Fußball

Die Gründer der Super League Dieses "dreckige Dutzend" provoziert Europa

Das "dreckige Dutzend" des europäischen Spitzenfußballs (so heißt es in den englischen Medien) wartet zwar vergeblich auf deutsche Alliierte, bahnt sich aber trotz des erbitterten Widerstands aus allen Richtungen weiter seinen Weg. Obwohl Bayern München seine Teilnahme an der European Super League (ESL) noch einmal ausgeschlossen hat und sich die großen Fußball-Verbände auf ihren gemeinsamen Kampf gegen die Separatisten eingeschworen haben, wird das Vorhaben der zwölf europäischen Topklubs wohl nicht zu stoppen sein. Wir stellen die Klubs im Kurzporträt vor.

FC Liverpool

Unglaublich stark lokal verwurzelt, besonders durch die Hillsborough-Katastrophe von 1989 und die jahrzehntelange Aufarbeitung. Gegründet 1892 vom Brauereibesitzer John Holding. 2007 von den amerikanischen Geschäftsleuten George Gillett und Tom Hicks für umgerechnet gut 700 Millionen Euro gekauft. 2010 Weiterverkauf an New England Sports Ventures, heute Fenway Sports Group (FSG). Dem Konsortium gehören neben Liverpool und dem Stadion an der Anfield Road unter anderem auch der Baseball-Klub Boston Red Sox und dessen Heimstätte Fenway Park. Der Jahresumsatz der Reds betrug zuletzt mehr als 600 Millionen Euro. Trainiert von Jürgen Klopp.

Manchester United

Einst ein Verein von Eisenbahn-Arbeitern, gegründet als "Newton Heath L and Y Railway Football Club" (ab 1878), inzwischen ein weltweit operierender Konzern (seit 1902 Manchester United). Ein Übernahmeversuch von Rupert Murdoch wurde 1999 abgewehrt. Seit 2003 in Besitz der US-Unternehmerfamilie Glazer, zwei Jahre später gründeten enttäuschte Fans den FC United of Manchester. Malcolm Glazer übertrug ManUnited vor seinem Tod 2014 an seine sechs Kinder. Die Glazers besitzen auch den Super-Bowl-Champion Tampa Bay Buccaneers. United-Umsatz zuletzt: knapp unter 600 Millionen Euro.

FC Arsenal

Gegründet 1886 als Dial Square (Werkstattname) von Rüstungsarbeitern der "Royal Arsenal" im Südosten Londons - daher der Spitzname Gunners. Ab 1914 The Arsenal. 2007 übernahm der US-Milliardär Stan Kroenke erste Anteile, seit 2013 ist er Mehrheitseigentümer. Kroenke ist Mitbesitzer der NFL-Franchises Los Angeles Rams, ihm gehören zudem unter anderem die Colorado Avalanche aus der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL und die Basketballer der Denver Nuggets. Laut Forbes-Magazin ist Arsenal mit 2,8 Milliarden Euro die Nummer acht der weltweit wertvollsten Fußball-Klubs.

FC Chelsea

1905 von Brüdern gegründet, sind The Blues ein Vorreiter der Investoren-Klubs: Der russische Milliardär Roman Abramowitsch kaufte den Londoner Verein 2003 und schob ihn mit gewaltigen Investitionen Richtung nationaler und internationaler Spitze. Der Oligarch hat weit mehr als eine Milliarde Euro in den Verein gepumpt, zuckte aber 2018 auch wegen politischer Verwicklungen beim Bau eines neuen Stadions zurück. Gerüchte über einen Verkauf an den Ineos-Chef Sir Jim Ratcliffe konkretisierten sich nicht. Trainiert von Thomas Tuchel, Umsatz zuletzt: knapp unter 500 Millionen Euro.

Tottenham Hotspur

Gegründet 1882 von ein paar Schuljungen um einen gewissen Bobby Buckle als "Hotspur Football Club". Im Februar 2001 übernahmen der Milliardär Joe Lewis und sein Partner Daniel Levy mit einer auf den Bahamas registrierten Tochterfirma ihrer Investmentfirma ENIC International Ltd. die Mehrheit an den Spurs. Mittlerweile besitzen sie 85 Prozent der Anteile, der Rest befindet sich in Streubesitz. 2019 zog der Klub von der White Hart Lane ins Hotspur Stadium (Gesamtkosten inkl. Büro- und Wohngebäude ca. 1,4 Milliarden Euro) um. Der Umsatz betrug zuletzt 446 Millionen Euro. Am Montag trennten sich die Spurs von Teammanager Jose Mourinho.

Manchester City

Gegründet 1880 als West Gordon Saint Marks, 1894 umbenannt in Manchester City FC. Die Citizens gehören seit 2008 der City Football Group, an der zunächst zu 86,21 Prozent die Abu Dhabi United Group and Development (ADUG), also genau genommen das Königshaus des Emirates, sowie zu 13,79 Prozent die China Media Capital Football Holdings (CMC) beteiligt waren. Im November 2019 erwarb die US-Beteiligungsgesellschaft Silver Lake Partners zehn Prozent der Anteile, ADUG hält seitdem noch 78 Prozent, CMC zwölf Prozent. Der Umsatz von Manchester City, Klub des deutschen Nationalspielers İlkay Gündoğan, lag zuletzt bei 549 Millionen Euro. Coach ist Pep Guardiola.

