Ratgeber

Mit "falscher Hand" gefertigt Welches Testament gilt?

80275270_lay.jpg

Für die Erstellung eines Testaments gelten klare Regeln.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Testament muss handschriftlich verfasst werden. Doch was, wenn der Erblasser gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, mit der gewohnten Hand zu schreiben? Darf er dann auch statt der rechten Hand die linke Hand nutzen? Ein Urteil gibt Aufschluss.

Ein handschriftliches Testament kann auch gelten, wenn der Erblasser es nicht mit der gewohnten Hand verfasst hat. Das geht aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln hervor (Az.: 2 Wx 149/17).

Entscheidend ist, ob es glaubhaft ist, dass das Schriftstück tatsächlich vom Erblasser geschrieben wurde. Das Schriftbild muss dabei nicht notwendigerweise unregelmäßig sein. Denn es gibt Menschen, die mit ihrer schreibungewohnten Hand ein regelmäßiges Schriftbild erzeugen können.

In dem Fall ging es um den Nachlass eines Mannes, der kurz vor seinem Tod an Lähmungen am rechten Arm litt. Dem Nachlassgericht wurden zwei als Testament überschriebene und mit dem Namen des Erblassers unterzeichnete Schriftstücke vorgelegt, von denen eines die Nachbarn und das andere und das andere einen Verwandten des Verstorbenen als Erben bezeichnete. Beide Seiten beantragten die Erteilung eines Erbscheins jeweils zu ihren Gunsten. Die Geschwister des Verstorbenen machten hingegen geltend, dass beide Testamente unecht seien und dass sie aufgrund gesetzlicher Erbfolge zu Erben berufen seien.

Den Erbschein bekamen schließlich die Nachbarn. Für die Gerichte stand fest, dass das die Nachbarn begünstigende Testament den gültigen letzten Willen des Erblassers beinhaltet. Wegen der Lähmung der rechten Hand sei dieses zwar mit der linken Hand geschrieben worden. Ein Zeuge habe aber glaubhaft bestätigt, bei der Abfassung des Testaments dabei gewesen zu sein. Das Argument der Gegenseite, wonach ein mit einer schreibungewohnten Hand geschriebenes Testament wesentlich unregelmäßiger aussehen müsste, blieb vor diesem Hintergrund ohne Erfolg. Denn es gibt Menschen, die mit ihrer schreibungewohnten Hand ein regelmäßiges Schriftbild erzeugen können.

Das andere Testament, nach dem ein Verwandter als Erbe eingesetzt werden sollten, stammte dagegen wohl nicht vom Erblasser. Es war ohne Absender beim Nachlassgericht eingegangen und ausweislich seines Datums später erstellt worden. Es konnte aber schon aufgrund des Schriftbildes nicht vom Erblasser stammen. Wer dieses Testament gefälscht hatte, konnte im Nachlassverfahren nicht geklärt werden, war aber auch für die Entscheidung ohne Bedeutung.

Hier eine günstige Rechtsschutzversicherung finden   

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

Mehr zum Thema