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Tenhagens Tipps Wenn das Girokonto 239 Euro kostet

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Gebühren für eine Bankkarte, die Kreditkarte, Überweisungen in Papierform, Gebühren fürs Fremdabheben bei anderen Geldinstituten oder aber Fremdwährungsgebühren können das Konto teuer machen.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Die Finanzkrise ist lange her. Damals mussten Banken mit Steuergeld gerettet werden. Als Langzeitfolgen des Desasters gibt es nun noch steigende Kontogebühren für Verbraucher oben drauf. Zeit also, zu wechseln? "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sagt, was zu beachten ist.

n-tv.de: Wie verdienen Banken eigentlich Geld?

Hermann-Josef Tenhagen: Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten für eine Bank Geld zu verdienen. 1) Sie verleiht es teurer, als sie es geliehen bekommt 2) Sie nimmt Gebühren für ihre Dienstleistungen 3) Sie bekommt Provision, weil sie den Leuten irgendetwas verkauft. Egal, ob dies sinnvoll ist oder nicht.

Apropos Gebühren, bei vielen Girokonten steigen diese ja. Wie teuer ist denn das teuerste Girokonto? 

Wir sind bei unserer Recherche auf die Volksbank Paderborn gestoßen, hier kostet unser Musterkonto (dieses basiert auf einer recht typischen Annahme, wie der Kunde das Konto nutzt pro Jahr 239 Euro. Es geht auch deutlich günstiger, nämlich für 5,25 Euro. In diesem Fall bei der DKB und der Consorsbank. Bei denen verzichtet der  Kunde jedoch auf Filialen Aber es gibt auch bei der Volksbank Paderborn noch andere, günstigere Kontomodelle – insbesondere falls die Kunden  auf das Online-Banking umsteigen.

Wenn Banken damit werben, dass ein Konto gratis ist, heißt das aber noch nicht kostenlos, oder?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Gratis heißt meistens nur, dass die monatliche Grundgebühr nicht anfällt. Mitunter kommen dann doch noch diverse Gebühren oben drauf.

Was sind denn das für Gebühren?

Das können Gebühren für eine Bankkarte, die Kreditkarte, Überweisungen in Papierform, Gebühren fürs Fremdabheben bei anderen Geldinstituten oder aber Fremdwährungsgebühren sein. Die können dann fällig werden, wenn nicht innerhalb des Euroraumes bezahlt oder Geld abgehoben wird. Zum Beispiel in Polen oder Tschechien.

Wann sollte man denn die Bank wechseln?

Wer mit seiner Bank zufrieden ist, sollte zunächst mit ihr sprechen und fragen, ob es nicht auch ein preiswerteres Kontomodell gibt. Dies ist eigentlich immer der Fall. Wer aber unzufrieden ist und weg will, der kann nahe null kommen.

Die Bank muss jetzt beim Wechseln helfen, oder?

Ja. Es ist jetzt leichter, zu wechseln. Weil der Gesetzgeber (per Zahlungskontengesetz) dafür gesorgt hat, dass die neue von der alten Bank die Kontoauszüge der letzten 13 Monate anfordern muss, um dann die entsprechenden Daueraufträge einzurichten und bei Lastschriften und Überweisungen alle zu informieren. Der Kunde muss sich dann nicht darum kümmern, dass an jedem ersten des Monats die Miete auch vom neuen Konto gezahlt wird. Die Banken müssen die Daten innerhalb von zwei Wochen bearbeiten, das Verfahren gilt für jeden Kontowechsler, auch wenn kein Online-Konto besteht.

Daneben gibt es eine Reihe von Dienstleistern, die einen digitalen Kontowechselservice anbieten. Zum Beispiel bei der Berliner Sparkasse, den Sparda-Banken oder auch der Commerzbank. Meistens ist dies ein junges Online-Unternehmen, die heißen im Branchenjargon Fintech, welches dies für die Bank erledigt. Der Kunde kann hier die entsprechenden Angaben selbst online bearbeiten. Dadurch wird das Verfahren deutlich auf wenige Tage abgekürzt, oder gar auf Minuten – falls man der Werbung denn trauen kann. Das funktioniert auch, hat aber nicht die rechtliche Sicherheit wie bei der gesetzlichen Regelung. Hier muss nämlich die Bank haften, wenn Positionen übersehen worden sind und der Kunde dadurch in Zahlungsverzug gerät. Grundsätzlich empfehlen wir aber Verbrauchern immer, das alte und das neue Konto einige Zeit parallel laufen zu lassen.

Welche Girokonten empfehlen Sie denn?

Wir geben drei OnlineKonto-Empfehlungen. DKB (die hat auch noch einen vergleichswiese niedrigen Dispozins zu bieten), Comdirect (da kann man bei der Commerzbank auch ein paarmal kostenlos bar einzahlen) und Consorsbank. Bargeld gibt es bei allen drei Banken an vielen  Geldautomaten über die kostenlose Girocard oder Kreditkarte gebührenfrei.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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