, fusselfreien Tuch regelmäßig reinigen. "Das gilt umso mehr, wenn er oft auf staubigen Wegen unterwegs ist und nach dem Winter. Denn Schmutz und Streusalz greifen die Flächen an", sagt Koßmann.

Die Fahreigenschaften verbessern sich

Weniger Wartungsaufwand versprechen Federelemente mit sogenannten Elastomeren, sagt Behrendt. Elastomere sind verformbare Kunststoffelemente, die nach Erschütterungen ihre Ausgangsgestalt wieder annehmen. Zwischen Gabelkrone und Steuerrohr eingesetzt, verleihen sie auch Starrgabeln einen gewissen Federungskomfort. Zum Beispiel der niederländische Hersteller Koga setzt bei seinen Feathershock-Gabeln auf diese vergleichsweise leichtgewichtige Technik. Jedoch fallen die Federwege mit 35 Millimeter eher kurz aus.

Als Gegenleistung für erhöhte Kosten und Wartungsaufwände bekommt der Radler durch eine Federung mehr Traktion, die Fahreigenschaften verbessern sich. Das Schlüsselwort lautet Negativfederweg. Sitzt der Fahrer auf, tauchen die Federelemente schon im Stand durch das pure Körpergewicht ein Stück weit ein. Rollt das Rad über Löcher und Senken, federt das Rad blitzschnell wieder aus. "Auf diese Weise bleiben die Räder in Kontakt mit dem Boden", sagt Nikolaus Karlinský vom E-Bike-Hersteller HNF-Nicolai, der vollgefederte MTBs (sogenannte Fullys) im Programm hat, die neben Gabel- auch Hinterbaufederung bieten.

Für Mountainbikes kündigen sich auch Hightech-Lösungen an, die mehrere Tausend Euro kosten. Für 2019 hat der amerikanische Fahrwerksspezialist Fox ein elektronisches System entwickelt, das neben Sensoren an Gabel und Heck des Rades auch eine Rechnereinheit besitzt. Vollautomatisch und mehrere Hundert Mal in der Sekunde passt das batteriebetriebene System Federn und Dämpfer mittels Elektromagneten auf die Bodenbeschaffenheit an.

Sattelfederungen sind vor allem an Trekking- und Reiserädern, aber auch manchem Cityrad zu finden. An billigeren Rädern sind dabei meist Teleskopfederungen verbaut. Behrendt empfiehlt aber sogenannte Parallelogramm-Federungen: "Sie geben leicht schräg nach hinten und unten nach, sind aber teurer." Ab rund 150 Euro müsse man rechnen.

Eine weitere Stellschraube zu mehr Komfort ist es, den Luftdruck zu variieren. "Die Reifen sorgen, je nach Größe und Luftdruck, für die entscheidenden Fahreigenschaften eines Fahrrads bezüglich Komfort und Bodenhaftung", sagt Koßmann. Was sich für Rennräder mit ihren schmalen, prallen Pneus ausschließt, ist laut Behrendt vor allem bei Reise- und Alltagsrädern im Trend. Hier hat der ADFC-Referent beobachtet, dass immer mehr Hersteller auf breitere Reifen statt Federgabeln setzen.

Aus einem einfachen Grund: Denn wird Gepäck in der Nähe der Laufräder untergebracht, wie zum Beispiel im Falle von Lowrider-Gepäckträgern an der Gabel, ist die Funktion der Federung durch das erhöhte Gewicht stark eingeschränkt. Während die meisten Federgabeln deshalb erst gar keine Befestigungsmöglichkeit für Lowrider bieten, haben einige Hersteller spezielle Lowrider-Federgabeln im Angebot, die den Federungskomfort verbessern sollen.

Quelle: n-tv.de