Ratgeber

Olivenöl, Bügeleisen, Schleifpapier Reparaturtipps für Böden

Es geht so schnell: Eine Tasse fliegt auf das Laminat, ein Steinchen unterm Schuh verkratzt das Parkett. Und dann? Den ganzen Boden austauschen? Nein, mit recht einfachen Mitteln lassen sich kleine Macken schnell ausbessern. Profis verraten hier ihre Tricks.

Wer mit hohen Schuhen übers Parkett stöckelt, stört mit dem Lärm schnell die Nachbarn. Foto: Daniel Naupold

Wer mit hohen Schuhen übers Parkett stöckelt, stört mit dem Lärm schnell die Nachbarn - und kann ungute Spuren hinterlassen.

(Foto: dpa)

Fußböden sind eigentlich robust. Aber nach Jahren in Gebrauch zeigen sich Abnutzungsspuren und mitunter kleine Schäden. Das Möbelrücken, heruntergefallene Gegenstände oder einfach Steinchen unter der Schuhsohle sorgen für die Dellen, Risse oder Kratzer. Aber deswegen muss man nicht den Belag abschleifen oder gar austauschen. Oft reichen ein paar einfache Reparaturtricks:

- Parkett: Für kleinere Schäden gibt es im Handel Reparatursets mit farbigen Wachsen. Erst mal die losen Holzteile entfernen und die Fläche reinigen, erklärt der Verband der Deutschen Parkettindustrie. Dann die Wachsstifte erwärmen und so lange mischen, bis die richtige Nuance entstanden ist. In den Kratzer füllen und mit dem Hobel Überstehendes abtragen. Die Stelle wird mit einem Vlies entfettet und mit dem Klarlackstift aus dem Set versiegelt. Nach etwa fünf Minuten ist der Lack getrocknet, dann mit einem Schleiftuch poliert. Mini-Kratzer lassen sich noch schneller beheben - mit Nagellack, erklärt die DIY-Academy in Köln. Die Stelle mit 240er-Schleifpapier anschleifen, den Staub wegwischen und mit dem klarem Lack versiegeln.

- Laminat: Laminat hat keine Laufschicht aus Massivholz. "Daher lässt sich im Falle einer größeren Reparatur hier nichts abschleifen", erklärt Anke Wöhler vom Verband der Europäischen Laminatfußbodenhersteller. Größere Verschleißspuren lassen sich nur durch den Austausch einzelner Paneele reparieren. Das heißt: Sockelleiste entfernen und im Falle von Klick-Laminat möglicherweise mehrere Paneele herausnehmen, um an die betroffene Stelle zu gelangen. Wöhler empfiehlt daher, beim Verlegen einige Paneele als Vorrat beiseite zulegen.

Olivenöl gegen Kratzer

Manche Risse und Kratzer lassen sich ebenfalls mit Spezial-Wachsen und Reparatur-Pasten retuschieren. "Wer nicht sicher ist, welcher Farbton passt, sollte ein Laminatstück von zu Hause mit in den Baumarkt nehmen und ausprobieren", rät Wöhler. Wachse und Pasten werden nach beiliegender Gebrauchsanleitung einfach mit einem Kunststoffschaber in die kaputte Stelle gedrückt. "Hat man keinen zur Hand, eignet sich auch ein Plastik-Kärtchen wie ein Autoscheibenkratzer." Überschüssige Füllung sofort abziehen. Dann die Masse eine Weile trocknen und aushärten lassen.

Kleine und oberflächliche Kratzer lassen sich einfach mit etwas Oliven- oder Babyöl kaschieren, erklärt Wöhler. Dazu den Boden erst leicht feucht abwischen, trocknen lassen und mit einem Tuch etwas Öl auf den schadhaften Stellen verreiben. Überschüssiges wegwischen.

- Teppich: Einen Augenblick nicht aufgepasst - und schwups, kippt das Glas mit dem Getränk auf den Teppich. Je eher der Fleck entfernt wird, desto besser sei das Ergebnis, sagt Sophia Gelderblom vom TFI-Institut für Bodensysteme in Aachen. Sie empfiehlt, flüssige Substanzen sofort mit einem saugfähigen Baumwolltuch aufzunehmen. Pastöses wie Ketchup oder Jogurt sollte man mit einem Löffel abkratzen. Anschließend mit einem lauwarm-feuchten Tuch den Fleck von außen nach innen wegtupfen. Dabei nicht kräftig reiben, betont die Expertin. Sonst verfilzen die Fasern. Den Vorgang so oft wiederholen, bis keine farbige Substanz mehr vom Tuch aufgenommen wird. Und dann kommt ein feuchtes Baumwolltuch über Nacht auf die Stelle, das Ganze mit Büchern beschweren – dann sollte der Fleck verschwinden.

Falls nicht, oder nicht rechtzeitig mit der Bekämpfung begonnen wurde, rät Gelderblom einen speziellen Fleckenentferner zu benutzen, am besten nach einer Produktberatung im Fachhandel. Bei Mitteln aus der Drogerie sollte man auf das richtige für das Fasermaterial achten - also Chemie- oder Naturfaser. Vorsicht ist bei Sisal oder Kokos geboten. Diese können schon auf Wasser empfindlich reagieren. "Am besten das Mittel erst mal an einer versteckten Stelle ausprobieren, um sicher zu gehen, dass keine Farbstoffe angegriffen werden."

Teppichshampoo, Schleifpapier und Repair-Stift

Laut der DIY-Academy lassen sich Kerzenwachs, Öl- und Fettflecken auch mit Lösch- oder Packpapier vom Teppich entfernen. Einfach mit einem Bügeleisen auf niedrigster Stufe so lange darüberfahren, bis das Papier das Fett aufgesaugt hat. Ist das Fett hartnäckig, kann ein Schwamm mit etwas Teppichshampoo helfen. Danach den Schaum mit einem sauberen Schwamm oder Tuch entfernen.

Bei einem Loch durch Zigarettenasche auf dem Teppich empfiehlt es sich, in kreisenden Bewegungen mit feinem Schleifpapier über die Stelle zu gehen. Bei tieferen Löchern sollte das Stück Teppich ersetzt werden. Dazu ein neues Stück über das alte legen und beide Lagen zusammen ausschneiden. Möglich ist auch, die Teile mit einem Locheisen auszustanzen. Das Ersatzstück kommt dann in Florrichtung mit doppelseitigem Klebeband oder Universalkleber in das Loch. Die Übergänge werden mit einer Rasierklinge bearbeitet.

- Linoleum und PVC-Böden: Bei Rissen in elastischen Fußböden, also Kunststoffbeläge wie Linoleum oder PVC, hilft ein spezieller Repair-Stift. "Der Lack des Stifts füllt den Riss wieder auf und macht ihn unsichtbar", erklärt Uwe Viebrock beim Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge in Münster.

Beim Herausschneiden von größeren beschädigten Stellen muss klar sein: Man sieht die Nahtkanten. Die Alternative, wenn auch die aufwendigere ist das Erneuern der gesamten Oberfläche, was am besten auch ein Profi übernimmt. "PVC-Designbeläge für die Wohnung besitzen eine circa 20 Mikrometer dicke PU-Nutzschicht aus Polyurethan, die man abschleifen kann", erklärt Viebrock. "Anschließend wird ein spezieller Zwei-Komponenten-Lack aufgetragen, so dass die Oberfläche wieder wie neu aussieht."

Quelle: n-tv.de, Evelyn Steinbach, dpa

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