Ratgeber

Homeoffice wegen Corona Wer zahlt eigentlich die Mehrkosten?

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Wenn der Arbeitgeber die Arbeit im Homeoffice anweist und die Bürogebäude wegen des Coronavirus schließt, steht dem Arbeitnehmer dort kein Arbeitsplatz mehr zur Verfügung.

(Foto: dpa)

Deutschland zeigt sich flexibel - die Corana-Krise macht's möglich. So lassen viele Betriebe, um weitere Ansteckungen zu unterbinden, ihre Mitarbeiter von zu Hause arbeiten. Stellt sich die Frage, was das die Mitarbeiter kostet und vor allem auch, wer dafür aufkommt.

Wer kann, ist angehalten, dieser Tage von daheim zu arbeiten, um eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus oder dessen Weitergabe zu vermeiden. Nun ist vom Beschäftigten Flexibilität und Improvisation gefragt, um Laptop, Computer und das Zuhause in Eigenregie zum Arbeitsplatz umzufunktionieren.

Da  fällt dann schon mal unter den Tisch, dass der Arbeitgeber eigentlich vertraglich dazu verpflichtet ist, dem Mitarbeiter den Heimarbeitsplatz komplett auszustatten: Computer oder Notebook mit Dockingstation, Bildschirm, Tastatur, Maus. Auch Schreibtisch und Bürostuhl können vertraglich vereinbart werden. Der Arbeitgeber muss sogar eigentlich darauf achten, dass alle Arbeitsschutzauflagen eingehalten werden - wie im Unternehmen selber. So dürfen keine Kabel quer im Zimmer liegen und es muss ein Raum mit Tageslicht vorhanden sein. So weit die Theorie. Dennoch: Deutschland packt an - nur eben von daheim.

Wie viel Strom kostet das Homeoffice?

Abgesehen davon erhöht das Homeoffice auch die Stromrechnung. Die Energieexperten von Verivox haben nachgerechnet, welche Kosten dafür anfallen. Wird nur ein Laptop als Arbeitsgerät genutzt, sind die Stromkosten niedrig: Pro Arbeitstag liegen sie bei lediglich 15 Cent. Bei einem herkömmlichen PC mit angeschlossenem Monitor ist der Stromverbrauch deutlich höher. Die Kosten liegen durchschnittlich bei rund 50 Cent pro Arbeitstag. Je nach Ausstattung und zusätzlich angeschlossenen Geräten können die Stromkosten noch höher sein.

Das Aufladen eines Smartphones belastet dagegen kaum den Geldbeutel. Wer sein Smartphone drei Stunden an der Steckdose hat, bezahlt gerade mal einen halben Cent. Wird zu Hause gekocht, statt sich wie sonst üblich in der Kantine zu verköstigen, kostet es den Mitarbeiter ein mittleres Kochfeld für eine Stunde auf höchster Leistung laufen zu lassen, knapp 50 Cent. Die zusätzlichen Stromkosten durch das Homeoffice dürften in der Regel bei unter einem Euro pro Arbeitstag liegen", sagt Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox.

Ungeachtet dessen, sind Verbraucher angesichts immer höherer Stromkosten gut beraten, den Stromversorger zu wechseln und so viel Geld zu sparen. So hat die Corona-Krise die Preise am Strommarkt  zwar um 17 Prozent einbrechen lassen, Verbraucher zahlen aber dennoch Rekordpreise.

Kann man Mehrkosten vom Arbeitgeber zurückfordern?

Wie beschrieben, ist eigentlich grundsätzlich der Arbeitgeber dafür zuständig, einen geeigneten funktionsgerechten Arbeitsplatz sowie die erforderlichen Arbeitsmittel für das Homeoffice zur Verfügung zu stellen, erklärt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht, gegenüber RTL. "Stellt der Arbeitgeber keine Arbeitsmittel zur Verfügung, besteht grundsätzlich ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Erstattung der mit der Einrichtung des Arbeitsplatzes verbundenen Kosten", so Görzel. Das Problem sei allerdings, dass es in der Realität oftmals kaum möglich sei, die tatsächlich entstandenen Kosten zu ermitteln.

Görzel hat aber einen Tipp: Der Arbeitnehmer erhält vom Arbeitgeber dafür, dass er seine privaten Arbeitsmittel zur Verfügung stellt, pauschal eine monatliche Aufwandsentschädigung. "Ich empfehle meinen Mandanten, eine monatliche Aufwandspauschale in Höhe von 50 Euro zu vereinbaren", so der Anwalt. Das geht einerseits über eine individuelle Vereinbarung. Das heißt, der Mitarbeiter wendet sich an seinen Arbeitsgeber mit der Bitte einer vertraglichen Zusatzvereinbarung, in der diese Pauschale schriftlich festgehalten wird. Andererseits kann, wer in einem größeren Unternehmen arbeitet, sich auch an den Betriebsrat wenden, damit dieser mit dem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung aushandelt.

Kann das Homeoffice von der Steuer abgesetzt werden?

In der Steuererklärung können im Jahr bis zu 1250 Euro für ein Arbeitszimmer geltend gemacht werden. Allerdings nur, wenn im Betrieb kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das Aufstellen eines Laptops am Esstisch reicht für den Werbungskostenabzug nicht aus. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, im Gästezimmer das Bett abzubauen und einen Schreibtisch aufzustellen, sodass die grundsätzlichen Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer erfüllt sind.

Als Werbungskosten können dann maximal 1250 Euro geltend gemacht werden. Der Höchstbetrag ist auch bei nicht ganzjähriger Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers in voller Höhe, also nicht zeitanteilig, zum Abzug zuzulassen. Wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der Tätigkeit bildet, können sogar Aufwendungen für das Arbeitszimmer in voller Höhe als Werbungskosten veranschlagt werden, wie Erich Nöll vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine sagt.

Alternativ kann sich der Heimarbeiter die mit dem Homeoffice einhergehenden Kosten etwa für Telefon, Internet und Büroartikel von Arbeitnehmer entweder 20 Prozent der jeweiligen Monatsabrechnung, aber maximal 20 Euro pro Monat pauschal steuerfrei erstatten lassen.

Quelle: ntv.de, awi