Fußball

So läuft der 21. Spieltag Der FC Bayern erreicht das eigene Limit

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Können die Bayern gegen RB Leipzig ans Limit gehen und hinten sicherer stehen als im Pokal?

(Foto: imago images/Sven Simon)

Der FC Bayern will im Spitzenspiel gegen Leipzig die Tabellenführung ausbauen, während Borussia Dortmund nach dem Pokal-Aus auf Haaland und Wiedergutmachung hofft. Ein Orkan bedroht das Rheinderby, und Bremen und Union Berlin versuchen die höchste Euphoriewelle zu surfen.

Was macht der zu lässige Tabellenführer aus München?

Spitzenspiel! Platz eins gegen Platz zwei! Aufeinandertreffen der Offensiv-Kolosse! Da regiert nichts als Vorfreude auf die sonntagabendliche Partie (18 Uhr/alle Spiele im Liveticker bei ntv.de) in München, korrekt? Fehlanzeige! Wie schon gegen Mainz in der Bundesliga zeigte der FC Bayern beim Pokalsieg über Hoffenheim zwei Gesichter und ließ am Schluss das Spiel fast noch aus den Händen gleiten. Schoss zwar vier Tore, kassierte aber auch deren drei. Die Münchner wollten dies als Weckruf zur rechten Zeit verstehen. Joshua Kimmich analysierte, dass es immer dann nicht läuft, "wenn wir nicht am Limit stehen". Das dürfte den meisten Fußballern klar sein. Aber warum man in einem K.o.-Spiel so nachlässt und trotzdem so hoch steht wie gegen Hoffenheim, ist das ganz eigene Geheimnis des Rekordmeisters. Eine unglaublich schnelle Mannschaft wie RB Leipzig wird ein so lässiges Verhalten eiskalt ausnutzen. Gut für die Bayern, dass wohl die geschonten Thiago und Leon Goretzka die formschwachen Corentin Tolisso und Philippe Coutinho ersetzen werden, um dem Mittelfeld mehr Sicherheit und weniger Abspielfehler zu liefern. Und auf Robert Lewandowski (22 Tore) - und dieser Tage auch Thomas Müller - ist vor dem Tor eh immer Verlass.

Der zweitbeste Torjäger kommt dafür aus Leipzig und heißt Timo Werner. Im Pokal-Achtelfinale gegen Eintracht Frankfurt musste der Nationalspieler noch bis zur 61. Minute auf der Bank schmoren, da stand es bereits 0:2 aus seiner Sicht. Bei den Sachsen läuft es in den vergangenen Wochen einfach nicht mehr. Zwei Niederlagen in drei Spielen bei einem mageren Pünktchen lautet die Ausbeute. Die Tabellenführung ist futsch (mit einem Sieg wäre man wieder Erster) und der DFB-Pokal ebenfalls. "Momentan gelingen uns die Dinge nicht so, wie wir sie trainieren", sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem Pokal-Aus. Und ausgerechnet jetzt geht es in die Allianz-Arena, das Münchner Pflaster war für RB noch nie ein gutes. Alle drei Partien wurden dort vergeigt. Jeweils ohne eigenes Tor. Wenigstens das will Werner ändern. Tipp: Das gelingt dem Nationalspieler auch, die Bayern bauen trotzdem die Tabelleführung aus und gewinnen 2:1.

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Berappelt sich der BVB nach dem Pokal-Aus?

Auf die Niederlage im Pokal-Achtelfinale bei Werder Bremen folgte das große Dortmunder Schweigen. Kaum ein BVB-Profi wollte sich den Journalisten in den Katakomben stellen, in vereinzelten TV-Interviews ging es eher um den Schwalben-Tätlichkeit-Aufreger um Niklas Moisander und Giovanni Reyna als um die eigene mangelhafte Leistung. Auch Trainer Lucien Favre gab sich schmallippig. Vielleicht, weil er wusste, dass er seinen Anteil an der Niederlage hatte, indem er Torjäger Erling Haaland bis zur zweiten Halbzeit auf der Bank ließ? Nach den drei fulminanten Auftaktsiegen zur Rückrunde ist die Stimmung beim BVB nun wieder im Keller. Ein möglicher - und ehrlicherweise für den BVB der wahrscheinlichste - Titel der Saison ist schon mal weg. Sportdirektor Michael Zorc bezeichnete die Spieler als "lahmarschig". Und auch der in der Hinrunde mehrmals angezählte Favre muss schleunigst Ergebnisse liefern, denn die großen Spiele in Bundesliga und Champions League kommen erst noch.

