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Privatversicherte unter 55 Jahren haben noch gute Chancen, in die GKV zurückzukehren.
Privatversicherte unter 55 Jahren haben noch gute Chancen, in die GKV zurückzukehren.(Foto: imago/Eibner)
Dienstag, 14. November 2017

Raus aus der PKV?: Neue Verdienstgrenzen erleichtern Wechsel

Von Isabell Noé

Privat versicherte Arbeitnehmer, die in die gesetzliche Krankenkasse zurückkehren wollen, haben es bald etwas leichter. Denn 2018 ändert sich die Versicherungspflichtgrenze. Auch für Selbständige gibt es Neuerungen.

Gesetzliche Krankenversicherung oder private? Wer mit einem Wechsel liebäugelt, findet im nächsten Jahr geänderte Bedingungen vor: Die Jahresarbeitsentgeltgrenzen steigen. Einige Privatversicherte können dann leichter in die GKV umsteigen. Für Kassenpatienten werden die Hürden für einen Wechsel in die private Krankenversicherung dagegen höher.

Bislang liegt die Versicherungspflichtgrenze bei einem Jahreseinkommen von brutto 57.600 Euro. Arbeitnehmern mit höheren Einkünften steht der Weg in die PKV offen, sie können aber auch freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. 2018 steigt die Grenze um 1800 Euro auf 59.400 Euro. Angestellte müssen also mehr verdienen, um sich für die private Krankenversicherung zu qualifizieren.

Bruttogehalt drücken

In den letzten Jahren ging die Bewegung aber ohnehin eher in die andere Richtung: Es sind mehr Mitglieder aus der PKV in die GKV gewandert als umgekehrt. Denn wer nicht mehr jung ist oder Familie hat, der stellt wahrscheinlich irgendwann fest, dass die gesetzliche Krankenversicherung durchaus ihre Vorteile hat. Beitragsexplosionen im Alter sind jedenfalls nicht zu befürchten und Kinder sowie gegebenenfalls auch Partner lassen sich kostenlos mitversichern. Wer deshalb in die gesetzliche Kasse zurückkehren will, der wird die höhere Versicherungspflichtgrenze womöglich begrüßen.

Voraussetzung für die Rückkehr ist, dass das Bruttogehalt unter dem Entgeltlimit liegt. Sprich: Wer 2018 weniger als 59.400 Euro verdienen wird, der darf wechseln, sofern er noch keine 55 Jahre alt ist. Boni oder Überstundenvergütungen bleiben dabei außen vor, Urlaubs- und Weihnachtsgeld zählen mit, wenn Arbeitnehmer darauf einen Anspruch haben.

Arbeitnehmer können natürlich gezielt ihr Gehalt senken, um wieder versicherungspflichtig zu werden, etwa indem sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Im Vertrag darf dann allerdings nicht stehen, dass die Änderung nur vorübergehend ist. Wenn Teilzeitarbeit keine Option ist, kommt vielleicht die Entgeltumwandlung über die betriebliche Altersvorsorge infrage. Dabei wird der Vorsorgebeitrag direkt vom Bruttoeinkommen abgezogen. Die Lösung hat Charme: Der Verdienst sinkt unter die entscheidende Grenze und der Angestellte sorgt gleichzeitig fürs Alter vor. 

Selbständige müssen aktiv werden

2018 ändert sich nicht nur die Versicherungspflichtgrenze, sondern auch die Beitragsbemessungsgrenze. Bleiben bislang Einkünfte über 52.200 Euro abgabenfrei, so greift die Beitragsbefreiung künftig erst ab 53.100 Euro. Wer gut verdient, muss also etwas mehr zahlen, bei Angestellten sind es etwa 65 Euro zusätzlich im Jahr.

Selbständige, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, werden aufgefordert, ihren Einkommensteuerbescheid vorzulegen – und das sollten sie auch tun, sonst zahlen sie eventuell mehr als sie müssten. Denn ab 2018 werden die Beiträge für Selbständige nur noch vorläufig auf Grundlage des letzten Einkommensteuerbescheids festgesetzt und später mit dem neuen Bescheid abgeglichen. Dann müssen die Versicherten entweder nachzahlen oder sie bekommen Geld zurück. Wird kein Nachweis vorgelegt, rechnet die Versicherung mit den Beitragsbemessungsgrenzen und man muss den Höchstbeitrag zahlen.

Quelle: n-tv.de

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