Ratgeber
Wer rechtzeitig aktiv wird, kann mehr aus der Rente herausholen.
Wer rechtzeitig aktiv wird, kann mehr aus der Rente herausholen.(Foto: imago/allOver-MEV)
Mittwoch, 13. Dezember 2017

Tenhagens Tipps: So macht man mehr aus seiner Rente

Die gesetzliche Rentenversicherung hat nicht den besten Ruf. Dabei ist ihre Rendite keineswegs schlechter als die von privaten Rentenversicherern - zumindest im Moment. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, wie man das für die Altersvorsorge nutzen kann.

n-tv.de: Vor ein paar Jahren galt die gesetzliche Rentenversicherung vielen ja eher als lästige Pflicht denn als Renditeknüller. Das hat sich geändert. Warum?

Hermann-Josef Tenhagen: Erstens, weil man von privaten Versicherern ja derzeit nicht viel Rendite bekommt, wegen der Lage auf den Kapitalmärkten. Der Garantiezins bei einer klassischen Lebensversicherung liegt inzwischen nur noch bei 0,9 Prozent und der wird auch nur auf den Sparanteil gezahlt. Dazu kommen dann noch Überschussbeteiligungen, viel ist da aber auch nicht mehr zu erwarten, weil die Versicherer ja auch noch alte Verträge mit hohen Garantiezinsen bedienen müssen. Zweitens arbeiten die privaten Versicherer in der Rentenphase mit Sterbetafeln, nach denen die Leute steinalt werden. Die betreffen ja auch nur ihre Versicherten. In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es solche Sterbetafeln nicht. Da wird eben auf die Lebenserwartung aller Erwerbstätigen und Rentner geschaut. Die Auszahlungen, die die gesetzliche Rentenversicherung nach den Einzahlungen im Erwerbsleben vornimmt, sind höher. Dazu kommt die wirtschaftliche Entwicklung: Die Wirtschaft brummt, es arbeiten mehr Leute, die Gehälter steigen. Damit legen dann auch die Renten zu. Im Moment ist die gesetzliche Rentenversicherung also durchaus konkurrenzfähig.

Ist eine private Rentenversicherung dann überhaupt noch zu empfehlen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.

Ich würde heute keine private Rentenversicherung ohne staatliche Förderung mehr abschließen, weil die Renten, die in Aussicht stehen, zu niedrig sind. Wenn man die Riester-Förderung mitnimmt, mag das anders aussehen, aber ohne Zulagen würde ich das nicht machen.

Hinzu kommt: Die Prognosen der privaten Rentenversicherer sind auf jeden Fall mit Vorsicht zu genießen. Das Geld wird angelegt und vielleicht lässt sich noch für die nächsten 20 Jahre voraussehen, wie es sich entwickelt. Die Rentenvoraussagen werden aber für bis zu 50 Jahre in die Zukunft getroffen, das ist unrealistisch.  Bei der gesetzlichen Versicherung ist das ganze Modell anders aufgebaut. Da gibt es keine Rentenversprechen auf Jahrzehnte im Voraus. Im Umlagemodell steigt die Rente, wenn es der Gesellschaft wirtschaftlich gut geht. Wenn nicht, wird auch die Rente eher mau bleiben. Das Verfahren an sich ist ziemlich transparent. Was dabei dann am Ende rauskommt, weiß man aber natürlich auch nicht. 

Nun können sich Angestellte ja nicht aussuchen, was sie in die Rentenversicherung einzahlen. Sie teilen sich den Beitragssatz von derzeit 18,7 Prozent mit den Arbeitgebern. Wie lässt sich die Rente trotzdem erhöhen?

Eigentlich dürfen Pflichtversicherte keine zusätzlichen Einzahlungen leisten, um später mehr Rente zu bekommen. Aber für Angestellte, die aufs Rentenalter zugehen, gibt es ein ganz interessantes Schlupfloch: Wer früher in Rente gehen will, muss dafür ja normalerweise Abschläge in Kauf nehmen. Wenn man trotzdem die volle Rente möchte, kann man vorher Extrazahlungen leisten. Der Clou: Man kann sich das mit dem vorgezogenen Ausstieg auch kurzfristig anders überlegen. Wenn man dann doch bis zur Regelaltersgrenze arbeitet, kriegt man wegen der Sonderzahlungen eben mehr Rente heraus. Das Ganze ist eine ganz interessante Option, wenn man ausreichend Geld zur Verfügung hat, zum Beispiel aus Ersparnissen oder einer Lebensversicherung.

Und dann gibt es ja noch die Möglichkeit, sich freiwillig zu versichern, wenn man nicht versicherungspflichtig ist. Was ist da zu beachten?

Zunächst mal ist wichtig, zu wissen, dass es eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren gibt. Wer nicht so lange eingezahlt hat, bekommt auch keine Rente. Angerechnet werden aber auch Zeiten, in denen man Kinder großgezogen oder Angehörige gepflegt hat. Wenn auf diese Weise Ansprüche entstanden sind, kann man freiwillige Beiträge leisten, um die Mindestversicherungszeit zu erreichen. Klassischerweise kommt das für Mütter infrage, die vielleicht nie eingezahlt haben, aber pro Kind zwei oder drei Rentenjahre angerechnet bekommen, je nach Geburtsjahr. Für die ist es ganz attraktiv, sich durch freiwillige Zahlungen eine Rente zu sichern. Zumal sie so ja auch an andere Leistungen kommen, die an die gesetzliche Rentenversicherung gekoppelt sind, zum Beispiel Rehaleistungen. 

Was ist mit Selbständigen?

Die können sich freiwillig versichern und dürfen dann auch selbst bestimmen, wie viel sie einzahlen. Für jeden Monat können es zwischen 84 Euro und 1187 Euro sein, also maximal  14.244 Euro im Jahr. Nach fünf Jahren haben sie dann auch gesicherte Ansprüche auf eine Alters- und Hinterbliebenenrente. Als Alternative zu einer privaten Rentenversicherung ist das auf jeden Fall eine Überlegung wert. Man kann ja zur Rentenversicherung gehen und nachfragen, was rauskäme, und das dann vergleichen mit dem, was eine private Rentenversicherung bezahlen würde. Wichtig ist dabei, auch aufzupassen, ob diese Rentenhöhe für das eingezahlte Geld, der sogenannte Rentenfaktor, auch garantiert ist.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de