Ratgeber

9000 Euro Schaden Wenn der Ast aufs Auto kracht

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Eigentümer müssen ihre Bäume auf abgestorbene Teile, Rindenverletzungen oder sichtbareren Pilzbefall in Augenschein nehmen.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Eigentum verpflichtet - insbesondere im Schadensfall. Hofft zumindest eine Frau, welche ihren Wagen an einer Wohnanlage geparkt hat und dieser durch einen Baum beschädigt wird. Wer tatsächlich für das Malheur aufkommen muss, hat ein Gericht zu entscheiden.

Grundsätzlich gilt, dass Eigentümer für den Gefahrenherd "Baum" auf ihren Grundstücken verantwortlich sind. Denn sie sind die Verkehrssicherungspflichtigen. Doch was ist zu tun, um dieser Pflicht nachzukommen und dadurch eine Haftung durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste zu umgehen?

Mit dieser Frage musste sich das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg beschäftigen (Az.: 12 U 7/17). In dem verhandelten Fall hatte eine Frau ihr Auto unter einer Rotbuche an einer Wohnanlage geparkt. Als sie zu ihrem Wagen zurückkehrte, hatte ein heruntergefallener Ast diesen beschädigt. Der Sachschaden betrug 9000 Euro. Daraufhin verlangte die Frau das Geld von der Hausverwaltung, die von den Eigentümern mit der Unterhaltung der Wohnanlage beauftragt worden war. Sie argumentierte, die Hausverwaltung habe den Baum nicht ausreichend untersucht und überwacht. Ein entsprechendes Gutachten ergab, dass die Rinde an einer Astgabelung länglich verdickt war, was ein Anzeichen für eine mögliche Instabilität ist. Die Frau war der Auffassung, die Hausverwaltung hätte deswegen fachmännischen Rat einholen müssen.

Das OLG beurteilte den Streit jedoch zu Gunsten der Hausverwaltung. Demnach muss der Eigentümer eines Baumes zwar grundsätzlich dafür Sorge tragen, dass von dem Baum keine Gefahr ausgeht. Er muss daher auch die Bäume auf seinem Grundstück auf Schäden und Erkrankungen und auf ihre Standfestigkeit regelmäßig untersuchen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Baum im Bereich von Verkehrsflächen steht und damit potenziell andere Personen gefährdet.

Allerdings könne - im Gegensatz zu Städten und Gemeinden - von Privatpersonen nicht verlangt werden, dass sie ihre Bäume regelmäßig von qualifiziertem Personal darauf kontrollieren lassen, ob Anhaltspunkte für eine mögliche Gefährdung durch diesen vorliegen. Vielmehr kann hier nur eine gründliche Sichtprüfung auf auch für einen Laien erkennbare Probleme erwartet werden. Erst wenn solche ersichtlich seien, muss ein Baumfachmann hinzugezogen werden.

Dies war hier jedoch nicht der Fall, da die Instabilität des Baumes nicht von einem Laien zu erkennen gewesen ist. Die Frau blieb somit auf ihrem Schaden sitzen. 

Quelle: ntv.de, awi