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Tenhagens Tipps Was bringen die neuen Stromzähler?

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In den nächsten Jahren werden die alten Stromzähler ausgetauscht. Wann es so weit ist, erfahren die Betroffenen spätestens drei Monate vorher.

(Foto: imago/blickwinkel)

Noch drehen sich die Rädchen in den Stromzählkästen. Doch in den nächsten Jahren wird damit Schluss sein. Dann bekommen alle Haushalte digitale Stromzähler. Was sich für Verbraucher dadurch ändert? Erstmal nur die Stromrechnung, erklärt Finanztip-Chef Tenhagen.

n-tv.de: Bis 2032 müssen in allen Haushalten Smartmeter installiert sein. Was können denn die digitalen Stromzähler, was normale nicht können? 

Hermann-Josef Tenhagen: Noch gar nicht so viel. Haushalte mit bis zu 6000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr bekommen eine sogenannte moderne Messeinrichtung. Die misst eben den Stromverbrauch und die Haushalte können das am Rechner nachvollziehen. Neu ist, dass die Geräte digital sind. Das lässt einige Möglichkeiten offen, wenn die Zähler irgendwann in ein Kommunikationsnetz eingebunden sind. Hinter den intelligenten Zählern steckt ja die Idee, dass man das Netz digital managen kann, so dass man weniger Lastspitzen hat.

Könnte das Smartmeter dann also die Waschmaschine einschalten?

Theoretisch könnte es das irgendwann. Voraussetzung ist, dass die Waschmaschine in ein Smart-Home-Konzept eingebunden ist. Dann könnte der Netzbetreiber ein Signal senden, wenn die Auslastung gerade niedrig ist und dann geht die Waschmaschine eben vielleicht um drei Uhr nachts an. Als Anreiz müsste der Strom dann natürlich auch billiger sein. Aber schätzungsweise werden die Auswirkungen auf die Strompreise nicht so gigantisch sein.

Und was ist mit den Haushalten mit über 6000 Kilowattstunden?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Die sollen intelligente Messsysteme bekommen. Das Gleiche gilt für Häuser mit Photovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerken mit über sieben Kilowatt Leistung. Intelligent heißt in dem Fall, dass der Netzbetreiber im Notfall steuernd eingreifen kann, wenn zu viel Strom ins Netz fließt. Diese Messsysteme sind dann auch ziemlich teuer und können bis zu 100 Euro Gebühren im Jahr kosten. Bisher ist aber noch keins von diesen Geräten so lizensiert, dass es tatsächlich eingebaut werden dürfte. Es fehlen noch Genehmigungen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Kosten die intelligenten Stromzähler auch was?

Ja. Auch für die bisherigen analogen Zähler gibt es Messgebühren, die sollte man in der Stromrechnung finden. Das ist aber in der Regel um einiges weniger als das, was dann für die Smartmeter-Messung fällig wird. Dafür können die Messstellenbetreiber dann bis zu 20 Euro im Jahr verlangen und diesen Rahmen reizen sie im Moment auch aus. Der Messstellenbetreiber ist derzeit im Regelfall der Netzbetreiber. Künftig sollen sich aber auch Unternehmen ohne Stromnetz um die Rolle als grundzuständiger Messstellenbetreiber bewerben können. Da könnten die Preise dann in Bewegung geraten. Außerdem sollen die Haushalte ihren Betreiber selbst wählen können. Ich kann mir allerdings nicht so richtig vorstellen, dass jemand wegen fünf Euro mehr oder weniger im Jahr den Dienstleister wechselt. Sucht man sich dagegen einen neuen Stromanbieter, sind schon heute einige 100 Euro Ersparnis drin.

Muss man für den Einbau extra zahlen?

Nein. Über das jährliche Entgelt werden die Kosten für den Einbau mit gedeckt. Der Stromzähler selbst wird dann sozusagen kostenlos eingebaut. Das sollte dann auch beim Wechsel auf Smartmeter so bleiben.        

Wann muss man denn mit dem Austausch rechnen?

In den nächsten Jahren, so genau kann man das aber nicht sagen. Bis Mitte 2020 müssen 10 Prozent der Zähler ausgetauscht sein, 95 Prozent bis 2032. Das gilt für die modernen Zähler genauso wie für die intelligenten Messsysteme für die größeren Anlagen. Das Ganze ist ja auch im Kontext der Energiewende-Überlegungen zu sehen. Je besser die Produktion und die Verbräuche gemanagt werden können, desto weniger große Leitungen müssen gebaut werden. Aber erstmal muss das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Messsysteme zertifizieren. Solange nicht mindestens drei Geräte von drei unterschiedlichen Herstellern freigegeben sind, kann die Umrüstung nicht beginnen.

Sind die neuen Zähler denn sicher? Gerade wurde ja eine Studie aus den Niederlanden veröffentlicht, die nicht gerade vielversprechend war.

Für die Messsysteme der größeren Anlagen gibt es ein sogenanntes Smart Meter Gateway, das den Zähler sicher ins Kommunikationsnetz einbinden soll. Zugriff darauf hat nur der Messstellenbetreiber. Verbraucherschützer fürchten aber trotzdem, dass die intelligenten Messgeräte von Hackern manipuliert werden könnten und dass die Daten nicht so sicher sind.

Die Studie, die Sie meinen, kommt von der Universität Twente Enschede. Da haben die Forscher bei einigen Geräten Abweichungen von über 500 Prozent bei den Verbrauchsmessungen festgestellt. Für Deutschland hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt aber Entwarnung gegeben. Die getesteten Geräte stammten aus den Jahren 2004 bis 2014, waren also schon steinalt. Die Smartmeter hierzulande müssen viel strengere Kriterien erfüllen. Zumindest über Fehlmessungen muss man sich also keine Gedanken machen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

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Quelle: n-tv.de

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