Ob Haaland im Topspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen wieder 45 Minuten draußen schmoren muss? Trainer Favre erklärte, Außenstehende kennen Haalands "körperlichen Zustand nicht wie ich", und dass der Norweger wegen "alten, ehemaligen, kleinen Verletzungen" nicht in der ersten Elf stand. Alt und ehemalig sollten eigentlich auch die Fehler Dortmunds sein, die das Team in Bremen beging. Klein waren sie beileibe nicht: "Nicht gut in der Balleroberung, zu wenig Aggressivität" (O-Ton Favre) - das klingt fast nach einer Art Mentalitätsproblem (wer erinnert sich?). Leverkusen, nach einem glücklichen 2:1 über den VfB Stuttgart immerhin eine Runde weiter als der BVB im Pokal, könnte mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an die Schwarz-Gelben heranrücken und ihnen noch die Champions-League-Plätze streitig machen. Haaland, so er denn spielen darf, wird dies zu verhindern wissen und aufpassen, dass es nicht wieder zu "lahmarschig" zugeht. Nicht helfen kann Kapitän Marco Reus, der einen Monat verletzt ausfällt. Tipp: Trotzdem 2:3.

Wer gewinnt das 90. Rheinische Derby?

Zunächst wohl die Polizei. Mehrere Einsatzhundertschaften, Wasserwerfer, Hubschrauber - besser vorbereitet können auch Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln im Rheinderby (Sonntag, 15.30 Uhr) nicht sein. NRW-Züge und Bahnhöfe werden trocken gelegt, zumindest Glasflaschen und Getränkedosen sind von acht bis 21 Uhr verboten. Pyrotechnik natürlich sowieso. Die Bundespolizei wird stationiert, um zu sichern, dass alle Anhänger sich an die Maßnahmen halten. Die Chaos-Fans sind auf beiden Seiten gleich, sportlich haben die beiden Rhein-Klubs seit mehreren Jahren aber nicht mehr viel gemein. Die Fohlen bekleideten in der Hinrunde sogar die Tabellenspitze, während die Geißböcke ganz unten im Keller herumdümpelten. Schaut man sich allerdings die derzeitige Formkurve an, dann hat der Effzeh tatsächlich eine Chance auf den Derby-Sieg. Von den letzten sechs Bundesligapartien gewannen die Kölner fünf und verloren lediglich in Dortmund. Die Borussia sucht nach nur vier Punkten im neuen Jahr dafür noch nach dem Selbstverständnis der Hinrunde. Ein Sieg zuhause gegen den Erzrivalen ist Pflicht - um die eigenen Fans im mit 54.022 Zuschauern ausverkauften Borussia-Park nicht zu erzürnen, und um die Champions-League-Plätze nicht zu riskieren. Letztendlich könnte aber auch das Wetter gewinnen, das für zusätzliche Derby-Brisanz sorgt: Der Deutsche Wetterdienst erwartet Sturm- und sogar Orkanböen und so kann erst am Spieltag selbst geklärt werden, ob und wann angepfiffen wird. Tipp: Gladbach hat die Anhänger im Rücken und mehr Qualität als Köln, sollte der Wettergott gnädig sein, wird's ein hart umkämpftes 2:1.

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Welche Euphoriewelle ist höher?

