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Die Wohin-mit-dem-Geld-Frage Wann zündet der Megatrend Wasserstoff?

Wasserstoff boomt.

(Foto: Ole Spata/dpa/Archivbild)

Im Bereich Wasserstoff entsteht derzeit ein milliardenschwerer Wachstumsmarkt. Bei entsprechenden Investments gilt es für Anleger, einige Besonderheiten zu beachten.

RWE ist dabei, Siemens Energy und Linde sowieso, aber auch Alstom und Airbus: Das sind nur ein paar wenige große Konzerne, die beim Megatrend Wasserstoff entscheidend mitmischen wollen. Für die Industrie steht fest, dass der alternativen Energie die Zukunft gehört und gerade ein auf Jahre wachsender Milliarden-Markt entsteht.

Gleichzeitig ist das Thema Wasserstoff extrem vielschichtig. Die Subbereiche umfassen unter anderem die Produktion, die dafür notwendige Technologie und die Verwendung. Bei der Herstellung unterscheidet man grauen, blauen, türkisen und grünen Wasserstoff. Grauer Wasserstoff entsteht durch die Aufspaltung von Erdgas in Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2). Doch gerade die Emission von CO2 soll ja nicht erhöht, sondern reduziert werden. Richtig gelöst wird die Umweltproblematik auch nicht bei der Produktion von blauem und türkisen Wasserstoff, bei der das Treibhausgas gespeichert wird. Unter ökologischen Gesichtspunkten macht nur grüner Wasserstoff wirklich Sinn. Hier wird Wasser mit Strom, am besten mit grünem, in Wasser- und Sauerstoff aufgespalten.

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Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Der so gewonnene Energieträger lässt sich in ganz unterschiedlichen Bereichen einsetzen - zum Beispiel bei der Produktion von "grünem" Stahl, bei dessen Herstellung kaum oder bestenfalls gar kein CO2 in die Luft geblasen wird. Auch andere energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie sind für grünen Wasserstoff gut geeignet.

Umweltfreundlicher Bahnverkehr

Ein weiterer zukunftsträchtiger Anwendungsbereich ist der Transportsektor. In Deutschland ist beispielsweise rund ein Drittel des Eisenbahnnetzes nicht mit elektrischen Leitungen ausgestattet. Hier fahren noch immer Dieselloks und verpesten die Umwelt. Da sind Brennstoffzellenzüge eine echte Alternative. Diese sind zwar bei der Anschaffung teurer als Dieselzüge, dafür aber im Unterhalt deutlich günstiger.

Der französische Bahntechnik-Konzern Alstom hat schon vor Jahren in Salzgitter einen mit Wasserstoff angetriebenen Regionalzug als Pilotprojekt gebaut. In diesem Jahr will Alstom die Serienfertigung starten. Es gibt schon die ersten Vorbestellungen. Auch der deutsche Siemens-Konzern ist an dem Thema dran. Perspektivisch lässt sich auch der Flugverkehr durch den Einsatz von Wasserstoff-Antrieben umweltverträglich umbauen. Unter anderem Airbus arbeitet an dem Thema. Das ist allerdings technologisch sehr viel anspruchsvoller als bei Eisenbahnzügen.

Siemens Energy und Siemens Gamesa wollen zusammen eine Anlage bauen, bei der ein Elektrolyseur (von Siemens Energy) direkt in eine Offshore-Windkraftanlage (von Siemens Gamesa) integriert ist, die dann grünen Wasserstoff produziert. Christian Bruch, der Chef von Siemens Energy, meint, dass Wasserstoff für sein Unternehmen ein Milliardengeschäft werden könne. Auch Stromversorger wie RWE und Uniper wollen in das Geschäft mit grünem Wasserstoff einsteigen. Zum Thema Wasserstoff gehört außerdem noch der Transport des Energieträgers selbst, entweder in Gaspipelines oder runtergekühlt und verflüssigt in speziellen Containern.

Verschiedene Staaten wie Deutschland subventionieren den Einstig in den Megatrend Wasserstoff mit Milliarden-Summen. Gleichzeitig rechnen Experten damit, dass die private Wirtschaft in den kommenden Jahren mehrere Hundert Milliarden Euro in die Technologie investiert.

Blaupause Windenergie

Wind- und Solarparks haben bereits gezeigt, dass neue alternative Energien herkömmlichen Energie-Rohstoffen wie Kohle, Öl oder Gas in einem vergleichsweise überschaubaren Zeitraum den Rang ablaufen können. Deutschland produziert mittlerweile mehr Wind- und Solar- als Kohlestrom. Eine ähnliche Entwicklung könnte sich jetzt bei Wasserstoff wiederholen.

In den zurückliegenden Monaten haben die Anleger rund um den Globus Aktien regelrecht nach oben getrieben, die etwas mit alternativen Energien zu tun haben - auch sogenannte Wasserstoffaktien. Ein Problem ist, dass Unternehmen, die ganz überwiegend oder sogar ausschließlich ihr Geld auf irgendeine Weise mit Wasserstoff verdienen, meistens noch relativ klein sind. Entsprechend schwankungsanfällig sind ihre Aktienkurse. Anleger sollten daher auch Konzerne in Betracht ziehen, bei denen Wasserstoff noch über keine große, aber eine wachsende Bedeutung verfügt. Dabei gilt es, die gesamte Produktionskette abzudecken, also von der Herstellung bis zu Verwendung.

Aufgrund des noch kleinen Marktes und der damit verbundenen Schwankungsanfälligkeit sind Wasserstoffaktien wohl weniger als Kerninvestment, sondern eher als kleinere Beimischung zu empfehlen. Generell sollten Anleger derzeit eine höhere Quote an Sachwerten halten als in der Vergangenheit. Grund sind die dauerhaft niedrigen Zinsen, wodurch mit Anleihen oder dem Sparbuch schon länger kein Geld mehr zu verdienen ist.

Zu den Sachwertanlagen gehören vor allem Aktien und Gold. Immobilien sollten außerhalb von Wertpapieren gehalten werden, da sie sich nicht so schnell veräußern lassen. Die Aktien sollten global gestreut werden, wobei vor allem die USA und China zu berücksichtigen sind.

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Bezogen auf die Branchen sind die aktuellen Megatrends für Investoren interessant. Aber auch im vergangenen Jahr ungeliebte zyklische Werte erleben seit November eine Renaissance und sollten bei der Auswahl Berücksichtigung finden. Denn weltweit erholt sich die Konjunktur, wovon vor allem diese Titel profitieren. Außerdem sollten Anleger ausreichend Cash halten. Dadurch begrenzen sie zum einen das Risiko möglicher Verluste an den Aktienmärkten. Zum anderen haben sie dann noch die Möglichkeit nachzukaufen, wenn es tatsächlich zu einer Korrektur kommt.

Über den Autor: Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Quelle: ntv.de

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