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Widerruf statt Kündigung So kommen Sie aus der Rürup-Rente raus

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Viele Solo-Selbstständige haben keine ausreichende Altersvorsorge.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Etliche Besitzer einer Rürup-Rente würden ihren Vertrag gerne loswerden - doch eine Kündigung ist nicht möglich. Manchmal bietet jedoch ein Widerruf Chancen. Ein Gerichtsurteil zeigt, dass Verträge mit schweren Formfehlern einen Widerruf ermöglichen. So kommen Versicherte an ihr Geld.

Viele Selbstständige haben zur Altersvorsorge eine Basis-Rente (Rürup-Rente) abgeschlossen, die nach ihrem Erfinder auch Rürup-Rente genannt wird. Doch hohe Kosten und niedrige Renditen sorgen dafür, dass die Wertentwicklung der Policen häufig zur Enttäuschung wird. Zudem gerät derzeit in der Corona-Krise mancher Selbstständige in Finanzprobleme und würde gerne seine Rücklagen anzapfen. Doch eine Rürup-Rente ist hier erbarmungslos: Weder ist eine Kündigung möglich, noch wird das angesparte Guthaben auf einen Schlag ausbezahlt. Erst bei Erreichen des Rentenalters sind monatliche Auszahlungen möglich.

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Roland Klaus arbeitet als freier Journalist in Frankfurt und ist Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf.

Doch es gibt einen Trick, wie Besitzer einer Rürup-Rente unter Umständen doch an ihr Geld kommen. Ein Widerruf beziehungsweise Widerspruch kann helfen. Dieser ist dann möglich, wenn der Vertrag Formfehler enthält, beispielsweise unklare oder fehlerhafte Informationen zum Widerrufsrecht. Dann beginnt nämlich die Widerrufsfrist nicht zu laufen. Der Widerruf kann auch Jahre nach Abschluss noch erfolgen und führt zur Rückabwicklung der Police. Ein aktuelles Urteil des OLG Köln (Az.: 20 U 103/20) zeigt, dass dies beispielsweise bei Verträgen der Generali (früher Aachen Münchener) der Fall ist.

Verträge zwischen 2005 und 2010 besonders häufig betroffen

In dem Fall ging es um eine fondsgebundene Rürup-Rente, die 2008 bei der Generali abgeschlossen wurde. Das Gericht urteilte nun, dass die Generali die Kundin nicht über die Abschluss- und Vertriebskosten informiert hatte. Aufgrund dieser Mängel fängt die Widerrufsfrist für den Abschluss der Basis-Rente/Rürup-Rente nicht zu laufen an.

Die Kundin konnte somit elf Jahre nach Beginn des Vertrags den Widerruf erklären. Dieser Widerruf ist für sie äußerst lukrativ. Denn sie erhält laut dem Urteil nicht nur den aktuellen Wert der Investmentfonds zurück - mehr als 11.000 Euro - sondern zusätzlich noch die Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe von gut 2000 Euro.

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Solche und ähnliche Fehler finden sich auch bei zahlreichen anderen Versicherungsgesellschaften. Am aussichtsreichsten sind dabei Verträge, die zwischen 2005 und 2010 abgeschlossen worden sind. Aber auch später unterzeichnete Policen können im Einzelfall noch fehlerhaft sein. Eine individuelle Prüfung durch spezialisierte Anwälte schafft hier Klarheit – beispielsweise kostenlos und unverbindlich bei der Interessengemeinschaft Widerruf. Neben Rürup-Renten kommen auch klassische Lebensversicherungen, Fondspolicen sowie Riester-Renten für einen Widerruf infrage.

Über den Autor: Roland Klaus arbeitet als freier Journalist in Frankfurt und ist Gründer der Interessengemeinschaft Widerruf. Bekannt wurde Klaus als Frankfurter Börsenreporter für ntv und den US-amerikanischen Finanzsender CNBC.

Quelle: ntv.de