Ratgeber

Weltweit streuen und kassieren Schwellenländer können Depot aufpeppen

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In China wurde nicht nur das Schwarzpulver erfunden, sondern das Land ist auch der Platzhirsch im MSCI Emerging Markets.

(Foto: imago/blickwinkel)

Geht es um Anlageempfehlungen an der Börse, fallen schnell drei Buchstaben: ETF. Doch der Markt ist groß und auch diese Anlage birgt Fallstricke. Was Verbraucher wissen sollten.

Sogenannte Schwellenländer gelten regelmäßig als die Wunderwaffe, um der eigenen Geldanlage richtig Schwung zu verleihen. Gerade jetzt, wo Sparkonten und Lebensversicherungen seit Jahren nur noch niedrige Zinsen abwerfen, sollen Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern zusätzliche Rendite bringen.

"Aktien aus sogenannten Emerging Markets muss man nicht unbedingt im Depot haben. Wer möchte, kann sie aber durchaus beimischen", sagt Yann Stoffel von der Stiftung Warentest. Allerdings sollten sich Anleger bewusst sein, dass eine Geldanlage in Schwellenländer nicht ohne Risiko ist.

In der Finanzbranche zählen je nach Definition China, Korea, Südafrika, Russland, die Türkei oder Brasilien zu den Schwellenländern. Das Argument der Schwellenländer-Enthusiasten geht so: Die Wirtschaft in diesen Ländern wächst viel schneller als die in reifen Industriestaaten wie den USA oder Deutschland. Daher seien diese Märkte für Investoren attraktiv.

Keine Garantie für rasantes Wachstum

"Das Wirtschaftswachstum schlägt sich nicht immer auf die Aktienkurse nieder", warnt allerdings Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Forschungsinstituts. Oftmals seien die Aktienmärkte der Länder weniger entwickelt, was zum Beispiel Transparenz und Recht betreffe. "Grundsätzlich ist eine Geldanlage in den sogenannten Emerging Markets um einiges riskanter als in Industrieländern", so Mayer.

Zur Vorsicht mahnt auch Stoffel. "Schwellenländer haben ein höheres Kursrisiko, die Schwankungen sind größer. Und auch politisch gibt es höhere Risiken."

Je nach Zeitraum: Hohe Rendite oder Schwankungen

Die Zahlen zeigen ein durchwachsenes Bild. Der Aktienindex MSCI Emerging Markets bildet die Entwicklung von mehr als 1000 Unternehmen aus 26 Ländern ab. Seit dem Jahr 2000 legte der Index für deutsche Anleger pro Jahr um knapp 7,8 Prozent zu. Der wichtige MSCI World, ein Index auf Unternehmen aus Industriestaaten, stieg im gleichen Zeitraum jährlich um vergleichsweise magere 4,3 Prozent, zeigen Daten des Finanzdienstleisters MSCI.

Ein Argument also für die Geldanlage in Schwellenländern. Schaut man allerdings auf andere Zeithorizonte, sind die Zahlen nicht mehr so beeindruckend. In den letzten zehn Jahren zum Beispiel war der MSCI World fast doppelt so stark wie der Index auf die Emerging Markets. In einzelnen Jahren rutschten die Schwellenländer sogar ins Minus, während der Welt-Index deutlich im Plus lag.

Allein die Chance auf eine höhere Rendite spricht also nicht für den Kauf von Aktien aus Schwellenländern. Denn hohe Rendite gibt es am Finanzmarkt nicht ohne hohes Risiko. Was aber noch für die Emerging Markets spricht, ist eine grundlegende Regel der Geldanlage: die Streuung des Risikos.

MSCI World umfasst nur 23 Länder

Wer bei seiner Geldanlage der Standard-Empfehlung der Finanzexperten für Kleinanleger folgt, kauft in der Regel einen Indexfonds, einen sogenannten ETF. Der soll in seiner Entwicklung einem Index folgen, der möglichst breit gestreut ist, also Aktien aus aller Welt zusammenfasst.

Zum Beispiel der MSCI World. Allerdings ist "weltweit" nicht ganz korrekt. Denn in dem Index stecken gut 1600 Aktien aus 23 Ländern. Darunter ist kein südamerikanisches, kein afrikanisches oder arabisches Land. Auch China zählt nicht dazu. Die Unternehmen stammen alle aus Industrieländern, den größten Anteil haben US-Unternehmen. In den vergangenen Jahren hat vor allem der Aktienmarkt der USA die Kursgewinne des MSCI World getrieben.

Doch die Entwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Kursentwicklung in der Zukunft, bemüht Mayer ein Börsensprichwort. "Wer weiß, wie lange es in Amerika noch so gut läuft wie zuletzt. Daher kann man schon Aktien aus den Schwellenländern dem Depot beimischen. Warum nicht in den chinesischen Onlinehändler Alibaba investieren, wenn man auch Aktien von Google und Amazon hat?" So sei das Risiko breiter gestreut.

Beimischung senkt Schwankungsrisiken

"Sind Aktien aus Schwellenländern im Depot nur beigemischt, relativiert sich auch die Gefahr von Schwankungen", sagt Stoffel von der Stiftung Warentest. Zwischen zehn und 30 Prozent kann der Anteil am Aktiendepot ausmachen, so der Rat.

Auch auf Aktien aus Schwellenländern gibt es günstige ETF, die einem Index folgen. "Die Aktien im Index werden nach verschiedenen Prinzipien ausgewählt. Das sorgt zum Beispiel dafür, dass verschiedene Länder und Branchen drinstecken", erklärt Mayer.

Selbstständig in einzelne Länder zu investieren ist dagegen nur etwas für Profis, warnt Mayer. "Die Emerging Markets sind keine einheitliche Klasse. Neben China zählen dazu beispielsweise auch Nigeria oder Südafrika. Einige Länder haben einen starken Schwerpunkt auf bestimmte Wirtschaftszweige. Um das beurteilen zu können, muss man sich auskennen."

Einzelne ETF kombinieren verschieden starke Länder

Am einfachsten ist es, einen der Indexfonds zu kaufen, die Industriestaaten mit Emerging Markets kombinieren. Stoffel empfiehlt ETF auf die Indizes MSCI All Country World, FTSE All World oder MSCI All Country World IMI. Der Anteil der Schwellenländer beträgt dabei gut zehn Prozent.

"Es spricht aber nichts gegen eine höhere Beimischung, schließlich ist der Anteil der Schwellenländer an der Weltwirtschaft deutlich größer", sagt der Experte. Dafür müssen Anleger selbst verschiedene Indexfonds kombinieren und die Gewichtung im Depot festlegen. Der Index MSCI Emerging Markets bildet ausschließlich Schwellenländer ab. Einen ETF darauf sollten Sparer für die richtige Depotmischung mit einem ETF auf den MSCI World ergänzen.

Quelle: n-tv.de, Annika Krempel, dpa