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Streit um Berufskrankheit Schwerhörig durch Büro-Lärm?

Die Tastaturen klappern, die Kollegen plappern, die Klimaanlage rauscht und wenn es ganz dumm läuft, brüllt auch noch der Chef. Mögliche Folge: Tinnitus. Doch reicht das für eine Anerkennung als Berufskrankheit?

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Bürolärm wird als Stressfaktor unterschätzt.

(Foto: imago/Indiapicture)

Dauerhafter Lärm macht krank. Doch die langjährige Arbeit in einem Großraumbüro verursacht auch dann nicht die Berufskrankheit "Lärmschwerhörigkeit", wenn sie mit Lärmeinwirkung durch Mitarbeiter, Klimaanlage, Kühlschrank und zeitweise Bauarbeiten verbunden ist. Denn der für die Anerkennung einer gerade durch die berufliche Tätigkeit verursachten Erkrankung erforderliche Dauerschallpegel wird in der Regel nicht erreicht. Dies hat das Landessozialgericht (LS) entschieden (Az.: L 6 U 4089/15).

In dem verhandelten Fall arbeitet ein 48-jähriger Ingenieur seit 15 Jahren in einem Großraumbüro. Er erkrankte an beiden Ohren an Tinnitus und einer leichten Hörminderung im Hochtonbereich und führte dies auf die jahrelange Lärmbelästigung an seinem Arbeitsplatz zurück.  Deshalb verlangte er von der Berufsgenossenschaft eine Anerkennung als Berufskrankheit und forderte zudem eine Entschädigung.

Nachdem der Ingenieur seinen Arbeitgeber über seine Vermutung informiert hatte, wurden Lärmmessungen in dem Großraumbüro vorgenommen, die aber lediglich eine Lärmbelastung zwischen 50 dB und 65 dB ergaben. Ein von der Berufsgenossenschaft beauftragter ärztlicher Sachverständiger kam zu dem Ergebnis, dass die Lärmbelastung viel zu gering sei, um die Erkrankung zu verursachen. Die vorliegende Hörminderung sei altersentsprechend nicht ungewöhnlich.

Außerdem würden in Deutschland 3 bis 4 Millionen Menschen unter Ohrgeräuschen leiden, die von unterschiedlichsten Ursachen herrührten. Gestützt auf dieses Gutachten lehnte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung einer Berufskrankheit ab. Dagegen wehrte sich der Mann mit einer Klage.

Ohne Erfolg. Das LS lehnte die Anerkennung der Erkrankung als Berufskrankheit ab. Demnach muss die berufliche Tätigkeit Ursache für den eingetretenen Gesundheitsschaden sein. Das konnte hier nicht nachgewiesen werden. Nach langjährigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien ist davon auszugehen, dass eine Lärmeinwirkung von mehr als 85 dB(A) als äquivalenter Dauerschallpegel bei einem Achtstundentag über viele Arbeitsjahre gehörschädigend ist. Dieser Wert wird am Arbeitsplatz des Ingenieurs bei Weitem nicht erreicht.

Quelle: n-tv.de, awi

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