Können Florian Kohfeldts Spieler die Euphorie aus dem Dortmund-Sieg in die Bundesliga mitnehmen? Nach seinem emotionalen Jubel zum Abpfiff gab sich der Werder-Coach schon direkt im Anschluss wieder sachlich-analytisch und erklärte die Partie gegen Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr) als "ganz anderes Spiel". Gegen den BVB sei man der "krasse Außenseiter gewesen" und hätte befreiter als sonst aufspielen können. Dennoch wüssten Mannschaft und Trainer nun, dass "der Fußball, den wir spielen wollen" noch zu Erfolg führen könne. Einer der Matchwinner vom Dienstag war Neuzugang Davie Selke. Der Torschütze verletzte sich allerdings am Hüftbeuger, und über seinen Einsatz am Samstag kann erst kurzfristig entschieden werden. Aber Bremen kennt sich mit Neu-Patienten im Lazarett dieser Saison ja fabelhaft aus.

Die Köpenicker kommen ihrerseits aber auch auf einer Euphoriewelle ins Weserstadion gesurft. Zum ersten Mal seit 2001 stehen die Eisernen wieder im Pokal-Viertelfinale nach dem Erfolg bei Favoritenschreck Verl. Damals ging die Reise sogar bis ins Heimfinale, jetzt will sich Cheftrainer Urs Fischer aber erstmal wieder dem Ziel Klassenerhalt widmen. "Die Zielsetzung Klassenerhalt ist seit Tag eins bei uns im Kopf, und solange es möglich ist, werden wir alles dafür tun." Pikant, dass es trotz der beiden Euphoriewellen nun zu einem Kellerduell kommt. Fischer warnt zurecht: "Werder Bremen ist bissig, sie werden den Schwung vom Sieg gegen Dortmund mit ins Spiel nehmen. Man hat in den Spielen zuvor gesehen, dass sie bereit sind, die Aufgabe, gegen den Abstieg zu spielen, anzunehmen." Tipp: Der nötige Wind ist ja schon gegeben, Werder surft höher und gewinnt knapp mit 2:1.

Und sonst so?

Eintracht Frankfurt - FC Augsburg (Freitag, 20.30 Uhr): 16 von 25 Punkten haben die Frankfurter gegen Teams aus den Top Sieben geholt. Aber gegen die "Kleinen" tun sie sich regelmäßig schwer. Zu diesen zählt auch der FCA, der ausgeruht zu den Hessen reist, die unter der Woche Leipzig aus dem Pokal kegelten. Die bayerischen Schwaben sind sogar so etwas wie ein Angstgegner der SGE, die nur zwei Siege in den letzten 14 Aufeinandertreffen erringen konnten. Und in der Partie Rang elf gegen Rang zehn gibt es für die Eintracht zusätzlich Personalprobleme: Bas Dost fällt auf jeden Fall aus, hinter dem Einsatz von Sebastian Rode steht noch ein Fragezeichen. "Wir wollen Revanche nehmen für das Hinspiel", sagt Eintracht-Coach Adi Hütter, "wenn wir einen schmutzigen Sieg feiern, bin ich in jedem Fall zufrieden." Vorsorglich änderten Unbekannte vor dem Aufeinandertreffen eine auf dem SGE-Gelände hängende Bundesligatabelle: Augsburg fand sich plötzlich auf Platz zwei wieder. Tipp: Zum Sieg reicht es trotzdem nicht, 1:1.

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Hertha BSC - 1. FSV Mainz 05: Jordan Torunarigha hatte sicherlich schon einfachere Wochen in seinem Fußballerleben. Am Dienstag im Pokal von Schalker Fans rassistisch beleidigt und später mit Gelb-Rot vom Platz geflogen, stellte der Verteidiger von Hertha nun Strafanzeige gegen Unbekannt. Ligaweit erhielt er Zuspruch, die Polizei und der DFB leiteten Ermittlungsverfahren ein. Sportlich wartet nun wieder der Bundesligaalltag, gegen Mainz will sich der BSC weiter vom Tabellenkeller entfernen. Starten dürfte für die Hauptstädter wie im Pokal Neuzugang Krzysztof Piatek. Der Pole knipste gegen Schalke direkt, und 05-Coach Achim Beierlorzer warnt: "Mit Piątek haben die Berliner einen sehr guten Stürmer verpflichtet und offensiv einen anderen Ansatz als zuvor. Wir müssen in unserem Spiel mit Ball eine große Stabilität und gleichzeitig eine gute defensive Absicherung haben." Tipp: Das klappt nur bedingt, Hertha siegt 3:1.

