Fußball

Englische Klubs watschen ab Bundesliga crasht historisch in Königsklasse

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Mario Götze und Marco Reus - Sinnbilder des deutschen Fußballs?

(Foto: www.imago-images.de)

Erstmals seit 13 Jahren erreicht kein deutscher Fußballklub das Viertelfinale der Champions League. Der FC Bayern, Borussia Dortmund sowie der FC Schalke 04 scheitern kolossal an englischen Teams. Für Michael Ballack passt das zum Niedergang des deutschen Fußballs in den vergangenen Monaten.

Es war ein ungeregelter Dexit, die Briten haben keinen Deal gemacht. Ein Remis, fünf Pleiten, 3:17 Tore - das ist die deprimierende Bilanz der Fußball-Bundesligisten in den drei Achtelfinal-Duellen der Champions League mit den Klubs der englischen Premier League. Die deutsche Eliteklasse liegt am Boden, erstmals seit dem Jahr 2006 steht kein Verein in der Runde der besten Acht der Königsklasse. Das passt zur Gesamtentwicklung der vergangenen Monate.

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"Wir sind bei der WM zeitig ausgeschieden, in der Nations League abgestiegen. In der Champions League war für alle deutschen Mannschaften im Achtelfinale Schluss. Das ist ein Fingerzeig, dass wir nicht alles richtig machen", sagte der frühere Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack bei Sky und legte den Finger in die Wunde: "Wir dürfen die Dinge nicht schönreden."

Das hatten sich die Bosse der Deutschen Fußball Liga (DFL) vor exakt einem Monat, als sie den 14. Umsatzrekord in Folge (4,42 Milliarden Euro) verkündeten, noch ganz anders vorgestellt. "Das gemeinsame Ziel ist, die Nationalmannschaft und die Entwicklung des deutschen Fußballs wieder auf Weltniveau zu bringen", schrieb DFL-Präsident Reinhard Rauball im Vorwort des "Wirtschaftsreports 2019": "Auch nach dem wenig zufriedenstellenden Abschneiden der deutschen Teams in den internationalen Wettbewerben während der Saison 2017/18."

"Müssen Talente ausbilden"

Vom Weltniveau ist die deutsche Eliteklasse aber nach wie vor weit entfernt. Für Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus sind "Bundesliga und Champions League unterschiedliche Paar Schuhe". Eine einfache Erklärung dafür bieten die finanziellen Unterschiede. Gerade die Premier League kann mit ein paar Milliarden mehr als die Bundesliga um sich werfen.
DFL-Boss Christian Seifert prangerte deshalb zuletzt die Kommerz-Diskussion in Deutschland an. "Diejenigen, die am lautesten und radikalsten weniger Kommerz fordern", äußerte Seifert, wollten "den Zusammenhang zwischen nationaler Relevanz und internationaler Wettbewerbsfähigkeit einfach nicht wahrhaben."

Das Geld ist auch für Julian Nagelsmann der entscheidende Faktor. "Es ist natürlich nicht der Anspruch einer erfolgsverwöhnten Fußball-Republik, vor den interessanten Spielen raus zu sein", sagte der Coach der TSG Hoffenheim: "Aber so lange der 18. der Premier League 20 Millionen mehr Etat hat, wird es schwer mit der Chancengleichheit. Wir müssen Talente ausbilden. Es gibt keine andere realistische Alternative."

Manuel Neuer findet es "bitter"

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Hadert mit sich und dem Aus: Mats Hummels.

(Foto: dpa)

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Ajax Amsterdam und der FC Porto das Viertelfinale der Königsklasse erreicht haben. Beide Vereine stehen nicht im Verdacht, über mehr Geld als der FC Bayern München und Borussia Dortmund zu verfügen. Zudem können die Bundesligisten schon seit vielen Jahren finanziell nicht mit der Premier League, den beiden spanischen Topklubs (Real Madrid und FC Barcelona) oder Paris St. Germain mithalten. Dennoch fand der deutsche Fußball in der Vergangenheit Wege zum Erfolg - WM-Titel 2014, deutsches Königsklassen-Finale 2013.

Von diesen Wegen sind die Vereine wie die Nationalmannschaft abgekommen - auch wenn Manuel Neuer das so nicht wahrhaben will. "Es ist ja in Deutschland grundsätzlich so, dass das Bild oft negativ ist", sagte der Nationaltorhüter nach dem Aus der Bayern gegen den FC Liverpool: "Es ist einfach so, dass wir jetzt gegen die englischen Teams ausgeschieden sind. Das ist natürlich bitter, aber das müssen wir in Kauf nehmen."

Klopp erkennt Kluft der Ligen

Liverpools Teammanager Jürgen Klopp wollte dem kollektiven Aus der deutschen Mannschaften zwar "keine übergeordnete Bedeutung" beimessen, der Coach hat dennoch eine Kluft erkannt. "In der Premier League sind nicht alle Mannschaften besser als in der Bundesliga", sagte Klopp: "Aber es gibt nunmal sechs, sieben Mannschaften, die in jeder Liga der Welt vorne mitspielen würden. Das macht es ein bisschen speziell."

Noch spezieller könnte es in zwei Jahren werden. Wenn der Weltverband Fifa ab 2021 eine reformierte Klub-WM ausspielen lässt, kassieren die Teilnehmer Unsummen. Aus England werden einige Klubs dabei sein. Aus Deutschland kommen nach jetzigem Stand nur die Bayern sicher infrage.

Quelle: n-tv.de, Alexander Sarter, sid

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