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(Foto: dpa-tmn)
Dienstag, 06. März 2018

Tiergefahr verwirklicht : Wenn die Wundertüte Hund zubeißt

Wenn es um ihre Hunde geht, sind die Deutschen eigen. So werden Gefahren, die von den Vierbeinern ausgehen, manchmal einfach ausgeblendet. Geht das Tier grundlos in den Angriffsmodus über, ist Herrchen in der Haftung. Egal, welche Ausreden es parat hat.

Was für Autohalter die Betriebsgefahr, ist für Hundeigentümer die Tiergefahr. Beide eint die erhöhte Haftung für ihren "Liebling", auch wenn nicht per se ein eigenes Verschulden vorliegen muss.

In einem vor dem Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg verhandelten Fall, ging es um die Schadenersatzforderungen einer Frau, der vom Hund ihres Bekannten erhebliche Bisswunden beigebracht wurden.

Was war passiert? Die spätere Klägerin besuchte eine Geburtstagsfeier. Dort lief der Hund des Gastgebers frei herum. Dieser hatte sich das Tier drei Wochen vorher aus einem Tierheim in Rumänien mitgebracht. Als sich die Frau zu dem Hund herunterbeugte, biss ihr dieser ins Gesicht. Dabei erlitt sie Biss,- Riss- und Quetschwunden, die notärztlich behandelt und später mehrfach operiert werden mussten.

Die Geschädigte verklagte daraufhin ihren Bekannten auf Schadenersatz. Dieser lehnte jede Verantwortung ab. Die Frau hätte auf eigene Gefahr gehandelt und den Hund begrüßt. Dabei sei sie ausdrücklich darum gebeten worden, dem Hund kein Leckerli zu geben und ihn nicht anzufassen, argumentierte er. Zumindest treffe sie ein erhebliches Mitverschulden. 

Das sah das zuständige OLG jedoch anders (Az.: 9 U 48/17). Laut Urteil hat sich mit dem plötzlichen Biss des Hundes eine typische Tiergefahr verwirklicht. In einem solchen Fall müsse der Halter nur dann nicht haften, wenn sich jemand ohne triftigen Grund bewusst in eine Situation drohender Eigengefährdung begeben hat. Was im verhandelten Fall nicht festzustellen war. Denn die Frau hatte den Hund nicht gefüttert oder gestreichelt, sondern sich lediglich zu ihm heruntergebeugt. Was einem adäquaten Umgang mit dem Tier bedeutet hat.

Angesichts der Tatsache, dass der Hund auf der Feier frei herumgelaufen war, habe die Geschädigte nicht damit rechnen müssen, dass hierdurch bereits ein Beißreflex ausgelöst werde. Ein Gast dürfe bei einem freilaufenden Haustier nach Treu und Glauben damit rechnen, dass bei einem normalen Herunterbeugen zu einem Haustier dieses nicht bereits zu einem Angriff gereizt werde, befand das Gericht. Dem Opfer der Attacke ist somit keine Mitschuld zuzurechnen.    

Quelle: n-tv.de