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Gehaltsverhandlung extrem Sitzstreik im Chefbüro führt zu Kündigung

Der Chef will partout keine Gehaltserhöhung durchwinken. Also entschließt sich eine Frau, so lange im Büro des Abteilungsleiters zu bleiben, bis er endlich einlenkt. Doch die Strategie geht nach hinten los.

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Gehaltsverhandlungen auf die brachiale Art sind nicht besonders erfolgversprechend.

(Foto: imago/JOKER)

Gewerkschaftsmitgliedern bleibt bei Verhandlungen der Streik als letztes Mittel. Doch was machen Arbeitnehmer, die individuelle Gehaltssteigerungen durchsetzen wollen, wenn Argumente nicht mehr helfen? Eine Abteilungsleiterin aus Schleswig-Holstein setzte ebenfalls auf Streik – und kassierte dafür eine Kündigung. Zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht entschied. (Az.: 3 Sa 354/14)

Die 49-Jährige war seit 1992 in der Firma beschäftigt, zuletzt als Leiterin einer Abteilung mit 300 Mitarbeitern. Sie wurde nach Tarif bezahlt und war dabei in die höchste Entgeltgruppe eingestuft. Doch das reichte der Frau nicht, immer wieder forderte sie eine außertarifliche Bezahlung, immer wieder biss sie damit beim Niederlassungsleiter auf Granit. Irgendwann war die Frau die Sache leid: Als sie der Vorgesetzte nach einer erneuten Anfrage aufforderte, das Büro zu verlassen, blieb sie einfach da.

Der Chef verwies auf das Hausrecht, drohte mit Polizei und mit Kündigung, doch die Mitarbeiterin wollte erst gehen, wenn ihre Forderungen erfüllt worden seien. Vermittlungsversuche durch den Betriebsrat schlug sie aus und auch ihr Ehemann konnte sie nicht zum Gehen bewegen. Erst als nach drei Stunden die Polizei anrückte, gab sie auf. Am nächsten Tag schickte sie noch eine böse E-Mail über den Firmenverteiler, in der sie den Arbeitgeber unter anderem mit den Worten diskreditierte: "Wer solche Vorgesetzte hat, benötigt keine Feinde mehr." Über ihre eigene Aktion verlor sie dabei kein Wort.

Am gleichen Tag schickte die Firma eine fristlose Kündigung, hilfsweise auch noch eine ordentliche. Die Frau klagte daraufhin. Eine Abmahnung hätte in ihrem Fall ausgereicht. Schließlich sei sie seit 22 Jahren beschäftigt gewesen und habe sich in dieser Zeit nichts zuschulden kommen lassen.

Das berücksichtigte das Gericht auch, sah dann aber trotzdem genügend Gründe für eine Kündigung, wenn auch nicht für eine fristlose. Der Chef habe schließlich versucht, die Situation zu deeskalieren und mehrfach auf die drohende Kündigung hingewiesen. Als Vorgesetzte habe sie eine Vorbildfunktion. Und zuletzt habe auch die bewusst lückenhafte Darstellung in der E-Mail das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört. Allein durch eine Abmahnung sei das Vertrauensverhältnis nicht wieder herzustellen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Frau kann also noch Revision einlegen.  

Quelle: n-tv.de, ino

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