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Warentest macht den Wassercheck "Mineralwasser ist überbewertet"

Mineralwasser ist nicht besser als Leitungswasser, das Flaschenschleppen kann man sich sparen. Vor allem Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos. Das sagt jedenfalls die Stiftung Warentest und empfiehlt statt teurer Flaschen die Marke "Rohrperle".

61 Cent kostet ein Liter Volvic, 54 Cent eine Flasche Gerolsteiner und für einen Liter "Quellbrunn" zahlt man bei Aldi 13 Cent. Wasser aus dem Hahn kostet hingegen einen halben Cent pro Liter – und es ist genauso gut wie teures Mineralwasser. Eine Studie der Stiftung Warentest bestätigt jetzt, was Freunde der "Rohrperle" schon lange vermutet haben: "Es ist genauso gesund wie Flaschenware, unschlagbar günstig und umweltschonend obendrein", sagte Hubertus Priums, der Vorstand der Stiftung bei der Vorstellung der Ergebnisse. Die Tester haben dafür Trinkwasser aus 28 Städten und Gemeinden – gezapft in den jeweiligen Rathäusern - sowie 30 stille Mineralwässer ins Labor geschickt.

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Für stilles Wasser muss man kein Geld ausgeben, sagt die Stiftung Warentest.

(Foto: imago/Olaf Döring)

Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, mehrmals täglich prüfen es die Wasserversorger auf Keime. Es gelten sogar deutlich mehr Vorschriften als für Mineralwasser, beispielsweise gibt es Grenzwerte für Uran oder Pestizide. Die Hightech-Analysemethoden im Test offenbarten zwar auch im Trinkwasser Spuren von Chemikalien, um die Gesundheit muss man sich aber keine Sorgen machen. Leitungswasser muss von so guter Qualität sein, dass man es sein Leben lang trinken kann, ohne davon krank zu werden. Auch in 5 der 30 stillen Mineralwässer fanden sich im Labor oberirdische Verunreinigungen, etwa von Pflanzenschutzmitteln und einem Süßstoff. Die Spuren sind gesundheitlich unbedenklich. Sie könnten aber darauf hinweisen, dass die Quellen nicht ausreichend geschützt sind, so die Tester.

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Wenn man Zweifel hat, ob die Hausrohre einwandfrei sind, kann man das Wasser untersuchen lassen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Einzig in teil- und unsanierten Altbauten im Norden und Osten Deutschlands ist das Leitungswasser mitunter mit Vorsicht zu genießen. Hier wurden teils noch bis in die 1970er-Jahre Bleirohre verbaut. Zwar sind Vermieter verpflichtet, die alten Rohre zu entfernen, wenn Grenzwerte überschritten werden, doch das ist noch nicht überall geschehen. Sicherheit bringt hier ein Wassertest durch den örtlichen Versorger.

Mineralien ja, aber welche?

Schwermetalle haben im Wasser nichts verloren, Mineralien sind hingegen gern gesehen. Bei Mineralwasser sind sie schon per definitionem enthalten, doch Kalzium, Magnesium oder Natrium können durchaus auch aus der Leitung sprudeln. Den höchsten Gesamtgehalt der getesteten Proben wies mit 786 Milligramm pro Liter das Leitungswasser aus dem Rathaus in Rinteln auf. Nur 8 der 30 natürlichen Mineralwässer im Test kamen auf mehr. Rinteln ist aber eine Ausnahme. Im Schnitt hatte das getestete Mineralwasser etwa doppelt so hohe Gesamtmineralstoffgehalte wie das Trinkwasser, wobei es auch beim Flaschenwasser große Unterschiede gibt. Jedes zweite enthielt ziemlich wenig Mineralstoffe.

"Entgegen dem Mythos ist das Mineralwasser meist keine wesentliche Mineralstoffquelle für den Menschen", sagte Stiftungs-Vorstand Primus. "Da bringt eine ausgewogene Ernährung viel mehr." Studienleiterin Birgit Rehlender ergänzt: "Um ernährungsphysiologisch einen Beitrag zur täglichen Mineralstoffversorgung leisten zu können, kommt es nicht auf die Gesamtgehalte an, sondern auf die einzelnen Mineralstoffe." Für einen laktoseintolerante Menschen kann beispielsweise ein Wasser mit hohem Kalziumgehalt sinnvoll sein. Viel Sulfat kann bei Verstopfung helfen. Dafür muss man dann aber auch ein Wasser wählen, in dem just diese Mineralien besonders konzentriert vorkommen.

Hart schmeckt besser

Viele Flaschenkäufer begründen ihre Wahl aber auch gar nicht mit der Gesundheit, sondern mit dem Geschmack. Hier gibt es in der Tat Unterschiede. So lassen Natrium und Chlorid ein Wasser salzig schmecken, viel Sulfat kann zu einer bitteren Note führen. Hartes Wasser mit viel Kalzium und Magnesium wird meist als wohlschmeckender empfunden, für Tee wird hingegen eher weiches Wasser empfohlen. Den Geschmack des Leitungswassers haben die Tester nicht geprüft, bei den Mineralwässern kamen die meisten "gut" weg, nur dreimal gab es ein "befriedigend", etwa weil das Wasser eine leichte Kunststoffnote aufwies.

Insgesamt waren zehn stille Mineralwässer im Test geschmacklich tadellos, frei von oberirdischen Verunreinigungen oder nennenswerten Mengen anderer kritischer Stoffe. Außerdem sind sie auch für Immunschwache geeignet und auf ihre Kennzeichnung ist Verlass. Die beiden günstigsten sind Celtic und Nestlé Pure Life für jeweils 33 Cent pro Liter.

Quelle: ntv.de, ino

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