Juventus Turin

1897 von 13 Studenten eines Turiner Gymnasiums gegründet, avancierte Juve in den 1930er Jahren erstmals zum italienischen Serienmeister. Ein Manipulationsskandal und der daraus resultierende Zwangsabstieg in die Serie B warfen die Turiner 2006 finanziell enorm zurück. Seit 2001 ist der Klub neben Lazio und AS Rom eines von drei an der italienischen Börse notierten Fußballunternehmen und liegt bei einem Wert von rund 1,42 Milliarden US-Dollar. Die niederländische Investmentgesellschaft Exor besitzt fast zwei Drittel der Anteile. Trotz gestiegener Verluste vermeldete Juve im Februar eine Reduzierung seiner Schulden um 27,4 Millionen Euro auf 357,8 Millionen Euro. In der Spielzeit 2019/20 lag der Umsatz bei geschätzten 398 Millionen Euro.

AC Mailand

Der 1899 als Mailänder Arbeiterverein gegründete Klub ist längst ein italienisches Fußballunternehmen. Im Vergleich zum Stadtrivalen Inter gilt der Klub als Nobelverein. 1986 übernahm der italienische Unternehmer Silvio Berlusconi mit seiner Holding Fininvest die Aktienmehrheit und fungierte bis 2004 als Präsident. Im August 2016 verkaufte Fininvest sämtliche Anteile an eine chinesische Investorengruppe. Zwei Jahre später übernahm dann eine US-amerikanische Investmentgesellschaft die Mehrheit. Ende 2019 betrug der Umsatz des Unternehmens rund 241 Millionen Euro.

Inter Mailand

Der "FC Internazionale Milano" wurde 1908 von verärgerten Mitgliedern des "Milan Cricket and Football Club", dem heutigen Stadtrivalen AC Mailand, gegründet. Der Name sollte im Gegensatz zu Milan CFC die Offenheit für Spieler aller Nationalitäten ausdrücken. Von 1995 bis 2013 war der Großunternehmer Massimo Moratti Haupteigentümer und Präsident, dann übernahm der indonesische Geschäftsmann Erick Thohir mit seiner Firma Sports Capital HK Limited die Mehrheit. Weitere drei Jahre später sicherte sich der chinesische Industriekonzern Suning Commerce für rund 270 Millionen Euro knapp 69 Prozent der Anteile. Das Geschäftsjahr 2019/20 schloss Inter mit Verlusten von 102 Millionen Euro ab. Der Umsatz betrug rund 292 Millionen Euro.

FC Barcelona

Der Schweizer Joan Gamper gründete 1899 den "Football Club Barcelona", um anders als die wenigen bis dato existierenden katalanischen Fußballklubs auch Ausländer aufzunehmen. Mehrfach rettete der fünfmalige Präsident seinen Klub in finanziellen Notlagen. Noch heute ist Barça als gemeinnütziger Verein organisiert. Aufgrund immenser wirtschaftlicher Schwierigkeiten unterzeichnete der Klub im Dezember 2010 erstmals einen Trikotsponsorenvertrag. Der Kontrakt mit "Qatar Sports Investments" brachte den Katalanen in den ersten zweieinhalb Jahren rund 75 Millionen Euro ein. Trotz einer Schuldenlast von über einer Milliarde Dollar löste Barca laut Forbes mit rund 4,76 Milliarden Euro jüngst den Erzrivalen Real Madrid als wertvollsten Fußball-Klub der Welt ab. 2019/20 betrug der Umsatz rund 855 Millionen Euro, 1,058 Milliarden waren prognostiziert.

Real Madrid

Als Ende des 19. Jahrhunderts in Madrid lediglich ein kleiner Verein Fußball betrieb, organisierte sich eine Gruppe von Spielern unter dem Namen "Madrid Foot Ball Club" mit Spielen auf Wiesen und Hinterhöfen. 1902 wurde der Verein offiziell gegründet. Ab 2000 führte der neue Präsident Florentino Perez Real aus der wirtschaftlichen Krise, unter anderem durch den Verkauf des ehemaligen Vereinsgeländes an mehrere Privatunternehmen. 2005 waren die Madrilenen erstmals der weltweit umsatzstärkste Fußball-Klub. Der Gesamtumsatz wurde 2020 nach Einnahmeverlusten in Höhe von 106 Millionen Euro auf 681,2 Millionen Euro beziffert.

Atletico Madrid

Atletico ging 1903 aus dem Verein "Athletic de Bilbao" hervor. Nachdem die Akteure aus Bilbao bei einem Spiel im Copa del Rey keinen einzigen Madrilenen berücksichtigt hatten, gründeten diese kurzerhand einen eigenen Verein. Ende April kam es zur Abspaltung des "Athletic Club de Madrid". Wie die meisten spanischen Erstligisten ist Atletico eine "Sport-AG" (Sociedad Anonima Deportiva – S.A.D.). Sportmanager Miguel Angel Gil Marin hält etwas mehr als die Hälfte der Anteile, jeweils rund 20 Prozent liegen beim derzeitigen Präsidenten Enrique Cerezo und dem chinesischen Unternehmen Wanda Madrid Investment. Die Familie um den verstorbenen Ex-Präsidenten Jesus Gil gilt als Hauptaktionär. Nach seinem Rücktritt im Alter von 70 Jahren übergab Gil die Geschäfte an den Filmunternehmer Cerezo. Der Umsatz lag 2020 bei rund 332 Millionen Euro.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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