FC Schalke 04 - SC Paderborn 07: Dass ausgerechnet Schalke-Boss Clemens Tönnies nach dem Pokalspiel gegen Hertha eine Aufklärung der rassistischen Beleidigungen seiner Fans bekräftigte, hatte schon etwas perfides. Im vergangenen Jahr sorgte Tönnies noch mit seinen rassistischen Aussagen für einen ähnlichen Skandal und schuf zumindest teilweise ein Klima, in dem sich dieser rassistische und idiotische Teil der Anhänger wohl genug fühlte, um Jordan Torunarigha für seine Hautfarbe zu beleidigen. Ob das Stadion gegen Paderborn eine angemessene Reaktion zeigt? Sportlich sollte die Aufgabe für die Königsblauen machbar sein, 5:1 gewann man in der Hinrunde in der Benteler-Arena. SCP-Coach Steffen Baumgart sieht seine Mannschaft dennoch "nicht chancenlos" gegen die Schalker. Der von seiner Sperre im Pokal freigesprochene Schalke-Trainer konstatierte anerkennend in Richtung Paderborn: "Sie sind voll im Pudding." Tipp: Verlieren werden Baumgarts Jungs trotzdem, 2:0 für S04.

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SC Freiburg - TSG Hoffenheim: Die Tabellennachbarn (Rang acht und sieben) wollen unbedingt den Kontakt zu den internationalen Plätzen halten. Die in der Hinrunde so stark aufspielenden Freiburger (am vierten Spieltag fegte man die TSG mit 3:0 vom Platz) stehen nach den Niederlagen gegen Kellerkinder Paderborn und Köln langsam aber sicher unter Druck zu liefern, um nicht doch noch durchs Mittelfeld in den Abstiegsstrudel hineingezogen zu werden. "Wir müssen Energie auf den Platz bringen und die Zuschauer mitnehmen", sagt dazu Trainer Christian Streich. "Auf der Tribüne muss Emotionalität und Feuer da sein - aber auch Geduld." Die Sinsheimer verloren im Pokal nach zwei Bundesligasiegen in Folge nur knapp in München und sind besonders in der Offensive wiedererstarkt. Acht Tore in den letzten drei machen Hoffnung auf einen Auswärtssieg, ebenso das 4:2 in Freiburg vor gut einem Jahr. Tipp: Die TSG profitiert von der Leverkusen-Niederlage gegen den BVB, nutzt die Chance und rückt mit einem 2:1 in die europäischen Plätze vor.

VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf (alle Samstag, 15.30 Uhr): Nach dem verkorksten Rückrundenstart (zwei Niederlagen, ein Unentschieden, nur ein Tor) inklusive Trainerentlassung fährt Düsseldorf mal wieder mit einem Erfolgserlebnis zu einem Bundesligaspiel. Der Einzug ins Pokal-Viertelfinale war vor allem wegen der fünf Tore gegen Kaiserslautern wichtig für die Fortuna. "Die Mannschaft hat gesehen, was wir brauchen. Wir haben fünf Tore geschossen. Das müssen wir mitnehmen, denn wir brauchen auch in der Liga mehr Tore", sagte Neu-Trainer Uwe Rösler. Blöd nur, dass die Wolfsburger bisher keines der neun Pflichtspiele gegen Düsseldorf - verteilt über einen Zeitraum von 27 Jahren - verloren haben. Tipp: Die Fortuna trifft zwar wieder, geht aber trotzdem baden - 3:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Auf jeden Fall fahren wir nicht nach München und singen: Wir fahren nach Berlin." RB-Trainer Julian Nagelsmann auf die Frage, was das Pokal-Aus für Leipzig bedeute.

 

Der Spieltag beginnt mit der Partie Eintracht Frankfurt gegen FC Augsburg. Die beiden Mannschaften sind derzeit Tabellennachbarn im Mittelfeld der Bundesliga. Mit einem Sieg könnten die Frankfurter den FCA überholen.

Quelle: ntv.de